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Symbol der Liebe: In der Gondel angebandelt

Von Im Vorgarten von Stefanie und Walter Schaefer steht seit einigen Wochen eine Gondel – eine Gondel der Liebe. Denn die Zweisitzer-Kabine ist nicht nur ein Unikat in Frankfurt, sie ist zugleich ein Symbol für ganz viel Romantik und die Geschichte des Kennenlernens des Ehepaares.
Auf einer hölzernen Palette steht die Gondelkabine im Vorgarten der Schaefers unter dem großen Baum gleich neben der Hecke. Foto: Maik Reuß Auf einer hölzernen Palette steht die Gondelkabine im Vorgarten der Schaefers unter dem großen Baum gleich neben der Hecke.

Eine ausrangierte Holzpalette gibt der silberfarbenen Gondelkabine sicheren Halt, in den seitlichen Skihalterungen stecken Blumentöpfe mit Heidekraut, über der Aufhängung auf dem Dach bewegen sich die Äste eines Baumes im Wind. Im Inneren der Zwei-Personen-Kabine haben Stefanie und Walter Schaefer Platz genommen. Sie sitzt links, er auf dem rechten der beiden Sitze. In die Mitte quetscht sich genüsslich die Beagle-Dame Tosca. Plötzlich rollt ein Auto vorbei, der Fahrer schaut verwundert, nimmt den Fuß vom Gas, fährt dann jedoch weiter. Eine Szene, die sich vor dem Haus der Schaefers seit einigen Wochen häufiger beobachten lässt. Verständlich, steht die Gondel doch mitten und damit sehr prominent in ihrem Vorgarten – das ist einzigartig in Frankfurt.

„Die Kabine ist Teil der Jennerbahn am Königssee, meine Frau hat sie mir zum 50. Geburtstag geschenkt“, erklärt Walter Schaefer, wie die Gondel in seinen Vorgarten gelangte. Seit März diesen Jahres wird die 65 Jahre alte Luftseilbahn in Bayern abgebaut und durch ein modernes Exemplar ersetzt. Stefanie Schaefer erfuhr davon im Internet und hatte Glück: sie konnte ihrem Mann seinen Wunsch nach einer eigenen Gondel auf dem Riedberg erfüllen. Walter Schaefer war, als er die Kabine während einer Überraschungsparty zu seinem Ehrentag geschenkt bekam, nach eigenen Worten „völlig aus dem Häuschen“. Auch wenn die Kabine gar nicht sein ursprüngliches Objekt der Begierde war.

Denn der 50-Jährige hatte es eigentlich auf eine Kabine einer Gondelbahn aus dem Skigebiet Wildschönau in Tirol abgesehen. Auch dies wird derzeit erneuert. „Es ist ja nicht so, dass ich von einem auf den anderen Tag auf die Idee komme, mir eine Gondel in den Vorgarten zu stellen. So bekloppt bin selbst ich nicht. Aber zu der Bahn in Österreich haben ich und meine Frau eine ganz besondere Beziehung“, erklärt Schaefer, wie er überhaupt auf diese doch etwas absurde Idee gekommen ist.

Verliebt in den Bergen

Denn die Eheleute lieben nicht nur die Berge und das Skifahren per se, sondern haben sich beim Wintersport auch ineinander verliebt. Es war 1989, auf einer Skifreizeit des Lessing-Gymnasiums, im Skigebiet Wildschönau. Walter, damals Schüler, fuhr als Betreuer und Skilehrer mit, Stefanie war Schülerin und in seiner Gruppe. Und so nahm das Glück seinen Lauf. „Wir haben uns ineinander verliebt“, sagt er. Mittlerweile sind sie verheiratet und haben eine Tochter. Diese wurde im Oktober 1996 geboren – zehn Monate nach der Skifreizeit, die traditionell Anfang Januar stattfindet. „Meine Frau ist später auch als Betreuerin mitgefahren“, sagt Schaefer und lächelt verschmitzt.

Die Gondelbahn in Wildschönau ist somit ein Symbol für den Beginn ihrer Liebe und die erste Phase der Gemeinsamkeit. „Eine Kabine dieser Bahn, mit der wir damals auch gefahren sind, das wäre doch was für uns“ – diese Bemerkung hatte Walter Schaefer irgendwann einmal „so nebenbei“ fallenlassen, als er im Internet las, dass die Bahn abgebaut wird. Seine Frau, sofort hellhörig, versuchte alles, doch sie hatte keine Chance: Die Anlage war bereits nach Pakistan verkauft worden. Aber das Ehepaar kann auch sehr gut mit „Plan B“ leben. Zumal die Kabine „vielmehr ein Symbol unserer Liebe und der Leidenschaft zu den Bergen ist“.

Ersatz für Strandkorb

Die Kabine steht im Vorgarten übrigens exakt an jener Stelle, wo noch bis zum Frühjahr ein Strandkorb von der Nordsee thronte. Diesen hatte das Ehepaar vor fünf Jahren aufgestellt, als es in den Bonifatiusbrunnen gezogen war. „Er hat dann wegen Wind und Wetter seinen Geist aufgegeben. Da kam die Gondel-Idee grade recht“, sagt Walter Schaefer. Er hatte den Strandkorb damals als „Ort der Kommunikation auf dem sonst doch recht anonymen Riedberg“ auserkoren. Und das mit großem Erfolg: Beim Schneeschippen trafen sich die Nachbarn dort zum gemeinsamen Glühweintrinken, die Müllmänner gönnten sich darin so manche kleine Pause. Da ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste Mitarbeiter der Müllabfuhr im Vorgarten der Schaefers einen „Sitztest“ machen wird – in der ersten Skigondel auf dem Riedberg.

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