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Uniklinik startet Kampagne: In diesem Bereich der Medizin fehlt der Nachwuchs

Die Medizinisch-Technische Assistenz in der Fachrichtung Funktionsdiagnostik (MTA-F) ist ein unscheinbares Berufsfeld in der Medizin. Dabei sind die Berufsaussichten dort besonders gut. Die Uniklinik hat nun eine Kampagne gestartet, um Nachwuchs zu finden.
Die Bildschirme immer im Blick: Stefanie Borchardt und Prof.Dr.med.Felix Rosenow im Neuro-Zentrum in der Uniklinik. Foto: Leonhard Hamerski Die Bildschirme immer im Blick: Stefanie Borchardt und Prof.Dr.med.Felix Rosenow im Neuro-Zentrum in der Uniklinik.
Frankfurt. 

„MTA-F“ – das soll ein Beruf sein? Hinter dem Akronym verbirgt sich die sperrige Bezeichnung „Medizinisch-Technische Assistenz in der Fachrichtung Funktionsdiagnostik“ und dahinter wiederum ein Beruf, dem trotz Aussicht auf Vollbeschäftigung der Nachwuchs ausgeht. Die Frankfurter Uniklinik hat eine Kampagne gestartet, um den Beruf bekannter zu machen, denn: „Viele Schulabgänger wissen gar nicht, dass es diese Tätigkeit überhaupt gibt, dass dringend Auszubildende gesucht werden und die Jobaussichten fantastisch sind“, so Prof. Felix Rosenow, Leiter des Epilepsiezentrums der Uniklinik. Ab dem 17. September wird das Uniklinikum in Kooperation mit der MTA-Schule in Marburg MTA-F ausbilden.

Was eine oder eine MTA-F macht, kann im Epilepsiezentrum beobachtet werden. Stefanie Borchardt und ihr studentischer Kollege sitzen in einem Raum voller Bildschirme – sie beobachten Hirnströme der Patienten, deren elektrische Aktivität des Gehirns gemessen wird. Die Patienten selbst, die mit Elektroden am Kopf in ihren Betten liegen und dösen oder lesen, werden gefilmt, das Bild wird ebenfalls auf einen Bildschirm übertragen. Acht Patienten können so gleichzeitig überwacht werden. Anhand der Hirnströme kann der Bereich des Gehirns, in dem ein epileptischer Anfall ausgelöst wird, lokalisiert werden.

Raum voller Bildschirme

Die MTA-F beherrschen die Elektroenzephalografie(EEG)-Geräte, die immer häufiger in verschiedenen Kontexten zum Einsatz kommen, können selbstständig die Messung durchführen. Kommt es zu einem epileptischen Anfall, können die MTA-F dies sofort feststellen und den Patienten untersuchen. Sie erfüllen also eine wichtige Sicherheitsfunktion, die Krankenpfleger nicht nebenbei leisten können.

Die Epilepsiediagnostik ist nur eines von vielen Feldern, in denen die MTA-F in Frankfurt eingesetzt werden. Neben der Neurophysiologie werden sie auch in der Kardiologie, in der Pneumologie, im Schlaflabor und in der HNO-Abteilung eingesetzt. Kurz: Überall dort, wo viel Technologie gebraucht wird und Messungen von Organfunktionen durchgeführt werden. Auch im Operationssaal werden sie gebraucht, um beispielsweise bei Hirntumor-Operationen Nervenmessungen durchzuführen. Das Einsatzfeld wechselt mitunter während einer Schicht, berichtet Stefanie Borchardt. „Wir arbeiten im Dreischichtbetrieb, Medizinstudenten helfen derzeit im Spät- und Nachtdienst aus.“ An der Uniklinik herrscht Mangel an MTA-F: Alle, die ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren, sollen übernommen werden, so Rosenow, vor allem mit Blick darauf, dass die Neurochirurgie, das Epilepsiezentrum und andere Abteilungen planen, zu erweitern.

MTA-F sollten eine Affinität zu Technik mitbringen. „Der Großteil ist computerbasiert, technisches Grundverständnis ist also wichtig“, sagt Stefanie Borchardt. Außerdem sind die Gerätschaften teuer: Manche kosten eine Million Euro, da sollte derjenige, der sie bedient, wissen, was er tut. Es braucht aber nicht nur Geschick im Umgang mit der Technik, sondern auch Fähigkeit zur Empathie, einen guten Umgang mit Menschen: „Wir müssen die Patienten gut durch die Messung bringen, mitunter können die Untersuchungen schmerzhaft sein. Als MTA-F sollte man sich einfühlen können“, sagt Borchardt.

Weniger Fehldiagnosen

Auch der hessische Landesverband der Deutschen Epilepsievereinigung hat großes Interesse an ausreichenden qualifizierten MTA-F, „denn nur so kann eine qualitative hochwertige EEG-Diagnostik mit verlässlichen Daten und Messwerten gesichert werden“, heißt es. Das bedeute für Epilepsiepatienten weniger Fehldiagnosen, zeitnahe Therapien und weniger psychosoziale Ausgrenzung.

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