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Keiner verantwortlich: In Sachsenhausen steht ein Brunnen, den keiner haben will

Von Am Südbahnhof gammelt ein stillgelegter Brunnen vor sich hin. Die Idee, ihn wieder herzurichten, endet in einer Posse. Da der Brunnen damals grundstücksübergreifend gebaut wurde, fühlt sich nun niemand mehr für ihn zuständig – weder die Stadt noch die Wohnungsbaugesellschaft ABG.
Derzeit dient der verwahrloste Brunnen am Diesterwegplatz als Fahrradstellplatz. Aus dem Ortsbeirat kam die Forderung, ihn wieder plätschern zu lassen. Foto: Leonhard Hamerski Derzeit dient der verwahrloste Brunnen am Diesterwegplatz als Fahrradstellplatz. Aus dem Ortsbeirat kam die Forderung, ihn wieder plätschern zu lassen.
Sachsenhausen. 

Den Stein ins Rollen brachte Marlis Gutmann. Im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) setzte sich die Kommunalpolitikerin der Linken dafür ein, den schon vor Jahren stillgelegten Brunnen am Südbahnhof wieder in Betrieb zu nehmen. Ihr Antrag führte zu einem Zuständigkeitsstreit, der nun vollends zur Posse geworden ist. Denn trotz mehrfacher Nachfragen und einem ersten Bericht unserer Zeitung bleiben die beiden möglichen Eigentümer des Brunnens dabei: Für das verwahrloste Bauwerk in Sachsenhausen seien nicht sie, sondern der jeweils andere zuständig.

Bereits in der offiziellen Antwort auf Gutmanns Brunnen-Initiative, schob der Magistrat die Verantwortung ab. Der Brunnen am Südbahnhof „gehört zusammen mit der Steinmauer zum Gebäudekomplex und ist somit Eigentum der Saalbau GmbH; jetzt ABG Frankfurt Holding GmbH“, heißt es in dem Schreiben an den Ortsbeirat 5. Doch ABG-Chef Frank Junker sagte daraufhin vergangene Woche, dass das nicht stimme. Seiner Wohnungsbaugesellschaft gehöre zwar das Bahnhofsgebäude. Der Brunnen liege jedoch auf städtischem Boden. „Die Grundstücksgrenzen sind eindeutig“, so Junker. Daher sei nicht er, sondern die Stadt selbst dafür zuständig.

Wer hat nun recht?

Das Problem ist: So lange nicht einmal geklärt ist, wem der Brunnen gehört, wird sich kaum jemand um ihn kümmern. Er gammelt dann einfach so weiter vor sich hin, ohne dass er saniert oder abgerissen wird. Unsere Zeitung hat sich deshalb erneut an die Stadt gewandt und wollte vom Planungsamt wissen, was denn nun Sache ist: Hat die ABG recht oder der Magistrat?

Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding Bild-Zoom Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA
Frank Junker, Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding

Die Beantwortung dauerte ein paar Tage. „Nach interner Klärung kann ich Ihnen mitteilen, dass der Brunnen am Südbahnhof zwar auf städtischem Gelände liegt, jedoch zum Gebäudekomplex des Bahnhofs gehört“, schrieb der zuständige Abteilungsleiter Michael Hootz schließlich. „Die Brunnenkammer liegt auf dem Gelände des Bahnhofs. Damit ist die ABG Holding zuständig.“

ABG-Chef widerspricht

Doch Geschäftsführer Frank Junker ließ diese Behauptung nicht auf sich sitzen, sondern widersprach erneut und vehement: „Der Brunnen gehört nicht zu unserem Gebäude, er gehört der Stadt. Das ist zivilrechtlich eindeutig.“ Die Technik zum Betrieb des Brunnens sei zwar seinerzeit im Bahnhofsgebäude untergebracht worden, doch diese Anlage sei längst zurückgebaut. An einen Wiederaufbau sei nicht zu denken. „Wir werden keinen Brunnen betreiben, der auf einem fremden Grundstück steht“, macht er seinen Standpunkt deutlich. Sollte die Stadt Interesse daran haben, müsse sie eben selbst neue Leitungen legen und die Betriebsanlage auf ihrem eigenen Grundstück unterbringen, schlägt Junker vor.

Gelöst ist der Zuständigkeitsstreit also noch nicht. Wobei er auch in anderer Hinsicht skurril wirkt. Denn Junkers ABG Holding ist eine 99,99-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt. Der stillgelegte Brunnen befindet sich also so oder so im kommunalen Eigentum. Auch wenn ihn niemand haben will.

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