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Wirtschaftsclub Rhein-Main lädt Frauke Petry ein: Heftiger Streit über AfD-Chefin

Von Aus Protest gegen einen geplanten Vortrag der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry in der Villa Bonn hat Stefan Söhngen gestern sein Amt als Beiratsmitglied des Wirtschaftsclubs Rhein-Main niedergelegt. Dessen Präsidium hatte die nationalkonservative Politikerin eingeladen.
AfD-Vorsitzende Petry Bilder > Foto: imago stock&people (imago stock&people) AfD-Vorsitzende Petry
Frankfurt. 

Auf dem Internet-Kalender des Wirtschaftsclubs Rhein-Main war der Auftritt der AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry Mittwochabend nicht zu finden. Streit darüber gab’s trotzdem. Die nationalkonservative Politikerin soll am Donnerstag, 23. März, ab 19.30 Uhr in der Villa Bonn im Westend sprechen. Angekündigt ist ein Referat mit dem Titel „Deutschland im Wahljahr – Realität der demokratischen Debatte“. Wegen der Einladung der AfD-Frau durch das Präsidium des Wirtschaftsclubs hat dessen Beiratsmitglied Stefan Söhngen gestern sein Amt niedergelegt.

Auch Dorian Hartmuth, ein anderes Beiratsmitglied, ist Gegner der Veranstaltung. Der Vorsitzende des Vereins Liberaler Mittelstand Hessen sieht in Petry „jemanden, der unsere freiheitliche Verfassung ablehnt“. Er werde im Liberalen Mittelstand diesen „charakterlichen Lumpen immer sofort die Tür weisen“, sagt der Personalberater mit Blick auf die Mitglieder der AfD.

Hartmuth betont, dass sein Großvater in der Zeit des Nationalsozialismus zum weiteren Kreis von Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehörte. Dieser war bekanntermaßen an dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. Von seinem Großvater habe er „gelernt, dass man den Faschisten, gleich mit welchem Argument, nie ein Podium geben darf“, sagt Harthmuth. Er erinnert daran, dass Hitler bei seinem Aufstieg auch erst mal Industrielle auf seine Seite gezogen habe. Seine „Enttäuschung“ über den Petry-Auftritt habe er im Wirtschaftsclub schon zum Ausdruck gebracht.

Ex-Beiratsmitglied Söhngen findet, dass die AfD mit Björn Höckes umstrittener Rede und ihren „völkischen Begriffen“ eine „Rote Karte“ verdient habe und das Spielfeld verlassen sollte. Dass ein konservativ orientierter Kreis wie der Wirtschaftsclub der AfD eine Plattform biete, hält er „gerade in einer Stadt wie Frankfurt, die immer durch Internationalität glänzte“, für falsch. Deshalb habe er gegenüber dem Präsidenten Thomas Kremer telefonisch seinen Rücktritt erklärt.

Bedauern im Präsidium

Kremer, der als Präsident das Programm des Wirtschaftsclubs Rhein-Main verantwortet, brachte auf Nachfrage sein Bedauern über den Rücktritt Söhngens zum Ausdruck. Er akzeptiere dessen Entscheidung und auch die Erklärung dafür. Kremer berichtet, dass man als politisch neutrale Vereinigung vor der Bundestagswahl Politiker aller größeren Parteien habe einladen wollen. Im Hinblick auf Frauke Petry sei zunächst ein Streitgespräch geplant gewesen. Die angefragten „Kontrahenten“ – Janine Wissler (Linke) und Wolfgang Bosbach (CDU) – hätten aber abgesagt, so dass man sich schließlich für eine Vortragsveranstaltung allein mit Petry entschieden habe. Man habe die AfD-Politikerin schon im Herbst eingeladen, und sie habe auch relativ schnell zugesagt.

„Klar, dass das polarisiert“

„Mir war klar, dass das polarisiert“, sagt Kremer über den Auftritt der AfD-Frau. Zu seinem Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit gehöre es aber, auch Menschen anzuhören, die anderer Meinung sind als man selbst. Als Mitglied des linksliberalen Flügels der FDP sei er weder auf einer Linie mit der AfD, noch auf einer Linie mit der Linken. Trotzdem habe er Petry und die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Wissler, nach Frankfurt eingeladen. Nicola Beer (FDP) sei bereits im Herbst aufgetreten, auch Christian von Stetten (CDU), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) und Omid Nouripour (Grüne) kämen noch.

Kremer betont, dass die Einladung zu Petrys Auftritt am Dienstag an 800 Mitglieder gegangen sei. Es habe nur fünf kritische Rückmeldungen, dafür aber „80 Anmeldungen in sechs Stunden“ gegeben. Absagen möchte Kremer den Vortrag nicht, „es ist ja alles organisiert“. Aufgabe eines parteineutralen Clubs ist aus seiner Sicht, „dass man sich auch Themen widmet, die eben nicht ,mainstream‘ sind und mit diesen in die Diskussion geht. Meines Erachtens ist es Teil des Erfolgs einzelner Parteien, dass sie pauschal verurteilt und in eine tendenziöse Ecke gestellt werden.“

Auch der Frankfurter Publizist Michel Friedman meldete sich gestern zu Wort: „Ich finde die AfD, so lange sie Herrn Höcke im Vorstand hat, nicht satisfaktionsfähig“, sagte er. Teile der Partei seien „offen rassistisch“ und argumentierten menschenverachtend. Als Wirtschaftvereinigung müsse man sich schon ernsthaft fragen, „ob man die AfD mit einer solchen Veranstaltung nicht salonfähig macht“.

Die linksgerichtete Gruppe „No Fragida“ bereitet für den 23. März bereits eine Gegendemo vor.

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