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Werkstatt von Felix Titzka: Hier wird eifrig geschraubt

Eine Werkstatt für alle: Felix Titzka will Geflüchtete und Jugendliche aus den Stadtteilen an die Werkbank bringen. Bei ihm dürfen sie an Fahrrädern, Autos und alten Mopeds schrauben.
Biniyam Atombosa (links) und Muhamad Wahid Khan schrauben in der  Ursprung-Werkstatt an ihrem Moped. Foto: Leonhard Hamerski Biniyam Atombosa (links) und Muhamad Wahid Khan schrauben in der Ursprung-Werkstatt an ihrem Moped.
Seckbach. 

Alles fängt mit einem Ritual an: Wenn Biniyam, Mu Wahid, Hossein, Kibrom und Nakfa in die Werkstatt kommen, drehen sie die Musik auf und spielen eine Runde Billard und Tischkicker. Dann erst machen sie sich an die Arbeit. Jeden Dienstag kommen sie zu „Ursprung“, in die Werkstatt von Felix Titzka. Und das freiwillig.

Dabei hatte alles mit Pflichtunterricht angefangen. Das erste Mal waren die fünf mit ihrer Schulklasse bei Felix Titzka. Auf dem Stundenplan: BBL – berufsbegleitendes Lernen. In der Werkstatt sollten die Schüler ein halbes Jahr lang sägen, schleifen, leimen – und ganz nebenbei Deutsch lernen. Denn die Schüler, die Titzka im Unterricht vor sich hat, kommen aus der Integrationsklasse.

Werkstatt für alle

Seit zwei Jahren arbeitet Titzka mit der Wilhelm-Morton-Schule und der Friedrich-Ebert-Schule zusammen. Erst ehrenamtlich, jetzt mit einer durch Stiftungsgelder finanzierten 75-Prozent-Stelle. Die BHF Bank Stiftung, die Crespo Foundation, die Heinz und Gisela Friederichs Stiftung, die ProRegion Stiftung und die Frankfurter Handwerkskammer unterstützen das Projekt.

Geplant war die Arbeit mit Geflüchteten nicht. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt er heute. Titzka fürchtet, dass andere benachteiligte Jugendliche aus den umliegenden Stadtteilen einmal mehr hinten runterfallen. Auch deswegen will er zurück zur Ausgangsidee: eine Werkstatt für alle sein. Jeden Donnerstagnachmittag ist jetzt offener Werkstatt-Tag, „Crafting“ nennt Titzka das. Trotz Werbung an den Schulen und Jugendhäusern: Angenommen wird das Angebot bislang noch nicht.

Die wenigsten wissen, was sie verpassen. Auch, weil die Vorbilder fehlen: „Welcher Vater kann heute schon noch einen Fahrradreifen flicken?“ Was kaputt ist, werde eher weggeschmissen als repariert. Felix Titzka weiß das aus eigener Erfahrung. Mit seinen zwei Söhnen hat er damals als Hausmann ständig gebastelt und geschraubt – unter den skeptischen Blicken der Nachbarskinder. So ist auch die Idee für „Ursprung“ geboren. Seit 2013 gibt es die Werkstatt nun schon.

Das Ziel: Jugendliche wieder für das Handwerk zu begeistern. Titzka ist überzeugt, dass Schreinern und Co. zufrieden machen. „Ich weiß am Ende des Tages, ich habe das gemacht.“ Es ist dieses Gefühl, das er weitergeben will. Ein schwieriges Unterfangen, ob mit Deutschen, Geflüchteten oder Migranten. „Für viele ist Handwerk die unterste Schublade“, so Titzka. Immer mehr wollen studieren, immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt.

Zum Mofa-Rennen

Aber seine Arbeit trägt auch erste Früchte. Biniyam Atombasa weiß jetzt, dass er Kfz-Mechaniker werden will. In seiner Heimat Eritrea hat er schon Praktika in Auto- und Fahrradwerkstätten gemacht. Bei Titzka schraubt er jeden Dienstag an einem der Mofas herum. Er ist gerne dort. Und doch: Er wünscht sich, es kämen auch Deutsche in die Werkstatt.

Auch wegen seiner Jungs will Titzka jetzt eine gemischte Gruppe aufbauen. Ziel: eine gemeinsame Teilnahme am Mofa-Rennen in Klein-Krotzenburg im September, „mit Streckenposten, Fahrerlager und allem Drum und Dran“. Bis dahin gibt es noch eine Menge zu tun. Noch fährt keines der Mofas.

Wer in die Werkstatt kommt, kann aber auch an seinem eigenen Fahrrad herumbasteln. An Werkzeug mangelt es nicht. Nur anmelden muss man sich vorher über seine Homepage: „Mit 20 Leuten kann man einfach nicht so gut arbeiten.“, weiß Titzka. Auch für Essen und Trinken sorgt Felix Titzka, für den die Werkstatt mittlerweile selbst ein kleines Zuhause ist.

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