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Ausstellung zeigt 500 ausgestopfte Exemplare: Im Reich der toten Tiere

Von Ein Schwan, Füchse, Hasen, Greifvögel und viele andere Tiere haben nach ihrem Tod ein zweites Zuhause gefunden. Professionell präpariert dienen sie in der Naturkundlichen Lehrausstellung als Anschauungsmaterial für Schul- und Kindergartenkinder.
Vorsichtig und trotzdem mit wachen Augen blickt der Rotfuchs zu dem stolzen Schwan. In der Natur hätte er ihn sofort gejagt, in der Naturkundlichen Lehrausstellung von Christiane Knerndel bleibt ihm das verwehrt. Alle dort gezeigten Exemplare sind ausgestopft. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Vorsichtig und trotzdem mit wachen Augen blickt der Rotfuchs zu dem stolzen Schwan. In der Natur hätte er ihn sofort gejagt, in der Naturkundlichen Lehrausstellung von Christiane Knerndel bleibt ihm das verwehrt. Alle dort gezeigten Exemplare sind ausgestopft.
Nieder-Eschbach. 

Als Christiane Knerndel die Tür des kleinen Anbaus öffnet, schlägt den draußen Wartenden ein leicht säuerlicher Duft entgegen. Das ist das Gift, damit die Milben nicht an die Federn und Felle der präparierten Tiere gehen, sagt die 66-Jährige. Dann drückt sie auf den Lichtschalter, unzählige Augenpaare blicken in Richtung Tür, nur der auf dem Boden stehende Schwan sieht nichts. Milchglasfolie verdeckt sein Gefieder. „Ansonsten geht er kaputt“, erzählt Knerndel, zieht die Folie ab und streicht dem Vogel sanft über die weichen, weißen Federn. Manchmal sagt sie, frage sie sogar, wie es ihm geht.

Seit Ende der 1980er-Jahre wohnen in dem kleinen Anbau hinter Christiane Knerndels Haus ausgestopfte Tiere. Wie viele es tatsächlich sind, das weiß die Rentnerin nicht. 500 schätzt sie, hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten bestimmt angesammelt. Was einst als Hobby von Knerndels Vater anfing, hat sich mittlerweile zu einer vom Naturschutzbund (NaBu) unterstützten Naturkundlichen Lehrausstellung entwickelt. „Museum dürfen wir uns leider nicht nennen, dafür erfüllen wir nicht die nötigen Anforderungen“, hat sich die Nieder-Eschbacherin damit längst abgefunden.

Heimische Tiere

Zweimal in der Woche öffnet sie die Naturkundliche Lehraustellung, immer wieder sind Kindergärten und Schulen zu Gast, um sich die Ausstellung anzuschauen. Dabei geht es nicht nur um die heimischen Arten, gezeigt werden auch Exemplare aus Süddeutschland und Österreich. Wie der Steinadler, der nur noch in den Alpen lebt. Er fliegt hinter der Glasscheibe über Wildschwein, Feldhase, Waschbär und Eule, zwischen seinem Schnabel trägt er einen getöteten Fuchs.

Erschreckt würden die Kinder nicht reagieren, wenn sie den kleinen Raum mit den vielen toten Tieren betreten, erzählt Christiane Knerndel. Auch Berührungsängste gebe es nicht. Im Gegenteil: „Ich habe vier sogenannte Streichelfüchse, die ich dann hinter der Scheibe hervorhole“, sagt die 66-Jährige.

Glatter Durchschuss

Wir allerdings die Frage gestellt, wie die Tiere gestorben sind, dann flunkert sie. Zumindest ein bisschen. „Dass viele Exemplare erschossen wurden, weil sie jagbares Wild sind, verschweige ich dann. Ich spreche bei den Kindern lieber von Unfällen“, erklärt sie und zeigt auf einen Bärenschädel mit zwei Löchern. Ein glatter Durchschuss. „Lange hing der tote Braunbär an der Tür eines Nieder-Eschbacher Metzgers, irgendwo im Ostblock wurde er geschossen. Mein Vater konnte ihn dann erstehen und in die Lehrausstellung bringen“ berichtet Knerndel.

Ohnehin sei die Ausstellung das Vermächtnis ihres Vaters. 1957 begann er mit dem Vogelschutz, in der Wohnung sammelte er ausgestopfte Tiere. An die 200 präparierte Exemplare waren es in den Spitzenzeiten, in Nieder-Eschbach war er nur als „Vogel-Fritz“ bekannt. Ende der 1980er Jahre jedoch, im Zuge des Washingtoner Artenschutzgesetzes, hatten die Knerndels zwei Möglichkeiten: Die Tiere beschlagnahmen lassen oder sie für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Sie entschieden sich für Letzteres, Fritz Knerndel riss seine Gewächshäuser ab und schaffte Platz für die toten Tiere. Um die kümmert sich jetzt seine Tochter. Auch wenn Christine Knerndel eine Tierfreundin ist, so hat sie doch einen Liebling: den Eisvogel. Auch der steht in der Vitrine der Ausstellung, trotzdem mag sie ihn lieber lebend. Am Eschbach, direkt hinter ihrem Haus.

 

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