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Umweltausschuss: Illegale Bauten in die Landschaft gestellt

Von Unverbaute Natur in der Nähe ist gerade für Bewohner einer Großstadt ein hohes Gut. Doch auch in Frankfurt wird dort immer öfter illegal gebaut.
Sehr phantasievolle Bauten auf dem Gelände zwischen Florianweg und Taschnerstraße im Osten der Stadt. Foto: Leonhard Hamerski Sehr phantasievolle Bauten auf dem Gelände zwischen Florianweg und Taschnerstraße im Osten der Stadt.
Frankfurt. 

Vorschriften sind dazu da, um missachtet zu werden. Das sagen sich so manche Bauherren und stellen überdimensionierte Hütten in ihren Freizeitgarten, ziehen einen viel zu hohen Zaun mit Sichtschutz um ihr Grundstück oder betonieren Freiflächen rücksichtslos zu und nutzen sie gewerblich – alles ohne Genehmigung. Und dabei handelt es sich keineswegs nur um Einzelfälle. Das erklärte Volker Rothenburger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, gestern im Umweltausschuss.

Mit seinem Vortrag, in dem er einige Beispiele aufzeigte, wollte er einerseits für das Thema sensibilisieren und andererseits erklären, wie diese Verstöße geahndet werden. Seine klare Botschaft in die Runde lautete aber zunächst: Die ökologische Funktion unverbauter Landschaft geht verloren, die biologische Vielfalt leidet und die Umwelt wird belastet.

Von Umweltverschmutzung geht er im schlimmsten von ihm gezeigten Fall aus. Ein Bauherr habe ein Wohnhaus mit überdachter Terrasse in seinen Freizeitgarten errichtet. Für Abwasserentsorgung sei allerdings nicht gesorgt gewesen. Der Verstoß sei nur deshalb aufgefallen, weil der um das Areal gezogene Zaun viel zu hoch gewesen sei und gekürzt werden musste. Bei der Kontrolle hätten die Mitarbeiter der Behörde dann freie Sicht auf das Haus gehabt.

Luftbilder auswerten

Wer überführt wird, muss nach Angaben von Rothenburger innerhalb einer bestimmten Frist den ursprünglichen Zustand auf dem Areal wieder herstellen, also entweder das Gebäude, den Sichtschutz oder Zaun zurückbauen – oder aber versiegelte Flächen wieder begrünen. „In der Regel raten wir den Menschen, sich einen Anwalt zu nehmen, der weiß, dass die Bebauung nachträglich nicht genehmigt wird“, erklärte Rothenburger. In gut 90 Prozent der Fälle werde man sich ohne Strafverfahren einig. Aufwendige Bußgeldverfahren würden schon im Sinne einer einvernehmlichen Einigung nicht angestrebt. Außerdem verfüge die mit drei Mann relativ kleine Untere Naturschutzbehörde nicht über die personellen Kapazitäten.

Umweltdezernat ist pleite

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) lobte die Abteilung um Rothenburger, die zehn bis 15 Mitarbeiter vertragen könnte, für hervorragende Arbeit. Zugleich kritisierte sie, dass das Umweltdezernat seit Jahren unterfinanziert sei und angesichts zusätzlicher Aufgaben trotz des vom Magistrat verfügten Sparzwangs „de facto pleite sei. Ich werde demnächst mit einer Mehrkosten-Auflage an sie herantreten“, kündigte Heilig im Umweltausschuss an.

Die deutliche Zunahme illegaler Bauten in den vergangenen Jahren in Landschaftschutzgebieten bereiten ihr große Sorgen. Vor allem aber ärgert sie sich über das mangelnde Unrechtsbewusstsein. „Überführte versuchen sich oft irgendwie rauszureden, etwa damit, dass nebenan doch genau die gleichen Bauten stünden.“ Der „krasseste Fall“, der ihr bislang untergekommen sei: Ein Wohnhaus samt Pool im Schutzgebiet.

Verstöße würden der Unteren Naturschutzbehörde über die verschiedensten Kanäle gemeldet. Oft kämen die Hinweise von Hundehaltern, die mit ihren Vierbeinern beim Gassigehen darauf aufmerksam geworden seien. Laut Rothenburger sind aber auch die Ortsbeiräte eine große Hilfe. Und auch die moderne Technik helfe; so würden regelmäßig auch Luftbilder ausgewertet, erklärte Heilig.

Wie viele Verstöße im Jahr registriert werden, kann die Frankfurter Umweltdezernentin nicht sagen. Die Zahl habe aber zuletzt kontinuierlich zugenommen. „Und die Dunkelziffer ist sicher hoch“. Heilig hofft, dass sich das bald ändert.

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