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Textor-Grundschüler als Sanitäter: Helfer kennen kein Mindestalter

Von Schulsanitäter sind an weiterführenden Bildungseinrichtungen keine Seltenheit mehr – an Grundschulen jedoch schon. Das will die Textorschule ändern und ihr 2013 gestartetes Sanitäts-Projekt nun auch anderen Schulen schmackhaft machen.
Die Viertklässlerin Noel wird fachgerecht von ihren Mitschülerinnen Isabella, Rubi und Anne-Sophie (von links) in die stabile Seitenlage gelegt. Ihre Lehrerin und Ausbilderin Ramona Zeck (rechts) beobachtet die Viertklässlerinnen der Textorschule mit Wohlgefallen. Foto: Michael Faust Die Viertklässlerin Noel wird fachgerecht von ihren Mitschülerinnen Isabella, Rubi und Anne-Sophie (von links) in die stabile Seitenlage gelegt. Ihre Lehrerin und Ausbilderin Ramona Zeck (rechts) beobachtet die Viertklässlerinnen der Textorschule mit Wohlgefallen.
Sachsenhausen. 

Den Dreh mit der stabilen Seitenlage haben Anne-Sophie, Isabella, Rubi und Noel schon lange raus. Und die Eselsbrücken, die ihnen Lehrerin Ramona Zeck beigebracht hat, könnten auch so manchem Erwachsenen helfen: „Erst machen wir ,High Five‘, dann das Knie hoch“, erklärt die zehnjährige Anne-Sophie, als sie ihren Klassenkameraden Noel zu Anschauungszwecken in die bekannte Erste-Hilfe-Position verfrachtet.

Sein Arm ist nun im rechten Winkel nach oben abgeknickt, das Knie angewinkelt. Den nächsten Schritt merkt sie sich mit „Ahoi“ und führt Noels verbleibende Hand zur gegenüberliegenden Schulter. „Jetzt kann man ihn zur Seite rollen, den Kopf noch ordentlich legen, so dass er nicht ersticken kann. Ist doch ganz einfach“, sind sich auch Isabella und Rubi einig, die ihre Freundin bei der Demonstration unterstützt haben.

Stolz auf Verantwortung

Die vier Viertklässler gehören seit Anfang des Schuljahres zum Ersthelfer-Team an der Textorschule, der ersten Frankfurter Schule, die den Mut hatte, auch jüngeren Kindern die Verantwortung als Schulsanitäter zu übertragen. „Natürlich sind wir darauf sehr stolz, zumal wir nur positive Erfahrungen gemacht haben und die Schulsanitäter als Vorbilder der gesamten Schule dienen“, schwärmt Schulleiterin Tamara Neckermann.

Ins Leben gerufen hat den außerschulischen Kurs – der inzwischen auch als Element für den „Pakt für den Nachmittag“ und als Europaprojekt der zertifizierten Europaschule etabliert ist – die 30-jährige Lehrerin Ramona Zeck. Sie kam über einen eigenen Erste-Hilfe-Kurs auf die Idee, auch ihren Schülern die Grundlagen des richtigen Helfens zu vermitteln. „Ich habe mir ein Konzept überlegt und nach Zustimmung der Schulleitung zunächst mit meiner eigenen Klasse damit angefangen“, erzählt sie.

„Sind alle scharf drauf“

Nachdem die Schüler aus der Pilotklasse im vergangenen Jahr nach der vierten Klasse die Schule verließen, hieß es neue kleine Sanitäter aus den Klassen zwei bis vier finden. „Eine große Herausforderung war das nicht“, sagt Schulleiterin Neckermann. Sie erinnert sich gut, wie etliche Schüler und Eltern ungeduldig auf die Öffnung des Projekts warteten: „Die Kinder waren ganz scharf darauf, Verantwortung zu übernehmen und das Helfen professionell zu lernen. Im vergangenen Schuljahr kamen knapp 80 zusammen, für das kommende haben wir vor den Ferien bereits 30 Anmeldungen“, freut sich Zeck.

In der Praxis sieht der Schulsanitätsdienst so aus, dass sich die Gruppen einmal pro Woche treffen, Carmen Zeck ist die Ausbilderin. Manchmal kommt dann auch Sabrina Sütö mit ihrem Team vom Kooperationspartner vorbei, dem Jugendrotkreuz. Sie bringt manchmal Trainingsutensilien mit, um etwa Herz-Lungen-Massage zu üben, oder führt einen Krankenwagen vor. „Was wir in den Stunden gelernt haben, war wirklich spannend“, sind sich die Schüler einig.

Profis schauten erstaunt

Im regulären Schulbetrieb sind in den Pausen je ein halbes Dutzend Nachwuchssanitäter eingeteilt. Sie kümmern sich um Schürfwunden, trösten, schicken Schaulustige weg. Und wenn doch einmal etwas Schlimmeres passiert: „Als sich eine Mitschülerin den Arm gebrochen hat, waren sie richtig professionell, auch mit den alarmierten ,echten‘ Sanitätern, die sie zur Unfallstelle im Hof geleiteten“, erinnert sich Zeck. Den erstaunten Blick der Profis wird sie so schnell nicht vergessen.

Dass die Ersthelfer durch die Einsätze präsent sind und anderen Kindern als Vorbilder dienen, ist ein positiver Nebeneffekt. „Meine Erstklässler haben sich an diesem Sozialverhalten auch im Klassenzimmer einiges abgeschaut, was wunderbar ist“, erzählt die Lehrerin. Sie ist stolz darauf, dass sie einige nach den Sommerferien als Schulsanitäter ausbilden darf.

Für die vier Viertklässler, die an weiterführende Schulen wechseln, ist dann erstmal Einsatzpause: „An der Carl-Schurz-Schule zum Beispiel geht es erst in der siebten Klasse wieder weiter“, erzählt Anne-Sophie. Dabei haben sie und ihre Freunde längst bewiesen, dass es fürs Helfen kein Mindestalter gibt.

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