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Wichtige Erfahrung: Hier lernen Schüler Demokratie

Von Jede Stimme zählt gleich viel und es wird offen diskutiert über Themen, die den Schülern wichtig sind. Nirgendwo in der Schule wird Demokratie besser praktiziert als im Klassenrat. Deshalb will der Stadtschülerrat ihn in möglichst jeder Frankfurter Klasse etablieren.
Die Falkschüler Yusuf (von links), Oumnia, Hanna und Anna-Maria beim Workshop im Gymnasium Riedberg. Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Die Falkschüler Yusuf (von links), Oumnia, Hanna und Anna-Maria beim Workshop im Gymnasium Riedberg.
Frankfurt. 

„Demokratie ist wichtig, auch in der Schule“, findet der Frankfurter Stadtschulsprecher, Kevin Saukel (17). Doch genau daran hapere es oft noch. „Zwar hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verbessert, einen Idealzustand haben wir aber noch nicht. Manche Entscheidungen, die Schüler betreffen, werden noch immer über ihre Köpfe hinweg beschlossen.“ Um das zu ändern und damit Schüler aktiv Demokratie lernen und erleben, will der Frankfurter Stadtschülerrat den Klassenrat in den Lehranstalten der Stadt fördern. Jetzt fand im Gymnasium Riedberg mit 120 Schülern und 30 Lehrern aus 13 Schulen ein erster Workshop statt.

Die Themen sind vielfältig

In der Falkschule im Gallus gibt es den Klassenrat bereits, wie die Sechstklässler Hanna (11), Anna-Maria (12), Oumnia und Yusuf (beide 13) erzählen. „Wir besprechen dort, wenn es Streit gibt oder dass unsere Turnhalle dringend saniert werden muss“, sagt Anna-Maria. „Vor einiger Zeit wurde aus unseren Klassenraum Geld gestohlen, zusammen etwa 50 Euro. Wir haben besprochen, was wir dagegen tun können“, erzählt Yusuf. Oder sie führten gelbe und rote Karten für Störer ein, sagt Hanna: „Wer zu oft stört, muss einen Kuchen für alle mitbringen.“

Die Themen für den Klassenrat seien vielfältig, sagt Saukel. Bislang werde er vor allem an Grundschulen eingesetzt, an weiterführenden Schulen am ehesten an Integrierten Gesamtschulen. Oft wüssten Schüler gar nicht, wie sie eigene Anliegen gegenüber Lehrern und Schulleitern vortragen könnten. Das zu trainieren, die demokratische Auseinandersetzung zu üben –dazu sei der Klassenrat ein gutes Mittel.

„Demokratie muss man aktiv lernen. Sie ist ein Konzept, dass wir Menschen immer wieder neu erfahren müssen, damit es funktioniert“, sagt Emely Dichert (18), die wie Saukel auch SV-Beraterin des SV Bildungswerks ist. In diesem Verein haben sich Schülervertretungen ehrenamtlich organisiert, um bundesweit die Interessen der Schüler zu wahren. Deutsche Schulen seien geprägt durch Hierarchien. Die Lehrer würden von den Schülern gesiezt und gäben den „ Input“, den Schüler aufnähmen. „Beim Klassenrat ist das anders. Dort sprechen alle auf Augenhöhe miteinander. Der Lehrer steht auf einer Stufe mit den Schülern, die unterschiedliche Aufgaben im Rat übernehmen.“ Dadurch lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen und Ämter wahrzunehmen, die es für sie anderswo nicht gebe. „Das ist sehr wichtig, um Demokratie zu erlernen. Eine Erfahrung, die sie wachsen lässt.“

Selbstorganisation

Zwar bereiteten die Schüler die Klassenrats-Sitzungen vor, sagt Saukel, ohne die Lehrer gehe es aber nicht. „Sie moderieren anfangs, geben Hilfestellung und bringen wie die Schüler eigene Vorstellungen ein. Aber sie müssen dabei auch lernen, sich immer mehr zurückzunehmen.“ Bis die Schüler irgendwann, oft ab Klasse 9, den Klassenrat eigenständig organisieren. Bei der Organisation helfen vom SV Bildungswerk zusammengestellte Materialien.

Doch nur einen Klassenrat einzurichten, sei nicht genug, sind sich Saukel und Dichert einig. „Er sollte regelmäßig stattfinden, am besten wöchentlich als fester Bestandteil des Stundenplans“, sagt Saukel. Doch das sei im heutigen Schulsystem nicht einfach. „Es gibt einen Kernlehrplan, neben dem kaum Platz für anderes bleibt.“ Zwar lernten Lehrer heute das Konzepts des Klassenrats bereits im Studium kenne, oft fehlten aber Zeit und auch Geld, um ihn umzusetzen. Die Erfahrung zeige, dass der Klassenrat bei den Kindern, die ihn umsetzen, gut ankomme, sagt Dichert. „Sie haben das Gefühl, dass ihre Meinung ernst genommen wird und ihre Mitschüler auf ihre Ansichten eingehen.“ Dabei nähmen sie auch Rücksicht auf Minderheitenmeinungen. „Sie lernen, Kompromisse zu schließen.“ Gleichzeitig erfahren sie, dass sie sich aktiv dafür einsetzen müssen, eine Mehrheit für die eigene Überzeugung zu gewinnen. Dichert: „Nur weil ich etwas für richtig halte, heißt es nicht, dass alle anderen das automatisch genauso sehen.“

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