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360-Grad-Fotos: Industriekletterer auf dem MyZeil, oder: Der höchste Job in Frankfurt

Mike Weitkamp kraxelt auf der Glasfassade des MyZeil herum - jeden Tag. Wir haben den 45-Jährigen an seinem extremen Arbeitsplatz besucht.
Arbeitsplatz in schwindelerregender Höhe: Die Industriekletterer sind für die Instandhaltung der 13.000 Quadratmeter großen Fassade des Einkaufszentrums zuständig. Foto: Christophe Braun Arbeitsplatz in schwindelerregender Höhe: Die Industriekletterer sind für die Instandhaltung der 13.000 Quadratmeter großen Fassade des Einkaufszentrums zuständig.
Frankfurt. 

"Siehst Du die Scheibe da hinten?", fragt Mike Weitkamp und zeigt auf eine Stelle in der gewundenen Glasfassade des MyZeil. Sein Kollege nickt. "Da ist ein Sprung drin. Das müssen wir uns anschauen." Die Männer greifen nach ihrer Ausrüstung und laufen übers Dach, einmal um den Glas-Trichter herum.

Mike Weitkamp klettert an der Fassade des Einkaufszentrums herab. Foto: Christophe Braun Bild-Zoom
Mike Weitkamp klettert an der Fassade des Einkaufszentrums herab. Foto: Christophe Braun

Wenige Meter neben ihnen stürzt die gewundene Fassade des Einkaufszentrums dutzende Meter in die Tiefe. Zwischen den Lichtreflexen auf den Scheiben sind schemenhaft die Besucher des Einkaufszentrums zu erkennen, auf Rolltreppen und Balustraden.

Auf Höhe der gesprungenen Scheibe angelangt, legen die Männer Gurte an, hängen Karabiner in die Stahlseile und setzen Helme auf. Ihre Handgriffe sind schnell und routiniert, aber nicht achtlos. Denn dieser Arbeitsplatz verzeiht keine Fehler. 

Mike Weitkamp (rechts) und ein Kollege klettern auf der Fassade des MyZeil. Foto: Christophe Braun Bild-Zoom
Mike Weitkamp (rechts) und ein Kollege klettern auf der Fassade des MyZeil. Foto: Christophe Braun

Ein Knochenjob

Mike Weitkamp, 45 Jahre alt, ist Industriekletterer. Seit neun Jahren klettert er auf der Fassade des MyZeil herum - jeden Tag, bei jedem Wetter. Sein Job ist es, die 13.000 Quadratmeter große Glasfassade des Einkaufszentrums zu reinigen und instandzuhalten.

Es ist ein Knochenjob. Im Winter muss Weitkamp auch bei Minustemperaturen in schwindelerregender Höhe herumkraxeln. Im Sommer werfen die gewundenen Glasscheiben das Licht dutzendfach verstärkt zurück. Im Innern der gläsernen Trichter wird es dann mörderisch heiß. "Nicht so angenehm", sagt Weitkamp.

2.500 einzigartige Glasscheiben

Die Fassade des 2009 eröffneten Einkaufszentrums ist einzigartig. Zwei dutzende Meter hohe Trichter lassen Sonnenlicht von oben ins Innere des Gebäudes fallen. Die Trichter sind aus knapp 2.500 gläsernen Dreiecken zusammengesetzt. Jedes ist mit seinem Umfang und seiner Krümmung ein Unikat.

Mike Weitkamp auf dem Dach des MyZeil. Foto: Christophe Braun Bild-Zoom
Mike Weitkamp auf dem Dach des MyZeil. Foto: Christophe Braun

Und muss gewartet werden: Das ist seit neun Jahren Weitkamps Job. Neben dem Reinigen heißt das auch: Er tauscht beschädigte Scheiben aus. Das bedeutet großen Aufwand: Da es sich um Unikate handelt, gibt es die Scheiben nicht im Lager zu bestellen. Sie müssen einzeln angefertigt werden; der Vorlauf kann Wochen dauern. Mike Weitkampf und seine Kollegen montieren die Scheiben, die locker 80 Kilo wiegen können, am Seil: Frei schwebend, wenige Meter über dem Abgrund.

Inzwischen haben die beiden Kletterer sich abgeseilt. Weitkamp untersucht die gesprungene Scheibe: Steinschlag. "Die Raben lassen von oben Steine auf die Scheiben fallen - das kommt immer wieder vor", sagt er. Der Riss ist nicht tief, die Scheibe muss nicht ausgetauscht werden. Zumindest vorerst nicht.

Wenn es dann soweit ist, wird Mike Weitkamp zur Stelle sein, beziehungsweise: am Seil.

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