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Brechvirus: Im Ferienlager erkrankte Kinder sind wohlbehalten zurück und wieder gesund

Die Fahrt in ein Ferienlager in Rauenstein in Thüringen endete für 38 Frankfurter Kinder jäh, als ein Brechvirus ausbrach (wir berichteten). Kinder und Betreuer sind wieder zu Hause – aber die Ferien sind für die meisten im Eimer.
Ein Großaufgebot an Rettungskräften und Katastrophenschutz versorgte die Kinder, die an Brechreiz und Übelkeit litten. Foto: Ittig (dpa-Zentralbild) Ein Großaufgebot an Rettungskräften und Katastrophenschutz versorgte die Kinder, die an Brechreiz und Übelkeit litten.
Ostend. 

Mehr als die Hälfte der Gruppe – 21 Kinder und Jugendliche – wurde krank: Die plötzlich auftretenden Symptome waren Bauchschmerzen, heftiges Erbrechen und teilweise Fieber. Sechs von ihnen ging es so schlecht, dass sie ins Krankenhaus mussten. Am zweiten Tag erkrankte der erste, am nächsten der zweite, und in der Nacht zum Donnerstag erwischte es 16 Kinder auf einmal.

Großaufgebot an Sanitätern

Die Kinder der Jahrgangsstufen 5 bis 10 der IGS Herder und der KGS Niederrad waren mit der Jugendhilfe auf Ferienfahrt. Auch rund 30 Teilnehmer zweier Gruppen aus Berlin waren betroffen. Am frühen Donnerstag wurde klar, das nicht etwa einzelne Kinder krank waren, sondern dass sich eine Epidemie ausbreitete. Die Betreuer riefen den Notdienst. Katharina Hellwig, Betreuerin und Geschäftsführerin des Jugendhilfe-Vereins Junularo, überkommt noch immer das Grausen, wenn sie von den Ereignissen erzählt: „Sie müssen sich das so vorstellen: Fünfzehn Betreuer dreier Großgruppen rennen auf dem Gelände hin und her, um den Kindern zu helfen, die sich alle gleichzeitig übergeben. Es war reiner Horror.“ Die Jugendlichen fühlten sich „wie in einem Zombielager“. Und auch die Betreuer wurden nicht verschont: Zwei der sieben Begleiter aus Frankfurt erwischte es.

Nachdem der Notruf eingegangen war, wurde ein Großeinsatz ausgelöst: Alle verfügbaren Rettungskräfte, Helfer vom Katastrophenschutz und die Polizei trafen ein und übernahmen das Kommando. Zelte mit Pritschen wurden aufgestellt, die Kranken vor Ort versorgt oder ins Krankenhaus gebracht – insgesamt 21 Kinder sollen in Kliniken gebracht worden sein, von den Frankfurtern waren es sechs. „Die Sanitäter arbeiteten ununterbrochen und bis zur letzten Kraft, sie leisteten großartige Arbeit“, erinnert sich Katharina Hellwig.

Mitarbeiter vom Roten Kreuz betreuten die gesund gebliebenen Kinder und versorgten sie mit Essen. Die Polizei sperrte das Gelände ab, es stand unter Quarantäne. Die Betreuer telefonierten mit den Eltern, hielten sie über jeden Schritt auf dem Laufenden.

Verschiedene Diagnosen

Über die Ursache des Krankheitsausbruchs konnte zunächst nur spekuliert werden. Experten von Gesundheits-und Lebensmittelamt machten sich vor Ort ein Bild der Lage. Am Nachmittag gab die Klinik Coburg (Bayern) bekannt, dass es sich um den Norovirus handele. „Aber wir wissen bis heute nicht, was es tatsächlich war, denn jedes Krankenhaus hatte eine andere Diagnose“, berichtet Hellwig. Der Verdacht auf Lebensmittelvergiftung stand neben der Diagnose Norovirus auch im Raum. „Für uns ist einiges fragwürdig. Wir werden es wohl nie erfahren. Aber wichtig ist uns nur, dass es allen wieder gut geht und sich seither niemand mehr infiziert hat.“

Am Freitag dann organisierte das Team der Jugendhilfe die Krankentransporte für die Rückkehr, manche Eltern kamen selbst zum Abholen.

Das Rauensteiner Ferienzentrum wird derzeit gereinigt und desinfiziert. Gegenüber dem MDR sagte der Leiter Matthias Kampe, er hoffe, dass die Behörden das Camp ab nächster Woche freigeben. Wegen Stornierungen soll dem Betreiber ein Schaden von 20 000 Euro entstanden sein. Die Leidtragenden seien aber vor allem die Kinder: „Die hatten sich auf die Ferienfahrt, das Draußensein und die Workshops gefreut“, bedauert Katharina Hellwig. „Für viele war es der einzige Urlaub des Jahres.“ Der Norovirus ist extrem widerstandsfähig, auf Türklinken kann er tagelang überleben. Er ist hochansteckend und befällt immer wieder ganze Reisegruppen.

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