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Krabbelstube: Haussanierung: Kinder müssen Wohnungen weichen

Die Krabbelstube Sieben Zwerge muss ihre Räume in der Neuhofstraße verlassen, weil Investor Niko Bardowicks das Haus im Nordend ausbauen will. Eltern und Mitarbeiter sind empört. Bardowicks Sprecherin hält die Aufregung für übertrieben: Alles sei korrekt abgelaufen.
Im Oktober ist Schluss, dann müssen die Kinder und Erzieher die Räume in der Neuhofstraße räumen. Das Haus wird saniert, danach ist kein Platz mehr für die Krabbelstube "Sieben Zwerge". Foto: Rainer Rüffer Im Oktober ist Schluss, dann müssen die Kinder und Erzieher die Räume in der Neuhofstraße räumen. Das Haus wird saniert, danach ist kein Platz mehr für die Krabbelstube "Sieben Zwerge".
Nordend. 

Theo ist eineinhalb Jahre alt. Seit einem halben Jahr geht er in die Krabbelstube Sieben Zwerge, ihn einzugewöhnen hat sechs Wochen gedauert. „Er hat jetzt einen total starken Bezug zu den zehn anderen Kindern und vor allem zu den Erzieherinnen“, sagt seine Mutter Julia Kitzinger. Sie selbst konnte währenddessen nicht arbeiten gehen.

Wochenlang sah es so aus, als ob sie noch einmal sechs Wochen zu Hause bleiben muss. Denn die Krabbelstube in der Neuhofstraße muss Ende Oktober dieses Jahres schließen: Die nbii GmbH von Investor Niko Bardowicks hat das Gebäude im vergangenen Jahr bei einer Zwangsversteigerung erworben, will nun den Dachstuhl ausbauen und Schritt für Schritt die Wohnungen sanieren. „An dem Haus ist in den vergangenen 20 Jahre nichts gemacht worden, alles ist in einem schlechtem Zustand, wir müssen handeln“, sagt Miriam Bardowicks, die Sprecherin der nbii GmbH ist.

Das gibt sogar Einrichtungsleiterin Mounia Bouyardane zu. „Es ist ein altes Haus, mit Charme, aber die Keller beispielsweise sind feucht.“ Darüber, wie die Kündigung gelaufen ist, ob die Krabbelstube hätte gerettet werden müssen und wie dramatisch die ganze Sache eigentlich ist, gehen die Meinungen jedoch weit auseinander.

Die Kündigung

Eltern und Einrichtungsleitung fühlen sich überrumpelt. „Die Nachricht traf uns aus heiterem Himmel“, sagt Bouyardane. „Wir haben erstmal einige Zeit gebraucht, bis wir das verarbeitet hatten.“ Wochenlang hätten Eltern und Erzieher daraufhin Angst gehabt, dass die Kinder und das Erzieherteam auseinandergerissen werden. Erst in dieser Woche gab der Träger, die BVZ, bekannt: Kinder und Erzieher können gemeinsam umziehen – entweder innerhalb des Nordends, oder, wenn das nicht klappt, ins nahe Umfeld.

Bardowicks weist die Schuld von sich. Im Dezember sei die Kündigung ausgesprochen worden, im Januar habe es ein Gespräch mit der BVZ gegeben. Man habe sich geeinigt, dass die Kündigungsfrist von sechs auf neun Monate verlängert werde, damit der Wechsel von sechs Kindern in den Kindergarten noch reibungslos funktioniere. „Die BVZ hat uns zugesichert, dass die übrigen Kinder einen Platz in der Nähe bekommen und die Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden. Wir sind davon ausgegangen, dass diese Lösung auch kommuniziert wird.“

Die Kündigungsgründe

Um den Dachstuhl auszubauen, sei schweres Gerät notwendig, sagt Bardowicks. „Ich habe selbst drei Kinder, ich würde nicht wollen, dass die um einen Baukran krabbeln.“ Die übrigen Mieter hätten einen separaten Eingang. Deshalb sei es nur logisch, dass die Kita während der Sanierung ausziehen müsse, die anderen Mieter aber nicht. Danach wieder einziehen könne sie deshalb nicht, weil Kitas andere Anforderungen hätten als Wohnungen. „Darauf sind wir nicht spezialisiert und werden auch nicht damit anfangen.“

„Fadenscheinig“, nennt Mama Kitzinger diese Argumente. Entweder, man könne die Sicherheit für alle garantieren oder nicht. Und Kitas seien Mieter wie alle anderen auch. „Die kriegen das Geld überwiesen und fertig.“

Die potenziellen Retter

Die Stadt hätte helfen müssen, die Krabbelstube zu retten, findet Julia Kitzinger. Zum Beispiel durch ihr Vorkaufsrecht bei der Versteigerung.

Geht nicht, erwidert Barbara Brehler-Wald vom Baudezernat. Denn ein Vorkaufsrecht hat die Stadt nur in ganz bestimmten Fällen. Etwa wenn es einen Bebauungsplan gibt, der für das Gebäude eine „Nutzung für öffentliche Zwecke“ vorsieht. Wenn es sich um ein förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet handelt oder die Stadt extra eine sogenannte Vorkaufsrechtssatzung erlassen hat. Die gebe es bisher ausschließlich im Bereich des Römerhofs. Und auch sonst sei keine der Bedingungen erfüllt. „Wir gehen also davon aus, dass die Stadt hier kein Vorkaufsrecht hat.“

Die Dramatik

„Es ist sehr bedenklich, dass eine Kita rausgeschmissen wird, wo es im Nordend doch eh zu wenige Kitaplätze gibt“, sagt Theos Mutter Julia Kitzinger. Sie vermutet, dass der Investor luxussanieren will. „Sonst kauft man sowas doch nicht.“ nbii-Sprecherin Bardowicks widerspricht. „Natürlich sind das dann schöne Wohnungen, die sich nicht jeder leisten kann. Aber Luxussanierungen machen wir sicher nicht. Und eine Heuschrecke aus London sind wir auch nicht.“ Sie verweist darauf, dass man hier tatsächlich über fünf Kinder spreche: Die anderen sechs kämen ja im Herbst in den Kindergarten.

Kita-Leiterin Bouyardane glaubt allerdings nicht, dass dann keiner mehr nachkommt: Sie hat bereits eine weitere Stelle beantragt.

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