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Umzug nach Frankfurt: "Haus der Stille" wieder auf Wachstumskurs

Ein spirituelles Zentrum mitten in der Großstadt Frankfurt, geht das überhaupt? Sehr gut sogar, sagen die Mitglieder des Vereins „Initiative zur Förderung geistlichen Lebens – Haus der Stille“.
Das „Haus der Stille“ hat im Nordend eine Heimat gefunden. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Das „Haus der Stille“ hat im Nordend eine Heimat gefunden.
Frankfurt. 

Grüne Fensterläden, halbrunder Vorbau, auf dem Balkon blühen Sonnenblumen und rote Geranien. Die Villa liegt in einer ruhigen Seitenstraße mitten in Frankfurt. Kein Lärm. Drüben spielen nur die Kinder des Kindergartens, rufen und lachen laut. „Wir sind gut angekommen“, sagt Herbert Nolte, Vorstandsmitglied im Verein „Initiative zur Förderung geistlichen Lebens – Haus der Stille“, zufrieden. „Die Leute sind erstaunt, dass es hier doch ruhig ist.“

Vor anderthalb Jahren zog das evangelische Haus im Diakonissenhaus im Nordend ein. Der Umzug erfolgte unfreiwillig: Zuvor war die Einrichtung idyllisch auf dem „Waldhof Elgershausen“ bei Greifenstein am Rand des Westerwaldes beheimatet. Sie geht auf eine Georgsbruderschaft zurück, die im 15. Jahrhundert mitten im Wald einen Hof mit einer Kapelle baute. Vor rund hundert Jahren entstand auf dem Gelände des Waldhofs eine Lungenklinik.

Die Klinik gehört mittlerweile zum Evangelischen Krankenhaus Mittelhessen und zieht 2020 nach Gießen um. Noch steht nicht fest, was dann aus dem Waldhof wird. Zum Jahresende 2014 ließ die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Pfarrstelle im Haus der Stille auslaufen und strich die Zuschüsse. Der Verein entschloss sich zum Neustart, nur mit Ehrenamtlichen, um weiterhin Mediationen, Stillezeiten oder Kurse zur Lebensorientierung und Spiritualität anzubieten.

„Viele Gäste vermissen die Heimeligkeit des Waldhofs, die landschaftliche Idylle“, gibt Vereinsvorsitzender Klaus-Willi Schmidt zu. „Aber wir sind von den Schwestern liebevoll und warmherzig aufgenommen worden. Das lassen sie auch die Gäste spüren.“ Der Verein mietet Räume nur dann, wenn er sie braucht. Im Waldhof musste das große Haus das ganze Jahr über finanziert werden. „Jeder Tag, der nicht belegt war, hat uns damals viel Geld gekostet“, erinnert sich Schmidt.

Im Büro klingelt das Telefon, jemand fragt, ob ein bestimmter Kurs stattfindet. Nolte kann noch nicht zusagen, es haben sich bisher wenige Interessierte angemeldet. Einige Seminare müssen ausfallen.

Aber die Zahlen steigen: 2015, im Übergangsjahr, nahmen an 36 Veranstaltungen 150 Personen teil. 2016 waren es schon im ersten Halbjahr 160 Teilnehmer. Die Großstadt biete auch neue Möglichkeiten. „Wir können hier ein anderes Milieu ansprechen“, sagt Schmidt. So beteiligte sich das Haus an der Frankfurter „Woche der Stille“. Zum „Heilsamen Singen“ kommen regelmäßig etwa 15 Leute.

Das Haus der Stille nutzt den Festsaal für große Veranstaltungen und den Andachtsraum für Meditationsabende. In einem Zimmer mit milchig-weißen Vorhängen finden Meditationen statt, im Nebenraum liegen die Sitzkissen. Die Gästezimmer sind teilweise mit schönen alten Möbeln ausgestattet. Eine Schwester in Tracht geht über den Flur. „Die Kirche steht immer offen“, erklärt sie freundlich. Dort feiert das Haus seine Gottesdienste.

Die Einrichtung bietet Kurse auch außerhalb Frankfurts an, zum Beispiel in Gießen, Herborn, Hofheim oder Riedstadt-Crumstadt. Damit bewegt sich der Verein, der seit 1993 besteht, wieder ein wenig zurück zu den Wurzeln: „Anfangs hatten wir noch kein Haus“, erzählt Schmidt. Damals veranstalteten Gruppenleiter Kurse dort, wo sie wohnten. Das Gebäude in Elgershausen bezog der Verein erst später. „Das lassen wir wieder aufleben.“

Gemeinden können die Mitarbeiter auch für einen Abend oder einen Tag buchen. „Nächstes Jahr wird das Programm noch vielfältiger“, verspricht Nolte. Trotzdem: Das Haus der Stille ehrenamtlich zu betreiben, bleibt eine Herausforderung für den fünfköpfigen Vorstand, in dem fast alle berufstätig sind. Ziel ist weiterhin, eine Stelle zu finanzieren. „Dann wäre auch mehr Wirkung nach außen möglich“, sagt Schmidt.

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