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Gedenk-Orte: Historie auf dem Handy

In Frankfurt gibt es zahlreiche historische Orte, bei denen an die Opfer der NS-Zeit erinnert wird. 19 davon kann nun jeder, der ein internetfähiges Handy besitzt, erforschen. Ganz einfach, mit einer App.
Kulturdezernent Felix Semmelroth und IT-Experte Ernst Karpf scannen mit ihren Smartphones den QR-Code, der auf einem der Pflastersteine vor ihnen angebracht wurde. Sekunden später haben sie Infos zu der Bücherverbrennung auf dem Römerberg 1933 auf dem Handybildschirm. Bilder > Foto: Michael Faust Kulturdezernent Felix Semmelroth und IT-Experte Ernst Karpf scannen mit ihren Smartphones den QR-Code, der auf einem der Pflastersteine vor ihnen angebracht wurde. Sekunden später haben sie Infos zu der Bücherverbrennung auf dem Römerberg 1933 auf dem Handybildschirm.
Frankfurt. 

„Das war ein Vorspiel nur, dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Heinrich Heines Worte aus seiner Tragödie „Almansor“ erschienen bereits 1823. Doch mehr als 100 Jahre später sollten sie wahr werden. Denn auf die Bücherverbrennung im Jahr 1933 folgte die systematische Massenvernichtung Millionen von Menschen durch die Nationalsozialisten. An dieses Verbrechen erinnern Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) und Historiker Ernst Karpf mit einer „QR-Code-Route“ entlang von Gedenkorten. Einer davon ist auf dem Römerberg zu finden. Dort fand vor 82 Jahren die Bücherverbrennung statt.

Im Dezember 1994 wurde auf dem Klaus-Mann-Platz das Denkmal „Frankfurter Engel“ eingeweiht. Es erinnert an die Leidensgeschichte der Homosexuellen während der NS-Zeit. Bild-Zoom
Im Dezember 1994 wurde auf dem Klaus-Mann-Platz das Denkmal „Frankfurter Engel“ eingeweiht. Es erinnert an die Leidensgeschichte der Homosexuellen während der NS-Zeit.

Es ist eine sehr moderne Form des Gedenkens. Denn es funktioniert über das Handy. Insgesamt gibt es mehr als 100 Orte, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern. 19 davon kann jeder, der ein internetfähiges Handy besitzt, erforschen. Mit Hilfe der App „Barcode Scanner“ erscheinen die jeweiligen geschichtlichen Ereignisse an Ort und Stelle auf dem Bildschirm. Die Idee dazu entstand im Kulturdezernat mit dem Ziel, auch jüngere Menschen zu erreichen. Ganz wichtig ist Semmelroth dabei nicht nur das Erinnern, sondern auch dem Vergessen entgegenzuwirken: „Durch die Stimmungsmache gegen Flüchtlinge wird deutlich, wie gegenwärtig die Geschichte noch immer ist“, betonte Semmelroth. Bereits 700 000 Menschen haben sich die Seite www.Frankfurt1933-1945.de im Internet angesehen. Deshalb geht der Kulturdezernent davon aus, dass auch die „QR-Code-Route“, die auf diese Seite zurückgreift, auf große Nachfrage stoßen werde. Hier die Gedenkorte im Einzelnen:

In den ehemaligen Adlerwerken wird der Zwangsarbeiter des KZ-Außenlagers „Katzbach“ gedacht.

Der Paul-Arnsberg-Platz ist die Gedenkstelle für den deutsch-jüdischen Schriftsteller Paul Arnsberg.

Die Gedenktafel zum ersten Auschwitzprozess befindet sich am Haus Gallus .

Der zerstörten Börneplatz-Synagoge wird mit einer Gedenkstätte am Neuen Börneplatz gedacht.

Am Römerberg erinnert eine Messingplatte an die Bücherverbrennung 1933.

Die U-Bahnstation Dornbusch kleidet eine Gedenkwand für Anne Frank .

Eine Erinnerungsstätte für die Opfer der Massendeportationen wird an der ehemaligen Großmarkthalle an der EZB installiert (siehe Beitext).

An der ehemaligen Gestapozentrale Lindenstraße gibt es eine Gedenktafel für Opfer des Polizeiterrors.

Eine Grabstätte für Zwangsarbeiter des KZ-Außenlagers „Katzbach“ befindet sich am Hauptfriedhof.

Ebenfalls am Hauptfriedhof steht ein Ehrenmal zum Gedenken aller Opfer der Nazis am Gräberfeld.

Am Klaus-Mann-Platz wurde ein Mahnmal zum Gedenken an die Homosexuellenverfolgung errichtet.

An ermordete Frankfurter Juden richtet sich das Ehrendenkmal auf dem Neuen Jüdischen Friedhof .

Am selben Ort erinnern 839 Grabsteine an die „Freitod-Opfer“.

Die Paulskirche ist der Ort der Gedenktafel zu Ehren der Widerstandskämpferin Johanna Kirchner.

Sinti und Roma wird durch die Gedenktafel am ehemaligen Gesundheitsamt in der Brauchbachstraße gedacht.

Die Gedenktafel für die Judenretter Robert T. Smallbones und Arthur Dowden befindet sich in der Guiollettstraße .

An den Städtischen Bühnen entstand eine Gedenktafel für alle Opfer.

Zum Andenken an die zerstörte Synagoge steht eine Gedenkstätte an der Friedberger Anlage .

Das Denkmal an die Verfolgten, Ermordeten und Überlebenden trägt den Namen „Norbert Wollheim Memorial“ und wurde auf dem Campus Westend errichtet.

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