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Restaurierung auf Freidhof: Heimatverein Eckenheim rettet Ehrenmal für 1. Weltkrieg

Von Seit 14 Jahren kämpft der Heimatverein Eckenheim für den Erhalt des Ehrenmals auf dem Alten Friedhof. Inzwischen ist das Denkmal restauriert. Und seit gestern hängt daneben eine Gedenktafel mit den Namen aller Eckenheimer, die im Ersten Weltkrieg fielen.
Oskar Pfreundschuh (links) und Arthur Rudolph schrauben noch mal symbolisch die Gedenktafel auf dem Alten Friedhof in Eckenheim an. Foto: Holger Menzel Oskar Pfreundschuh (links) und Arthur Rudolph schrauben noch mal symbolisch die Gedenktafel auf dem Alten Friedhof in Eckenheim an.
Eckenheim. 

Schön sei es geworden, sagt Werner Pfeiffer, der Vorsitzende des Heimatverein Eckenheim. Nicht ohne Stolz schaut er auf die Gedenktafel aus Edelstahl. Die hängt nun neben dem Ehrenmal auf dem ehemaligen Eckenheimer Friedhof, der heutigen Georg-Esser-Anlage, und trägt die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Eckenheimer. Denn die sind auf dem Ehrenmal längst ebenso wenig zu erkennen, wie jene der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Weil das Ehrenmal stark beschädigt war, wollte die Stadt es vor einigen Jahren sogar abreißen lassen. Doch auch Jessica Beebone vom Kulturamt freut sich über die nun umgesetzte Lösung.

Voraus ging dem eine 14 Jahre lange Diskussion, die der heutige Ehrenvorsitzende Oskar Pfreundschuh anstieß. Er wollte das Ehrenmal retten, für das sich weder die Stadt noch der Eigentümer des Grundstücks, die evangelische Nazarethgemeinde und der Evangelische Regionalverband (ERV), interessieren. Pfreundschuh forderte von der Stadt, das Ehrenmal instand zu setzen – einschließlich der Namen der Gefallenen. Doch letzteres erwies sich als schwierig: Die Namen war teilweise nicht mehr lesbar und eine vollständige Liste gab es nicht. Im Laufe der Jahre verfiel das Ehrenmal, bis sogar eine kleine Birke oben auf dem aus Muschelkalk erstellten Bauwerk wuchs. Das Bäumchen sprengte den Kalk, so dass Teile der Abdeckung zu Boden fielen: Das Ehrenmal wurde abgesperrt, der Abriss drohte.

800 Unterschriften

Erst als der Heimatverein fast 800 Unterschriften sammelte, fand auch der Ortsbeirat, der sich für den Erhalt des Ehrenmals einsetzte, bei der Stadt Gehör. „Fast jeder in Eckenheim hat Familienangehörige, die im Krieg gefallen sind“, erklärt Werner Pfeiffer, warum es für den Stadtteil so wichtig ist. Die Stadt erklärte sich zum Gespräch bereit und organisierte im Mai 2014 einen Runden Tisch. „Ein Ergebnis war, dass die Gemeinde das Gelände an die Stadt verkauft. Und das Kulturamt erklärte sich bereit, ein Gutachten über den baulichen Zustand des Ehrenmals zu erstellen“, sagt Pfeiffer.

Ohne den Einsatz von Heimatvereinsmitglied Arthur Rudolph wäre die jetzt angebrachte Gedenktafel jedoch nicht möglich gewesen. „Er hat sich bei der Recherche der Namen der Gefallen und bei der Gestaltung der Ehrentafel große Verdienste erworben“, sagt Pfeiffer. Denn eine Sorge verhinderte jahrelang eine Rekonstruktion der Namen: der mögliche Ärger, sollte auch nur ein Name vergessen werden. Nun aber ist sich der Heimatverein sicher, dass alle Gefallen verzeichnet sind.

Eine andere Frage war: Sollen die Namen auf dem Ehrenmal selbst oder auf einer Tafel aufgeschrieben werden. Am Ende setzte sich das Kulturamt mit seiner Auffassung durch, das Ehrenmal lediglich zu sanieren. „Die Zeit hinterlässt ihre Spuren und Denkmäler sollen diese Zeit widerspiegeln“, sagt Beebone. „Es wäre skurril gewesen, das alte Ehrenmal auf Hochglanz zu polieren und die verwitterten Namen nachzumeißeln.“ Es gebe in allen Stadtteilen Ehrenmale und jedes hat einen eigenen Charakter. „Das Eckenheimer Denkmal soll seinen eigenen Charakter erhalten. Immerhin haben die Hinterbliebenen, oft die Witwen der Gefallenen, mühsam das nötige Geld für den Bau zusammengekratzt.“

8000 Euro

Rund 8000 Euro hat sich die Stadt nun die Gedenktafel und die Sanierung des Ehrenmals kosten lassen. Das Ehrenmal wurde bereits 2013/2014 saniert, nachdem ein Gutachten zu dem Schluss kam: Eine Sanierung ist machbar. „Es wurde gereinigt, ausgebessert und mit einem Graffiti-Schutzanstrich versehen“, erklärt Beebone.

Von der Idee, auf der Gedenktafel neben den Namen weitere Informationen aufzuführen, sahen Stadt und Heimatverein ab. Stattdessen verweist nur ein QR-Code, den Besucher mit ihrem Smartphone einscannen können, auf die Internetseite des Heimatvereins. Der Verein hat seine Homepage neu gestaltet und für den Zugriff von Mobiltelefonen aus optimiert. „Es kommen ja immer wieder neue Erkenntnisse dazu, die man im Internet am Besten aktuell halten kann. Der Heimatverein Eckenheim macht das vorbildlich“, so Beebone.

Noch ist die Arbeit für die Heimatforscher nicht getan, sagt Oskar Pfreundschuh. Denn noch ist die Liste der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs nicht vollständig. „Außerdem würde ich gerne auch der Eckenheimer Opfer des Naziregimes gedenken.“ Die Recherche geht also weiter.

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