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Hier entsteht Frankfurts erster Windpark

Auf der grünen Wiese nördlich von Nieder-Erlenbach sollen im nächsten Jahr Frankfurts erste Windkraftanlagen gebaut werden. Protest regt sich bisher kaum, was bei einer Fahrt auf den Hügel zu erleben war.
Mit dem Traktor sind die Mitglieder des Ortsbeirats und einige Bürger auf den Schäferköppel gefahren, um sich die Standorte für die Windkraftanlagen anzuschauen.	Foto: Rainer Rüffer Bilder > Mit dem Traktor sind die Mitglieder des Ortsbeirats und einige Bürger auf den Schäferköppel gefahren, um sich die Standorte für die Windkraftanlagen anzuschauen. Foto: Rainer Rüffer
Frankfurt. 

Dort hinter den Büschen, ein Stück vor den Karbener Anlagen, bei den Strohhaufen und dort ein Stück neben dem Weg, wo die drei Kaninchen entlang hoppeln. Vier unscheinbare Stellen am Schäferköppel nördlich von Nieder-Erlenbach sollen schon bald Frankfurts erste Windkraftanlagen beherbergen. Am Dienstagabend zeigten Ortsvorsteher Matthias Mehl (CDU) und der Projektleiter des Windpark-Entwicklers ABO Wind AG, Florian Lüders, die vier Plätze der Bevölkerung. Auf dem Traktoranhänger ging es vom Sportplatz auf den Hügel. "Wir wollen alle Beteiligten einbeziehen", betonte Lüders.

Doch während sich andernorts, so auch am zweiten möglichen Standort in Frankfurt in Bergen-Enkheim, oft Widerstand regt, bleiben die Nieder-Erlenbacher gelassen. Seit das Projekt im vergangenen Sommer erstmals an die Öffentlichkeit gelangte, habe ihn nur ein Bürger deswegen angerufen, sagt Mehl. "Der kam aus dem Vogelsberg und hat sich über die Verspargelung der Landschaft dort aufgeregt."

Der Ortsvorsteher machte aber auch klar, dass an den Vorgaben des Ortsbeirats 13 (Nieder-Erlenbach) nicht zu rütteln sei. Diese sind: Der regionale Energieversorger Mainova wird Investor und den Bürgern eine Beteiligung angeboten. Zum Bau der vier Anlagen wird das Konstrukt Windpark Entwicklungsgesellschaft (WPE) gegründet. Da dieses eine Tochter von Mainova und ABO Wind ist, ist der erste Wunsch erfüllt. "Wir werden auch eine Bürgerbeteiligung anbieten", versprach Mainova-Mann Ulf Rieg in der Ortsbeiratssitzung. Nur in welcher Form dies geschehe, sei noch offen.

Strom für 8000 Haushalte

Konkreter sind die Pläne, wie der Windpark aussehen soll. Vier Standorte wurden ausgewählt. Dort soll je eine 2-Megawatt-Anlage Vestas V 90 – vergleichbar mit den zwei neueren auf Karbener Seite – errichtet werden. Die Nabenhöhe beträgt 105 Meter, der Rotordurchmesser 90 Meter. Somit ergibt sich eine Gesamthöhe von 150 Metern bis zum höchsten Punkt. Pro Jahr erbringt eine solche Anlage etwa vier Millionen Kilowattstunden Strom, was dem Verbrauch von 1500 bis 2000 Haushalten entspricht.

Der Zeitplan, den Lüders präsentierte, ist ziemlich straff. Schon im dritten Quartal 2013 sollen sich die Anlagen drehen. Derzeit würden Gutachten erstellt. Diese sollen im August oder September vorliegen. Dann werde die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragt. "Da rechnen wir mit einem halben Jahr", sagt Lüders. Im Frühjahr 2013 solle dann der Bau beginnen. Ob es wirklich vier Anlagen werden, hänge allerdings an der Genehmigung. "Wir sagen bis zu vier."

Warum gerade diese vier Standorte ausgewählt wurden, erklärt der Projektleiter anhand diverser Kriterien. Dazu gehören Mindestabstände: 1000 Meter zum Ortsrand, 500 Meter zu Einzelgehöfte, 150 Meter zu den Hochspannungsleitungen, 200 Meter zu Natur- oder Wasserschutzgebieten, fünffacher Rotordurchmesser (450 Meter) zu anderen Anlagen in der Hauptwindrichtung. Zudem müsse noch die Richtfunkanlage auf dem Schäferköppel beachtet werden. "Da bleibt nicht viel Platz übrig", sagt Lüders.

Und während Schattenwurf wegen der Nordlage zu Nieder-Erlenbach kein Problem ist, sei auch der Schallschutz schon ohne Beanstandungen überprüft worden. 1100 Meter weit entfernt liege mit Windrad 3 die nächste Anlage am Ortsrand. Die Untersuchungen zur Auswirkung auf Vögel und Fledermäuse liefen noch. "Bisher gibt es auch dort keine Probleme", betont Lüders. Gerade Vögel und Fledermäuse behindern immer wieder Windpark-Projekte. So auch in Bergen: Noch fehlt dort Betreiber Renertec ein Umweltgutachten. "Wir hoffen, dass die Genehmigung für die drei Windräder dann schnell vorliegt", sagt Renertec-Geschäftsführer Christoph Eckert. In Betrieb gehen sollen die sich seit 2008 in Planung befindlichen Anlagen auch 2013.

Stadt, Stiftungen und Kirchen

In Nieder-Erlenbach dagegen wird kaum Kritik laut. Einzig die ehemalige Stadtverordnete Katharina von Beckh (FW), die im Januar aus dem Römer und dem Ortsbeirat ausgeschieden ist, fragte: "Warum sollen die Anlagen hier im dicht besiedelten Frankfurt gebaut werden?" Es sei überall schwer, geeignete Standorte zu finden, so Lüders. Man könne nicht immer nur auf andere zeigen, war auch der Ortsbeirat überzeugt. "Es gibt in Frankfurt ja nur wenige Standorte", sagte Mehl mit Blick auf Nieder-Erlenbach, Bergen und eventuell einen Platz bei Zeilsheim. Froh ist er, dass die Flächen bei Nieder-Erlenbach meist der Stadt, Stiftungen oder Kirchen gehören. "Damit kommt die Pacht der Allgemeinheit zugute."

Die Mainova, die zehn Prozent Anteile an ABO Wind erworben hat, will sich auf den Radius 100 Kilometer um Frankfurt konzentrieren. Einen Windpark mit drei Anlagen gibt es bereits in Siegbach, in Hohenahr sollen sieben gebaut werden. Dazu kommt Remlingen bei Würzburg (sechs Anlagen) und auch in Karben gibt es Pläne. Die dortigen vier Windräder sollen allerdings nicht neben den bestehenden, sondern in der Nähe des Stadtteils Burg-Gräfenrode gebaut werden.

Dennoch gibt es auch hier etwas weiter nördlich Pläne für weitere Anlagen. Zwischen Karben-Petterweil und dem Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach planen die Stadtwerke Bad Homburg, die Stadt Karben und Enercon vier bis fünf weitere Windräder. "16 werden es aber insgesamt bestimmt nicht werden", antwortet Lüders auf Befürchtungen von Bürgern. ses

(ses)
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