Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 12°C

Ideenwettbewerb abgeschlossen: Hilgenfeld: Bund Deutscher Architekten lobt Pläne

Von Ein zentraler Platz mit Läden, Cafés, Springbrunnen, Bäumen, spielenden Kindern, Menschen, die im Freien sitzen und sich unterhalten: Einen neuen Stadtteil mit Leben zu füllen, ist auch das Ziel guter Architektur, betont der Bund Deutscher Architekten (BDA). Im Ideenwettbewerb für das Hilgenfeld sieht der Frankfurter BDA-Vorstand das Ziel vorbildlich umgesetzt.
So stellen sich die Planer das Leben in der Siedlung Hilgenfeld am Frankfurter Berg einmal vor. Auf den öffentlichen Plätzen treffen sich die Menschen, im Hintergrund kann in kleinen Läden eingekauft werden. 	Visualisierung: Thomas Schüler Architekten So stellen sich die Planer das Leben in der Siedlung Hilgenfeld am Frankfurter Berg einmal vor. Auf den öffentlichen Plätzen treffen sich die Menschen, im Hintergrund kann in kleinen Läden eingekauft werden. Visualisierung: Thomas Schüler Architekten
Frankfurter Berg. 

Immer wieder lädt die Frankfurter Gruppe des Bund Deutscher Architekten (BDA) zu gemeinsamen Reisen, etwa vier Tage nach Lyon, nach Marseille oder Rotterdam, auch in Shanghai waren sie schon. „Dabei suchen wir immer nach Anregungen, wie man in Frankfurt bauen könnte“, sagt Moritz Kölling, Frankfurter Architekt und stellvertretender Vorsitzender des BDA Frankfurt. Er zeigt ein Foto aus Rotterdam, eine Häuserzeile an einem Platz mit Läden und Cafés im Erdgeschoss, unter den Bäumen spielen Kinder, Tische stehen von den Cafés. „Wenn wir so etwas in Frankfurter Viertel hineinbringen, ist das toll.“ Einen guten Ansatz dazu gebe es, sagt Kölling: Der Siegerentwurf aus dem städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Bebauung des Hilgenfelds, an Rande des Niddatals am Frankfurter Berg gelegen.

Ein guter Entwurf, der zurecht den Wettbewerb gewann, bei dem es ansonsten keinen zweiten, sondern nur zwei dritte Plätze gab (wir berichteten), findet auch der BDA-Landesvorsitzende Wolfgang Dunkelau. Ein Entwurf, der Vorbildcharakter auch für weitere in Frankfurt geplante Neubaugebiete haben könnte. „Das ist möglich geworden, weil das Planungsamt einen Wettbewerb ausgelobt hat. Dies ist ein gutes Verfahren, um gute Planungen zu erhalten.“

Ein Ort zum Leben

Aber was ist eigentlich gute Stadtplanung? „Die Stadt dient nicht alleine dem Wohnen und Arbeiten. Sie bietet in Idealfall viele Optionen des täglichen Lebens wie das Lernen, Spielen, Politisieren, Streiten, Treffen und Kommunizieren“, schreiben Kölling und sein Frankfurter Architektenkollege, Michael Landes, in einer Stellungsnahme des BDA zum Hilgenfeld-Wettbewerb. Sie erinnern an Kleinstädte wie St. Goarshausen und Bacharach oder den an den Frankfurter Berg grenzenden Stadtteil Berkersheim. Die hätten „einen Marktplatz, eine Kirche, ein Rathaus, Geschäfte, Gasthäuser und nicht nur einen Sportclub“.

Nein, eine Kirche müsse es nicht unbedingt geben, sagt Kölling, „aber wieso nicht einen Gemeindesaal“? Als Außenstelle der katholischen oder evangelischen Kirche, die es am Frankfurter Berg gibt. Es bedürfe nicht großer Strukturen, sondern kleiner, einem Paketshop etwa, kleine Büros, Cafés, Gemüseladen. So dass ein eigenes, kleines Zentrum entsteht. Auch ein Brunnen oder Wasserspiel wäre hier gut.

