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Stadthistoriker Hans-Otto Schembs im Interview: Herr Schembs, wie stehen Sie zum Neubau der Altstadt?

Seit Jahrzehnten ist Hans-Otto Schembs als Stadthistoriker eine Institution. Allein in der Stadtbibliothek stehen mehr als 20 Bücher, die seine breite Beschäftigung mit der Historie seiner Geburtsstadt zeigen. FNP-Mitarbeiter Hermann Wygoda hat mit ihm über sein Jahrzehnte langes Arbeiten an und über Frankfurts Historie gesprochen.
Hans-Otto Schembs Foto: Wygioda Hans-Otto Schembs
Frankfurt. 

Herr Schembs, wie lange beschäftigen Sie sich mit Frankfurts Geschichte?

HANS-OTTO SCHEMBS: Angefangen habe ich mit der Bibliografie für die Kommission zur Erforschung der Geschichte der Frankfurter Juden, bei der ich beteiligt war. Das hatte der damalige Leiter des Instituts für Stadtgeschichte, Dietrich Andernach, der auch der Geschäftsführer der Jüdischen Kommission war, in die Wege geleitet.

Erschienen ist die Bibliografie zur Geschichte der Frankfurter Juden 1978. Ich habe nachgelesen, dass Sie „Privatgelehrter“ sind. Wie sehen Sie diesen Begriff, den Professor Klötzer 2008 in seiner Laudatio auf Sie bei der Verleihung des Stoltze-Preise benutzt hat? Hat Ihnen diese Beschreibung gefallen?

SCHEMBS: Also ich muss sagen, dass mich der Begriff ehrt. Ich bin nun mal ein selbstständiger Historiker. Da passt der Begriff meiner Meinung nach doch ganz gut.

In der Tat, wenn man sich Ihre Bibliothek ansieht, in der Sie leben, trifft der Begriff ja auch zu. Wann haben Sie im Institut für Stadtgeschichte angefangen?

SCHEMBS: Das war während meines Studiums. Für meine geplante Promotion hatte ich mir das Thema „Frankfurts Klosterhöfe“ ausgesucht. Im Spätmittelalter hatten viele auswärtige Klöster hier in Frankfurt eigene Höfe, also die Klöster aus dem Umland, die in der Stadt einen Wirtschaftshof unterhalten haben. Heute sind noch der Hainerhof oder der Arnsburger Hof bekannt. Es waren aber viel mehr.

Aus der Dissertation ist dann nichts geworden?

SCHEMBS: Ich weiß bis heute nicht genau, warum. Ich habe mich bei dem Thema wohl verschätzt. Ich habe mich so weit ausgedehnt, so viel Literatur am Rande des Themas gelesen. So viel wäre für das Thema gar nicht notwendig gewesen. Heute läuft das wohl auch durch meine journalistische Arbeit besser, denn da ist man ja gezwungen, einen Text so pünktlich wie möglich abzugeben.

Aber jetzt könnten Sie es doch noch einmal versuchen?

SCHEMBS: Nein, das ist jetzt vorbei. Und nach der Bibliografie über die Frankfurter Juden schloss sich dann eine Arbeit für die Historische Kommission an, das Frankfurter Wörterbuch.

Wir haben in der Stadtbibliothek gesehen, dass dort von Ihnen als Autor 25 Bände verzeichnet sind. Ist Ihnen eines davon besonders wichtig?

SCHEMBS: Das ist für mich nicht einfach zu sagen. Denn alle „Kinder“ sind für ihre Eltern doch gleich. Ganz gern habe ich den Sammelband mit früheren Veröffentlichungen, die ich unter anderem auch für die Senioren-Zeitschrift oder das Frankfurt-Archiv geschrieben habe. Der hat den Titel „Spaziergang durch die Frankfurter Geschichte“. Ich habe da verschiedene Stationen beschrieben, wie beispielsweise das Kaufhaus Wronker auf der Zeil. Dieser Band gefällt mir schon am besten.

Sie waren aber nie fest angestellt im Institut für Stadtgeschichte?

SCHEMBS: Nein, das war ich nie.

Warum? Wollten Sie nicht?

