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Urteil: Im Wahn junge Frau angegriffen: Mann dauerhaft in Psychiatrie

Von Nach zwei Übergriffen auf Passanten in der Fußgängerunterführung an der Frankfurter Hauptwache ist ein 50 Jahre alter Mann dauerhaft in die Psychiatrie eingewiesen worden. Das Landgericht Frankfurt ging am Dienstag von Körperverletzung und schwerer räuberischer Erpressung aus.
An einer der Hauptwache-Treppen bedrohte der Angeklagte eine junge Frau. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA An einer der Hauptwache-Treppen bedrohte der Angeklagte eine junge Frau.
Frankfurt. 

Die Fußgängerunterführung an der S-Bahn-Station Hauptwache zählt zu den belebtesten Plätzen der Innenstadt. Dass man aber auch hier, im allgemeinen Gedränge und bei relativ hoher Präsenz der Stadtpolizei, nicht völlig sicher vor Begegnungen der unangenehmen Art sein kann, zeigte gestern ein Prozess vor dem Frankfurter Landgericht. Ein 50-Jähriger wurde am Ende in die Psychiatrie eingewiesen.

Am 6. September 2017 lief eine junge Frau über die Treppenanlage an der Hauptwache, als sie plötzlich vom jetzigen Angeklagten barsch aufgefordert wurde, Geld und Zigaretten herauszugeben. Dann kündigte er noch an, sie „aufschlitzen und die Eingeweide herausreißen“ zu wollen. Die Frau konnte flüchten und alarmierte die Ordnungshüter. Trotzdem gelang dem Mann rund drei Wochen später, am 29. September, eine zweite Tat in ähnlicher Manier. Diesmal war sein Opfer ein Geschäftsmann in der B-Ebene, diesem warf der seit vielen Jahren obdachlosen und drogenabhängigen Angeklagte eine Bierflasche an den Rücken.

Nun war es mit der Obdachlosigkeit des heute 50-Jährigen vorbei – weil beide Straftaten in den Rahmen „mittlerer Kriminalität“ fielen, wurde die vorläufige Einweisung in die Psychiatrie verfügt, die gestern vom Landgericht überprüft werden musste.

Immer neue Feindbilder

Die Staatsanwaltschaft hatte in Anbetracht des psychiatrischen Gutachtens an ihrem Antrag auf Einweisung festgehalten und deshalb keine reguläre Anklageschrift erstellt. Der Sachverständige war von einer eindeutigen Schuldunfähigkeit des Mannes ausgegangen. Dieser liege eine schizophrene Wahnerkrankung zugrunde, an der der Mann bereits seit Jahren leide. Immer wieder bauten sich in seinem Gehirn Feindbilder auf, die mit der Realität nichts zu tun hätten. So begründete er die Übergriffe in der Innenstadt mit seiner Abneigung gegen Alkoholiker, obwohl beide Opfer nicht das Geringste mit der Trinkerszene an der Hauptwache zu tun hatten. Besonders der als Zeugin vernommenen Frau merkte man noch vor Gericht an, wie sehr sie der Vorfall psychisch belastet hatte. Der Geschäftsmann steckte den Angriff mit der Bierflasche relativ unbeschadet weg.

Gefährdung der Allgemeinheit

Die Staatsanwaltschaft und das Gericht nahmen die dringende Empfehlung des Sachverständigen auf, den Mann in der Psychiatrie zu belassen. Aufgrund seiner unbehandelten Krankheit gehe von ihm eine Gefährdung der Allgemeinheit mit möglicherweise weitreichenden Folgen aus. Auch der Beschuldigte und sein Verteidiger sahen das ein und legten keine Rechtsmittel dagegen ein.

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