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100 Jahre „Philharmonie“: Herbstfest mit einem „Sex-Mord“

Ein Toter, ein zerstrittenes Ehepaar und eine Prostituierte: Die Theatergruppe „Philharmonie Fechenheim“ feiert Ende September ihr Herbstfestival. An zwei Abenden führen neun Schauspieler um Regisseur Erik Barth die Komödie „Mord durch Sex“ auf. Der Verein, der 2018 den 100. Geburtstag feiert, will das Festival künftig jährlich ausrichten. Wer sind die Macher?
Mit Pistole im Rollstuhl: Martin Fiedler (Mitte) gibt den komisch-traurigen „Bernie“, Erik Barth (rechts) als Regisseur dem Hauptdarsteller gerade einen Fingerzeig und hält Regieassistentin Aniko Nagy (links) gewissenhaft Anweisungen und Absprachen fest. Foto: Leonhard Hamerski Mit Pistole im Rollstuhl: Martin Fiedler (Mitte) gibt den komisch-traurigen „Bernie“, Erik Barth (rechts) als Regisseur dem Hauptdarsteller gerade einen Fingerzeig und hält Regieassistentin Aniko Nagy (links) gewissenhaft Anweisungen und Absprachen fest.
Fechenheim. 

Auf der Bühne sitzt ein Mann in einem Rollstuhl. Er hält sich eine Pistole an die Schläfe und lamentiert übers Scheitern seines Lebens. „Nimm sie in den Mund, das geht schneller“, sagt seine Frau, als sie die Bühne betritt – so beginnt das Theaterstück „Mord durch Sex“, das die „Philharmonie Fechenheim“ auf ihrem ersten Herbstfestival aufführen wird.

„Wir wollen Komödien aufführen“, sagt Aniko Nagy, Regieassistentin und Schauspielerin. „Der Stadtteil ist dörflich“, ergänzt Erik Barth, der Regisseur, „mit einem Drama erreicht man hier vermutlich weniger Menschen.“ Er sucht ständig nach neuen Theaterstücken, fragt Leseproben bei Verlagen an. Die Philharmonie, die nächstes Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, hat in ihrer Geschichte vor allem Komödien aufgeführt. „Sie bietet den einfachsten Zugang zum Theater“, sagt Nagy, „und Theater ist mehr, als ,Sein oder Nichtsein’.“

„Mord durch Sex“ war bereits im April aufgeführt worden: Damals verkaufte der Verein 160 Karten für zwei Vorstellungen – mehr als 80 Zuschauer passten nicht in den Saal. Das Stück handelt von Bernie Anderson, einem Arbeitslosen, der erst Maler, dann Schriftsteller werden möchte. Seine Frau Dr. Nicole Anderson, die als Ärztin arbeitet, betrügt er mit einer Prostituierten.

Bereits 1918 gegründet

Der „Verein zur Pflege des Amateurtheaters und der Musik“ gründete sich 1918 und ist damit der zweitälteste Theaterverein in Hessen. Seitdem spielen die Mitglieder Theater; allein in diesem Jahr zehn Stücke. „Wir haben früher vor allem deutsche Klassiker gespielt, heute sind auch Stücke englischer Autoren darunter“, erzählt die Vorsitzende Marion Berger. Im Vereinsheim hängen Schwarz-Weiß-Bilder von Akteuren aus den „Zwischenkriegsjahren“. „Junge Leute gründeten damals den Verein, um den Krieg hinter sich zu lassen“, sagt sie. Seit 50 Jahren engagiert sie sich für den Verein, der eine Abteilung für Theater und eine für Musik hat. Sie spielt im Theaterensemble mit.

Die Proben für „Mord durch Sex“ begannen schon im November vergangenen Jahres. Neun Mitglieder agieren als Mimen, andere bauen Kulissen, nähen Kostüme. Der Hauptdarsteller Martin Fiedler erzählt: „Irgendwann sah ich eine Aufführung der Philharmonie. Danach wollte ich unbedingt eine kleine Rolle spielen“, erzählt er davon, wie ihn einst der „Virus“ packte. Vor der ersten Aufführung im April probte er dreimal pro Woche. „Ich mag Filme. Das Theater ist das Ganze in echt“, erklärt er. Im nächsten Jahr werde er aber nur eine kleinere Rolle übernehmen.

Die Rollen vergibt Regisseur Barth „nach Gefühl“. Schauspielern erfordere viel Disziplin, betont Nagy, „wir wollen ja, dass das gut wird.“ Ihren Text habe sie noch nie vergessen. Und selbst wenn: „Die Zuschauer sehen das Stück ja zum ersten Mal“, so Barth, „sie merken es zum Glück nicht, wenn ein Dialog nicht passt.“

Schauspielern oder Regie

Gibt es eigentlich Tipps gegen Lampenfieber? „Nein. Und ich finde, es gehört dazu“, sagt Berger. Auf der Bühne verschwinde die Anspannung und am Ende, wenn der Vorhang falle, sei man glücklich.

Nur ein Problem plagt den Verein: „Uns fehlen Akteure zwischen 40 und 60 Jahren“, sagt Berger, „und generell Männer.“ Zudem benötige man Helfer hinter der Bühne. Die Philharmonie hat derzeit etwa 50 Mitglieder. Sie wechseln sich ab, schauspielern oder führen Regie. Damit fünf Leute auf der Bühne Applaus ernten, stehen zehn Leute hinter der Bühne – von der Maskenbildnerin bis zum Bühnenbauer. Alle lieben das Gemeinschaftsgefühl. Das Festival soll neue Mitglieder anlocken. „Wir haben das Gefühl, dass der Verein an Attraktivität verliert“, bedauert Nagy, „deshalb treiben wir neue Projekte voran.“ Das Herbstfestival will der Verein 2018 wiederholen. „Das ist ein Ziel. Der Verein braucht das“, sagt Nagy. Und Barth ergänzt: „Wir wollen wieder ein Teil von Fechenheim werden.“

Das Herbstfestival

Vorstellungen steigen am Samstag, 30. September, 20 Uhr, und Sonntag, 1. Oktober, 17 Uhr, im Mainbörnchen, Burglehen 7. Erwachsene zahlen 12 Euro, Kinder 9 Euro Eintritt.

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