SCHEMBS: Es gab wohl nie eine Stelle für mich – mit der fehlenden Dissertation. Aber später war ich ja auch Geschäftsführer der Freunde Frankfurts. Dann hätte es keinen Sinn mehr gemacht. Ich hatte aber Werkverträge bekommen. Bis heute arbeite ich noch dort.

Sie haben gerade die Freunde Frankfurts angesprochen. Dort waren Sie ja auch sehr lange Geschäftsführer?

SCHEMBS: Fast 25 Jahre.

Warum haben Sie dort aufgehört? Eine Altersbegrenzung gibt es dort ja wohl nicht. Ist es richtig, wie wir hören konnten, dass Sie sich in Ihrer Arbeit dort, von der Arbeit der Freunde vor dem Zweiten Weltkrieg zu sehr abgesetzt haben, zu viel Neues im Angebot hatten?

SCHEMBS: Die Freunde Frankfurts waren 1966 ja nach dem Tod von Fried Lübbecke aus dem „Bund tätiger Altstadtfreunde“ hervorgegangen. Sie hatten sich bereits zeitgemäß erneuert und breiter gefächerten Aufgaben zugewandt. Dazu gehörte unter anderem auch die Frankfurter Mundart. Das habe ich als Geschäftsführer ab 1986 gemeinsam mit dem Vorstand weitergeführt und sogar ausgebaut. Mit Erfolg, wie sich an den wachsenden Mitgliederzahlen ablesen lässt.

Wie viele Mitglieder hatten die Freunde Frankfurts?

SCHEMBS: Wir hatten fast 1400 Mitglieder, und wir haben beispielsweise das älteste Fachwerkhaus Frankfurts, die Schellgasse 8, als Geschäftsstelle und Veranstaltungsort angemietet. Zuletzt stellte sich leider ein Gefühl ein, dass diese Arbeit nicht mehr geschätzt wurde. Da hat es für mich keine Freude mehr gemacht.

Sie sind ja auch in vielen anderen Vereinen tätig. Bei der Stadtsparkasse, beim Stoltzemuseum, in der Historisch-Archäologischen Gesellschaft, was machen Sie dort?

SCHEMBS: Also beim Stoltzemuseum halte ich als Vorstandmitglied Vorträge in Frankfurter Mundart. In der Historisch-Archäologischen Gesellschaft bin ich als Schriftführer im Vorstand. Ich werde in diesem Monat dort einen Vortrag über die Geschichte der Gesellschaft halten. 1997 habe ich das Buch zum 120. Jubiläum der Gesellschaft geschrieben. Heute sind das ja zwei Museen. Das Historische Museum und das Archäologische Museum. Sie haben beide die gleiche „Mutter“, die Archäologische-Historische Gesellschaft, wenn man so will.

Lassen Sie mich noch auf ein weiteres Thema kommen: den Neubau der Altstadt. Wie stehen Sie dazu?

SCHEMBS: Ich habe mich bei dem Thema immer sehr vorsichtig ausgedrückt, denn es hängen ja auch viele Emotionen an diesem Stück Frankfurt. Für mich ist jede Rekonstruktion doch immer ein Museum, es ist Kulisse. Das hat sogar Fried Lübbecke nach dem Krieg gesagt, der so etwas auch nicht wollte. Er hatte zusammen mit dem Denkmalpfleger Zimmermann bei der Beibehaltung der Struktur etwas Zeitgemäßes geplant, aber keine Rekonstruktion. Doch ich bin mir sicher, dass diese neue Altstadt wichtig für Frankfurts Image werden wird. Also wissen Sie, wenn man heute davor steht, sieht man wie mächtig diese Häuser früher schon waren. Das ist zweifellos imponierend. Die können es durchaus mit aktuellen Bauten aufnehmen, was ihre Größe betrifft.

Gibt es noch ein Thema, über das Sie gerne ein Buch schreiben würden?

SCHEMBS: Das ist eine schwierige Frage. Doch, wir haben uns ja gerade über die neue Frankfurter Altstadt unterhalten. Eine Biografie über Fred Lübbeke, das wäre noch ein Thema, das mir liegen würde. Ich habe damit schon einmal angefangen.

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