All das beinhalte der Siegerentwurf zum Hilgenfeld bereits, sagt Dunkelau. Die Büros Thomas Schüler Architekten (Düsseldorf) und Faktorgrün Landschaftsarchitekten (Freiburg) hätten gemeinsam „eine Mitte geschaffen, eigentlich mehrere Mitten. Sie differieren zwischen öffentlichem, halböffentlichem und privaten Raum“, sagt Kölling. Ein Blick auf den Plan zeigt: Die als Allee geplante Zufahrt ins Quartier von der Homburger Landstraße mündet in einem mit Bäumen bestandenen Platz. Am Westende sieht der Siegerentwurf das größte Gebäude vor, in dem Geschäfte und Büros angesiedelt werden könnten.

Blick nach Preungesheim

Der Platz sei „die zentrale Stelle“ des Hilgenfeld, sagt Kölling. Dieses Zentrum zu beleben, müsse in die weitere Planung mit einfließen, etwa mit Cafés und Läden auch am Platz. „Hier können Kinder spielen, die Eltern sitzen im Café oder Restaurant, kaufen hier ein“, ergänzt Dunkelau. Ein gutes Vorbild hierfür sei der Gravensteiner Platz im Zentrum des Preungesheimer Neubaugebiets Frankfurter Bogen, das mit 5000 Einwohnern mehr als doppelt so groß ist wie das Hilgenfeld, in dem rund 2000 Menschen leben sollen. Dort gibt es nicht nur einen Supermarkt und eine Drogerie, sondern auch eine Buchhandlung, zwei Bäckereien, ein Eiscafe, ein sardisches Restaurant, Ärzte, eine Seniorenwohnanlage und immer freitags einen Wochenmarkt.

Gut sei, wie der Siegerentwurf die neuen Gebäude an den seit zehn Jahren bestehenen ersten Bauabschnitt anbinde, finden Kölling und Dunkelau. Die Grenze zwischen beiden verfließe, es entstehe ein homogener Stadtteil. Gut sei, dass keine Häuserreihen geplant seien wie in einigen anderen Entwürfen. Statt dessen haben Thomas Schüler und Faktorgrün in vier kleinere Quartiere unterteilt, die eigene kleine Quartiersplätze erhalten. Hinzu kommen weitere, private Innenhöfe. Eine schöne Mischung, findet Dunkelau.

Einige der neun Entwürfe des Ideenwettbewerbs sehen eine neue Fußgängerbrücke über die Gleise vor, die den Übergang in der am Ostende des Hilgenfelds gelegenen S-Bahn-Station ergänzt. Diese Idee solle die Stadt weiter verfolgen, sagt Dunkelau. Auch um die Menschen aus dem bestehenden Stadtteil besser ins Hilgenfeld zu leiten und umgekehrt. Aber auch, um einen Weg vom Frankfurter Berg durch die neue Siedlung und weiter über die Felder zum Alten Flugplatz Bonames zu schaffen, „einer der magischsten Orte“ Frankfurts.

Die guten Ansätze des Ideenwettbewerbs gelte es nun fortzuführen, sagt Dunkelau – und zwar in einem weiteren, offenen Wettbewerb. Er und Kölling sehen die Gefahr, dass die nun folgende Gestaltung der Gebäude und ihrer Fassaden sonst zu eintönig wird. Denn für das Hilgenfeld gibt es einen einzigen Investor: die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding. „Was passieren kann, sieht man im eintönig gestalteten ersten Bauabschnitt“, sagt Kölling. Ein Wettbewerb, in dem verschiedene Architekten das Hilgenfeld gestalten, fördere die Vielfalt und bringe unterschiedliche Ideen zutage.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse