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Christopher Street Day in Frankfurt: Homosexuelle feierten und stritten für ihre Rechte

Von Bunt, schrill und laut für Toleranz und Gleichberechtigung: Tausende feierten am Samstag den Christopher Street Day und die Errungenschaften der Queer-Bewegung — und protestierten als „Besorgte Homos“ gegen „Besorgte Eltern“.
Ihre Schilder machen klar: Fernab bunter Feste werden Schwule und Lesben noch allzu oft angefeindet und angegriffen. Bilder > Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Ihre Schilder machen klar: Fernab bunter Feste werden Schwule und Lesben noch allzu oft angefeindet und angegriffen.
Frankfurt. 

Das Frankfurter Rathaus hisste am Samstag zum dritten Mal die Regenbogenflagge — und die ganze Innenstadt zwischen Römer, Haupt- und Konstablerwache versank in einer bunten Mischung aus fröhlicher Party und lautstarkem Protest für Toleranz und Gleichberechtigung Homosexueller. Laut Polizei beteiligten sich rund 2000 Teilnehmer an der Demo-Parade des Christopher Street Day 2015 (CSD), ein Vielfaches dieser Zahl bewunderte am Straßenrand den schrillen, kunstvollen und vor allem friedlichen Umzug. Zu sehen gab es schließlich allerhand.

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Beim diesjährigen Christopher Sreet Day ging es in Frankfurt wieder bunt, schrill und laut zur Sache Mehrere tausend Menschen säumten die Straßen, um die Parade aus der Nähe zu sehen. Zwei in Regenbogenfarben bemalte Teilnehmer des CSD posieren am in der Nähe des Römers.Teilnehmer des CSD mit ihren hochhackigen Schuhen auf dem Römerberg.Eine Mütze mit Propeller trägt ein Mann in der Innenstadt auf dem Kopf.

 

Nicht mehr verstecken

 

Zwei Meter große Drag-Queens stolzierten im Lack- und Leder-Outfit oder im Wildkatzenmuster auf High Heels umher und zeigten wie viele andere den „gay pride“, den schwulen Stolz, auf sich selbst und die bisherigen Errungenschaften der Queer-Szene: Dass sich nicht mehr verstecken muss, wer gleichgeschlechtlich liebt. Oder wie es viele Zuschauer ausdrückten, während sie zur basslastigen Musik tanzten, am Straßenrand fotografierten oder aus Cafés und Restaurants heraus das Treiben bestaunten: Dass der Auftritt von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und geschlechtsumgewandelten Menschen heutzutage „normal“ sei und gesellschaftliche Vielfalt größtenteils Konsens bedeute. Die ausgefallenen und aufwendigen Kostüme — Ganzkörperkondome und –Malereien, pinkfarbene Federboas neben Springerstiefeln und Engelsflügeln — begeisterten Außenstehende sogar eher, als dass sie ein Schulterzucken hervorriefen.

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Frankfurt Odeon CSD Closing-Party

„Es gibt noch viel zu tun“

 

Hinsichtlich Gleichberechtigung Homosexueller und Toleranz für die Bewegung sollte es „bei jedem langsam mal Klick machen“, meint etwa Peter Ahlmann (53), der aus der Nähe von Darmstadt zum CSD kam. Und Celia (17) erklärte, dass Homophobie unter Jugendlichen kaum noch akzeptiert sei, wobei dies allerdings von den gesellschaftlichen Kreisen abhänge, in denen Heranwachsende verkehrten. „Wir sind viel weiter als andere Länder, aber es gibt noch viel zu tun“, sagte sie. Die „Homo-Ehe“ müsse so schnell wie möglich vom Gesetzgeber erlaubt werden, waren sich alle von der FNP befragten Personen einig. Bislang scheitert sie vor allem am Widerstand der CDU.

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Frankfurt CSD Party Konstablerwache

„Der CSD sendet ein Signal aus, dass alle Menschen verschieden, aber in ihren Rechten und Pflichten gleich sind“, betonte daher der stellvertretende hessische Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) bei der CSD-Eröffnung auf der Konstablerwache. Und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hoffte sogar, bei zukünftigen CSDs „möglichst viele Hochzeiten“ gleichgeschlechtlicher Paare feiern zu können. In Frankfurt lebe man die Vielfalt nicht nur am Christopher Street Day, sondern auch darüber hinaus. Beide Politiker mahnten indes an, dass die Queer-Bewegung in punkto Gleichberechtigung zwar Fortschritte erkämpfte, aber noch nicht am Ziel sei, weshalb der CSD nicht nur eine Feier der Vielfalt, sondern auch eine politische Demonstration sei — im Andenken an den Ursprung in New York, wo sich im Sommer 1969 Schwule und Lesben mit tagelangen Straßenschlachten gegen willkürliche Polizeigewalt wehrten.

Diesen Aspekt des CSD stellte auch der Organisatoren-Verein „CSD Frankfurt“ heraus, indem das diesjährige Thema „Besorgte Homos“ benannt wurde. „Wir sind besorgt, dass Eltern besorgt sind, dass es Homosexuelle gibt“, erklärte Vereinssprecher Joachim Letschert. Denn die bundesweite Initiative „Besorgte Eltern“ setzt sich gegen „Genderismus“ und „Frühsexualisierung“ von Schülern ein und erklärt die im Unterricht vermittelte Akzeptanz von Homosexualität teilweise zu „ideologischer Umerziehung“. Insgesamt zeigte sich Letschert „sehr zufrieden“, auch weil im Gegensatz zu letztem Jahr, als ein Verlust von 5000 Euro zu Buche stand, diesmal „mindestens eine schwarze Null“ in der Wirtschaftsbilanz stehen werde. „Der CSD hat einen großen Stellenwert erlangt, weil es der einzige Event ist, auf dem sich die ganze Szene trifft“, sagte Letschert. „Der Römer ist mit dem Regenbogen beflaggt, wir werden gesehen und gemocht“, freute sich Letschert — und mit ihm Tausende andere.

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