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Hoffen auf leisere Maschinen

Mit einer weiteren Einschränkung der Nachtflüge und leiseren Flugzeugen will das Stadtparlament das Fluglärm-Problem in Frankfurt lindern. Die Forderung, die neue Landebahn wieder stillzulegen, wurde erwartungsgemäß abgelehnt.
In manchen Wohngegenden rund um den Flughafen ist es so laut, dass die Menschen das Dröhnen der Triebwerke über ihren Dächern nur noch schwer ertragen können (Symbolbild). Foto: dpa In manchen Wohngegenden rund um den Flughafen ist es so laut, dass die Menschen das Dröhnen der Triebwerke über ihren Dächern nur noch schwer ertragen können (Symbolbild). Foto: dpa
Frankfurt. 

Gelegentlich kam der Applaus auch von der Zuhörer-Tribüne. Mehrere Bürger aus dem Frankfurter Süden waren gestern ins Stadtparlament gekommen, um die Diskussion über den Fluglärm zu verfolgen. Sie hörten eine Debatte, die von Schuldzuweisungen und Vergangenheitsbewältigung geprägt war. Und sie klatschten den Rednern Beifall, die eine Stilllegung der neuen Landebahn forderten.

Zu Beginn trat Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) selbst ans Rednerpult. "Wir werden darauf drängen, dass leisere Maschinen zum Einsatz kommen", versprach sie. Auch müssten neue Start- und Landeverfahren angewendet werden. "Keine technische Innovation darf unerprobt bleiben." In den Stunden zwischen 22 und 23 Uhr sowie 5 und 6 Uhr dürfe die neue Nordwestbahn nur genutzt werden, wenn die andere Landebahn ausgelastet ist. Zwischen 23 und 5 Uhr müsse es ein konsequentes Nachtflugverbot geben.

Schlingerkurs

Für diese Forderung erntete Roth heftige Kritik von der SPD. Allerdings konterte nicht wie von vielen erwartet der frisch gewählte OB-Kandidat Peter Feldmann, sondern Fraktionschef Klaus Oesterling. Er hielt Roth einen Schlingerkurs in Sachen Nachtflugverbot vor. So habe sie mit ihrem Veto eine Klage der Stadt gegen den Planfeststellungsbeschluss verhindert, der 17 Nachtflüge zulässt. Ebenso unglaubwürdig seien aber auch die Grünen, die sich in den vergangenen Jahren bei allen Entscheidungen zum Flughafen im Stadtparlament der Stimme enthalten hätten.

Gestern jedoch betonte die Grünen-Stadtverordnete Martina Feldmayer: "Wir stehen an der Seite der Bürgerinitiativen." Ihrer Ansicht nach müsste die neue Landebahn wieder abgerissen werden. "Aber wir wissen, dass wir das politisch nicht umsetzen können. Wir machen keine leeren Versprechungen." Rainer Rahn, Flughafenausbaugegner in den Reihen der FDP-Fraktion, sieht das anders. "Es sind schon ganze Flughäfen stillgelegt worden." Und auch Atomkraftwerke würden abgeschaltet, obwohl sie eine Betriebsgenehmigung hätten. Jutta Ditfurth (Ökolinx) legte einen Antrag vor, in dem nicht nur die Stilllegung der neuen Landebahn, sondern auch ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr gefordert wird. "Das halten wir für eine sehr moderate Forderung", sagte sie. Der Antrag wurde abgelehnt.

Beschlossen wurde dagegen mit den Stimmen von CDU und Grünen, eine in der Region erarbeitete Resolution zum Lärmschutz zu unterstützen. "Wir wissen, dass wir Vertrauen zurückgewinnen müssen", sagte CDU-Fraktionschef Helmut Heuser. Er wies aber auch darauf hin, dass die CDU den Flughafenausbau nach wie vor für richtig halte. "Es geht schließlich auch um Arbeitsplätze."

Verbindliche Obergrenzen

Wolfgang Hübner (Freie Wähler) bezweifelte, dass die Resolution irgendeine Verbesserung für die vom Lärm betroffenen Bürger bringen werde. "Alles, was jetzt passiert, ist lange vorhersehbar gewesen." FDP-Fraktionschefin Annette Rinn forderte verbindliche Lärm-Obergrenzen und eine Entschädigung für den Wertverlust von Grundstücken. Darüber hinaus wollte sie den Lärmgeplagten keine Versprechungen machen: "Wir können den Flughafen ja nicht einhausen." Falsche Hoffnungen zu wecken, das sei Betrug am Bürger. mu

(Günter Murr)
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