Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 24°C

Autoren haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen: Im Team der Einzelkämpfer

Von Autoren sind vor dem weißen Blatt auf sich allein gestellt – schließlich ist Schreiben keine Gruppenarbeit. Trotzdem gibt es einen Verein, in dem sich Frankfurter Autoren gegenseitig unterstützen. Am 9. März lesen sieben Mitglieder aus ihren Werken vor.
Susanne Reichert und Meddi Müller planen mit 25 anderen Autoren eine dreiteilige Lesungsreihe in der Klosterpresse. Foto: Holger Menzel Susanne Reichert und Meddi Müller planen mit 25 anderen Autoren eine dreiteilige Lesungsreihe in der Klosterpresse.
Sachsenhausen. 

Schriftsteller, so die weitverbreitete Vorstellung, fristen ein einsames Dasein. Abgeschottet vom Rest der Welt prasseln ihre Autorenfinger tagein, tagaus auf die Tastatur ein. Im kleinen Kämmerchen soll es entstehen, das Wahnsinnswerk, der Bestseller, der zuhauf über die Verkaufstresen wandert, der jedes Bücherei-Regal erobert. Doch es gibt unzählige kleine Kämmerchen – die Konkurrenz ist groß. „Talent allein führt nicht zum Erfolg“, erklärt Susanne Reichert. Vergangenes Jahr hat die Hobby-Autorin ihren ersten Roman „Himmlisch gechillt“ veröffentlicht. „Wer mit seinem Buch groß rauskommen will, braucht Kontakte, muss sich im Netzwerken verstehen.“ Eine Plattform dafür bietet der Klub Autoren RheinMain Szene (ARS), bei dem sie Vorstandsmitglied ist.

Zu zweit gegen den Rest

Im Juni vergangenen Jahres wurde die Satzung verabschiedet – die lose ARS-Gruppe wurde zum Verein. Seinen Anfang nahm alles im Oktober 2014: Im Gewusel der Buchmesse trafen Pia Forkheim und Yvonne Piouch aufeinander – beide Schriftstellerinnen, bloße Sandkörner am schier endlosen Literatenstrand. Sie beschlossen, einen Autorenstammtisch zu gründen. Doch die monatlichen Treffen sollten mehr sein, als eine Austauschplattform. „Wir werben gemeinsam für die Lesungen aller Mitglieder, lesen gelegentlich auch als Gruppe“, sagt Reichert. Außerdem würden Kontakte zu Verlagen und Lektoraten untereinander ausgetauscht. „Jeder hilft jedem“, so Reichert. Schluss mit dem Einzelkämpferdasein, kein Grund zur Rivalität: „Die Genres sind so vielfältig, da gräbt keiner dem anderen das Wasser ab.“

Schnell wuchs die Mitgliederzahl der ARS, lag mitunter sogar bei 70 Personen. Seit der Vereinsgründung aber entfällt auf alle Beteiligten ein Mitgliedsbeitrag von 48 Euro im Jahr. „Seither haben uns viele Autoren verlassen.“ Der harte Kern zumindest sei geblieben, so Reichert. Er bestehe aus 27 Mitgliedern. „Dabei sind alle Altersklassen zwischen 25 und 60 Jahren vertreten.“ Auch halte sich der Anteil an Frauen und Männern die Waage. „Bei uns ist jeder willkommen, der Talent und Leidenschaft mitbringt“, so das zweite Vorstandsmitglied Meddi Müller. Er ist nicht nur Autor, ihm gehört auch der Charles-Verlag. Zudem moderiert er einen eigenen Radiosender, über den auch schon viele ARS-Autoren ihre Romane vorstellen durften.

Reichert hatte reichlich Glück: „Ich arbeite in einer Buchhandlung in Bad Vilbel“, erläutert sie. „Für den Newsletter des Geschäfts verfasse ich auch regelmäßig eine Kolumne.“ Eines Tages wurde Müller auf besagte Kurztexte aufmerksam. Er erkannte Reicherts Talent, nahm sie unter Vertrag. Mit seiner Unterstützung sollte die dreifache Mutter ihre familiären Alltagserlebnisse niederschreiben, eine locker-flockige Geschichte zu Papier bringen. „Ein halbes Jahr lang habe ich an dem Buch gesessen“, sagt die Autorin, ernsthafte Schreibblockaden habe sie dabei nie gehabt.

„Mein Verleger hat aber auch einen gesunden Druck auf mich ausgeübt“, verrät die 46-Jährige augenzwinkernd. Ein Luxus: Die meisten Herausgeber wollen heutzutage fertige Manuskripte sehen, ehe sie Autoren einen Vertrag anbieten. Zumindest in der Betreuung kann die ARS dann eine Alternative zum Verlag bieten – und somit auch für Self-Publisher von Interesse sein. „In der Gruppe haben sich viele enge Freundschaften entwickelt“, erläutert Reichert. „Einige Autoren tauschen ihre Texte aus, geben einander offenes, ehrliches Feedback und jede Menge nützlicher Tipps.“

Gegenseitige Motivation

Manchmal aber reiche es schon, zu erfahren, dass sich viele Schriftsteller mit den gleichen Problemen herumschlagen, dass kreative Durststrecken und Selbstzweifel beim Schreiben ganz normal sind. „Ich hatte immer wieder Angst zu scheitern“, sagt Reichert. „Dann haben mir die Kollegen Mut gemacht.“

Ungefähr 15 Bücher hätten alle Autoren im Laufe ihrer ARS-Mitgliedschaft veröffentlicht, sagt Müller. Wer überzeugt, wird vielleicht sogar direkt vom Vorstandsvorsitzenden und Herausgeber unter Vertrag genommen. „Aber ich nehme nur die Besten“, ergänzt er schnell.

Eine dieser „Besten“ ist Anna Bodenbach. Mit ihrem Buch „Revanche“ – erschienen im Charles Verlag – wird sie am 9. März an der ersten Lesung einer dreiteiligen ARS-Veranstaltungsreihe teilnehmen. Thema des Abends in der Alt-Sachsenhäuser Klosterpresse, Paradiesgasse 10: „Romance & Thrill“. Insgesamt sechs Autoren werden von 19 Uhr an aus ihren Werken vorlesen. „Der Abend soll Aufschluss darüber geben, wie viel Tragik und Tod eine Liebesgeschichte in unseren Zeiten noch verträgt“, verrät Reichert. Der Eintritt ist frei.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse