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Versuchter Mord: Heute beginnt der Hells-Angels-Prozess

Von Gut ein Jahr nach den Schüssen mitten in der Innenstadt am Stoltze-Platz wird am heutigen Freitag vor dem Landgericht das juristische Nachspiel um die Fehde zwischen den Angehörigen der Rockergruppe „Hells Angels“ beginnen. Von den beiden mutmaßlichen Schützen sitzt aber nur einer auf der Anklagebank. Der andere ist nach wie vor flüchtig.
Ein Mitarbeiter der Spurensicherung fotografiert die Einschusslöcher in der Windschutzseite des Fahrzeugs. Foto: Andreas Arnold (dpa) Ein Mitarbeiter der Spurensicherung fotografiert die Einschusslöcher in der Windschutzseite des Fahrzeugs.
Frankfurt. 

Christi Himmelfahrt vergangenen Jahres (5. Mai) war ein warmer, freundlicher Frühsommertag. Die Terrassen rund um den Stoltze-Platz hinter der Katharinenkirche waren gut besetzt; Jung und Alt ließ sich am Vatertag den Nachmittagskaffee schmecken. Nicht weit davon weg war auf dem Liebfrauenberg das Maifest im vollen Gange. In diese friedlich-fröhliche Feiertagsatmosphäre peitschten plötzlich Schüsse, abgegeben von einem 56 Jahre alten Griechen und seinem Komplizen.

Schwelende Konflikte

Getroffen wurden zwei weitere „Hells Angels“, die gerade ihr Auto verlassen hatten und zum nahen Lokal „Helium“ wollten. Eine weitere Beifahrerin blieb unverletzt. Zwei Wochen nach der Schießerei wurde der 56-Jährige in Rumänien festgenommen. Hintergrund der Tat waren die schwelenden Konflikte innerhalb der zerstrittenen „Hells Angels“-Anhängerschaft. Einige Wochen zuvor soll es bereits zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen sein, bei der die Fäuste flogen.

Die Staatsanwaltschaft wertet die gezielten Schüsse auf das 41 Jahre alte Opfer als versuchten Mord „aus niedrigen Beweggründen“. Die Schüsse auf die beiden Beifahrer wurden ursprünglich als gefährliche Körperverletzung eingestuft – die Schwurgerichtskammer hat sie in ihrem Eröffnungsbeschluss freilich als zweifacher versuchter Totschlag gewertet. Das Gericht steht vor einem weiteren Großprozess: An zunächst 16 Verhandlungstagen sollen bis Ende August rund 70 Zeugen vernommen werden. Bereits am Freitag gehen die Befragungen los – drei Polizeibeamte machen den Anfang. Auch in der kommenden Woche will sich die Kammer unter Vorsitz von Richterin Bärbel Stock über den Gang der Ermittlungen informieren lassen. Später werden dann voraussichtlich auch ganz normale Passanten und Kaffeetrinker in den Zeugenstand gebeten – sicher keine einfache Mission für Menschen, die an jenem Tag einfach nur mal ausspannen wollten und dann aber Zeugen eines brutalen Verbrechens wurden. Selbst am Weinstand des nahen Maifestes waren die Schüsse zu hören.

Verstärkte Kontrollen

Aus der Tatsache, dass bereits am ersten Verhandlungstag Zeugen geladen wurden, lässt sich entnehmen, dass von dem Angeklagten voraussichtlich keine Einlassung kommen wird. Neben den Zeugen sollen auch Sachverständige in großer Anzahl vernommen werden – ob darunter auch psychiatrische Experten sind, konnte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen noch nicht sagen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind – wie in vergleichbaren Prozessen – wieder enorm. Journalisten wurden gebeten, sich im Voraus in Listen eintragen zu lassen. Und während bereits am Freitag voraussichtlich die Anklageschrift verlesen wird und das Großverfahren anlaufen wird, trifft man sich wieder auf dem Liebfrauenberger Maifest und sagt sich „Weißt du noch, vor einem Jahr...“

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