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Huren-Verein klagt gegen Alice Schwarzer

Doña Carmen gegen Alice Schwarzer: Seit gestern streitet der Prostituierten-Verein mit der Frauenrechtlerin vor dem Landgericht. Ein Thema auch bei den heute beginnenden 2. Frankfurter Prostitutionstagen.
Frankfurt. 

Im Streit zwischen Doña Carmen und der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer geht es um Grundsätzliches und um Gesetzliches.

In die letztgenannte Kategorie fällt die Klageschrift, die Rechtsanwalt Thomas Kieseritzky gestern im Auftrag des im Bahnhofsviertel ansässigen „Vereins für soziale und politische Rechte von Prostituierten“ beim Frankfurter Landgericht eingereicht hat. Sie richtet sich gegen Alice Schwarzer als Herausgeberin des Buches „Prostitution - Ein deutscher Skandal: Wie konnten wir zum Paradies der Frauenhändler werden?“ und ihren Verlag Kiepenheuer & Witsch. Beiden werfen die Kläger vor, Unwahrheiten über Doña Carmen zu verbreiten.

Drei Mal falsch

Im Einzelnen geht es um drei Aussagen aus Schwarzers Buch, die alle im Kapitel „Von Hydra bis Doña Carmen. Die Pro-Prostitutionsfront“ zu finden sind. Grundsätzlich charakterisiert Schwarzer darin den Frankfurter Verein, der mehr die Interessen von Bordellbesitzern und Zuhältern vertrete denn die der Frauen. In diesem Zusammenhang nennt Schwarzer einen Betrag von 25 000 Euro, den der Frankfurter Verein vor einigen Jahren für eine Zeitungsanzeige gezahlt haben soll. Weiterhin zitiert sie Interview-Aussagen der Mitbegründerin und Sprecherin von Doña Carmen, Juanita Henning, zum Thema Bordell-Sex und Kondomen falsch. Und zum dritten erklärt Schwarzer, dass auch die Frankfurter Huren-Lobby dem „Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen“ angehöre. Das ist nachweislich nicht der Fall.

Das sind die drei justiziablen Punkte, mit denen Doña Carmen im besten Falle hofft, den Buchverkauf stoppen zu können. Wenigstens aber sollten die Aussagen übers eigene Tun nicht mehr in eine zweite Auflage übernommen werden.

Auf nicht-juristischer Ebene ist der Widerspruch aus Frankfurt gegen Schwarzers Buch und ihre jüngste Kampagne gegen Prostitution viel grundsätzlicher. Schwarzer spricht sich in ihrem Buch und auch in ihrem „Appell gegen Prostitution“, der mit den Unterschriften etlicher Prominenter Anfang des Monats erschien, für ein vollständiges Verbot von käuflichem Sex aus. Damit ist sie der sich gerade formierenden schwarz-roten Bundesregierung um einige Schritte voraus, aber auch deren Koalitionsvertrag sieht eine Verschärfung der Gesetze zur Prostitution vor. Demnach soll die Prostitution künftig wieder stärker reglementiert werden.

Ein Beruf wie andere auch

Eine Entwicklung, die Doña Carmen mit viel Kritik begleitet und für die komplett falsche Richtung hält: „Doña Carmen unterstützt die Forderung nach der vollständigen Legalisierung und Gleichstellung der Prostitution mit anderen Berufen“, macht Juanita Henning ihren Grundsatz klar. Die geplanten Verschärfungen der Gesetze würden hingegen dazu führen, den Frauen ihre Arbeit zu erschweren, sie rechtlich schlechter zu stellen.

In diese Richtung gehen etliche Diskussionsbeiträge, die im Programm der heute beginnenden „Frankfurter Prostitutionstage“ zu finden sind. Zum zweiten Mal richtet Doña Carmen den Kongress aus, zu dem Huren, Wissenschaftler, Sozialarbeiter und Juristen aus verschiedenen Ländern im Haus Gutleut zusammentreffen werden.

Weiteres Thema des Kongresses ist die aktuelle Diskussion um Zwangsprostitution und Menschenhandel. Diese hält Juanita Henning für inszeniert. „Wir alle arbeiten, um Geld zu verdienen.“ Wie, das sei die eigene Entscheidung. Den geschätzt 200 000 Huren in Deutschland pauschal zu unterstellen, sie seien alle nur Opfer, sei diskreditierend - und gehe nach ihren Erfahrungen an der Wahrheit vorbei. „Die Sexarbeiterinnen sind es leid, als schutzbedürftige Untertanen behandelt zu werden“, kritisiert Henning den Umgang mit Prostituierten.

(Inga Janovic)
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