Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Erinnerung an Opfer der Nazis: Initiative Stolpersteine verlegt in Frankfurts Nordwesten 13 Quader

Von 13 Stolpersteine verlegte der Künstler Gunter Demnig gestern im Frankfurter Nordwesten, vier davon in Niederursel. Er war einmal mehr auf Einladung der Initiative Stolpersteine Frankfurt in der Stadt. Die Initiative stellte bei der Gelegenheit ihr neues Buch vor.
Vor dem Haus in der Spielsgasse 8 (Niederursel) verlegt der Künstler Gunter Demnig mehrere Stolpersteine. Bilder > Foto: Leonhard Hamerski Vor dem Haus in der Spielsgasse 8 (Niederursel) verlegt der Künstler Gunter Demnig mehrere Stolpersteine.
Niederursel. 

An Familie Schott erinnern seit gestern vier Stolpersteine auf dem Bürgersteig vor dem Haus Spielsgasse 8. Pauline Schott, 1875 geboren, starb im Konzentrationslager, ebenso ihre älteste Tochter Lina, geboren 1907, und deren Kinder Wanda, mit zwölf, und Denny, mit zwei Jahren deportiert. Geschwister von Lina konnten in die USA fliehen. Zwei von ihnen, Kurt Schott und seine Schwester Bella, haben ihr Elternhaus vor etwa 20 Jahren wieder besucht.

„Dort habe ich Kurt Schott kennengelernt“, berichtet Christa Fischer von der Initiative Stolpersteine. „Stolpersteine gab es 1995 noch nicht in Frankfurt.“ Aber jetzt, als die Heddernheimerin für neue Gedenksteine in Heddernheim recherchierte, erinnerte sie sich an die Familie Schott in der Spielsgasse 8.

Jetzt, bei der Verlegung der Gedenksteine durch den Künstler Gunter Demnig, waren rund 50 Personen gekommen. Ein Besucher aus Israel, David S. Gower, sprach in der Dämmerung das Kaddish (Totengebet), die Besucher hielten sich an den Händen und bildeten einen Kreis vor dem Haus.

60 000 Steine verlegt

Gunter Demnig, der in seinem roten Kleintransporter in die Spielsgasse gekommen war, hat an diesem Sonntagnachmittag noch neun weitere Steine verlegt: Für Familie Keller in Eschersheim, Am Weißen Stein 19, und für vier Heddernheimer Familien und Einzelpersonen: Das Ehepaar Richard (Nistergasse 5), das Ehepaar Seelig (Hessestraße 30), für Elisabeth Saalfeld (Im Heidenfeld 18) und für Karl Salomon (Alt Heddernheim 63). In den vergangenen 20 Jahren hat Demnig rund 60 000 der Betonquader mit Messingplatte in rund 1200 Städten gelegt, gestern in Frankfurt wieder auf Einladung der Initiative Stolpersteine. Seit 2003 sind etwa 1000 der Gedenksteine im Bürgersteig vor Frankfurter Häusern eingelassen worden. Fast jeder kennt sie. Sie erinnern an Juden, die vor ihrer Ermordung dort gelebt haben.

„Mittlerweile“, so Hartmut Schmidt von der Initiative, „regen wir selbst kaum noch Stolpersteine an.“ Vielmehr sind es Familienangehörige der Ermordeten, die noch einen Bezug zur alten Heimat ihrer Vorfahren haben und sich an die Initiative wenden. Ebenso oft kommt die Anregung auch aus den Häusern selbst – sei es durch Hausbesitzer mit einem Interesse für Geschichte, sei es durch Mieter, die herausfinden, wer früher mal unter ihrem Dach gelebt hat. So sind die Stolpersteine auch mehr, als eine glänzende Oberfläche. Sie sind Teil einer lebendigen Beschäftigung mit der Geschichte.

Ein Buch mit Rundgängen

Mitglieder der Initiative haben für einige Stadtteile zehn Rundgänge erarbeitet und in Buchform veröffentlicht. Dieses Buch, „Stolpersteine in Frankfurt am Main“, wurde gestern im Anschluss an die Pflasterarbeiten vorgestellt.

Durch die Altstadt, Heddernheim, den Dornbusch, die Innenstadt, das nördliche und das östliche Nordend, durch das Ostend, Rödelheim, Sachsenhausen und das Westend führt je einer der zehn Rundgänge. „Das ist nicht abschließend, wir haben schon eine Fortsetzung geschrieben“, sagt Schmidt. „Da kommen dann auch Höchst und andere Stadtteile vor.“ Denn Stolpersteine gibt es überall.

Das Buch ist in einer Auflage von 1000 Exemplaren erschienen. Finanziert wurde es maßgeblich durch die Chaja-Stiftung. „Wenn das Buch sich gut verkauft, können wir das zweite Buch produzieren“, sagt Schmidt. Er war Koodinator des Projekts, zu den Autoren gehört auch Christa Fischer. Sie führt die Leser etwa 2,8 Kilometer rund um Alt-Heddernheim.

 

 

Stolpersteine in Frankfurt am Main, zehn Rundgänge. 196 Seiten, 14,90 Euro, erschienen im Verlag Brandes und Apsel, erhältlich ab sofort im Buchhandel.

 

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse