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Pläne für Baugebiet an der Friedberger Landstraße: Innovationsquartier vermiest Klima

Von Die Kritik am umstrittenen Innovationsquartier will kein Ende nehmen. Auch die überarbeiteten Pläne werden im Stadtteil kontrovers diskutiert.
Was sie von den neuen Plänen halten, zeigten Mitglieder der Bürgerinitiativen dem Planungsdezernenten: „So nicht, M. Josef“. Was sie von den neuen Plänen halten, zeigten Mitglieder der Bürgerinitiativen dem Planungsdezernenten: „So nicht, M. Josef“.
Nordend. 

Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat mit Kritik gerechnet. Deshalb reagierte er wohl so gelassen. „Noch nie bin ich so freundlich begrüßt worden“, kommentierte er den Schriftzug, den Mitglieder der Bürgerinitiativen gegen den Bau des Innovationsviertels in der Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend) hochhielten. „So nicht M. Josef“, war da zu lesen.

Gegner des Bauprojektes brachten damit ihre Unzufriedenheit über die geänderten Pläne zum Ausdruck. Josef hatte zwar auf die Kritik an dem umstrittenen Innovationsquartier reagiert und jüngst im Planungsausschuss eine überarbeitete Variante präsentiert, die er jetzt mit Planungsamtsleiter Martin Hunscher im Ortsbeirates gekommen, um die Pläne auch dort nochmals zu erörtern. Auch er wäre nicht glücklich, wenn er einen Garten hätte und ihn wegen eines Bauprojektes räumen müsste, versicherte Josef. „Ich kann aber nicht immer nachgeben, ich habe auch eine soziale Verantwortung“, sagte er mit Blick auf die seit Jahren steigenden Wohnungspreise. Vor allem Familien könnten sich Frankfurt nicht mehr leisten und wanderten ins Umland ab, erklärte der Stadtrat, warum dringend Wohnraum zu schaffen sei.

Dieses Argument brachte Manfred Zieran (ÖkoLinX) auf die Palme. Für unangebracht hält er das gegeneinander-Ausspielen von Ökologie und Soziales. „Ich bin dafür, hier gar nicht zu bauen“, sagte er. Ohnehin befürchte er, dass das Viertel ein Quartier für Reiche werde und forderte einen deutlich höheren Anteil von gefördertem Wohnraum als den gesetzlich vorgeschriebenen von 30 Prozent – aus dem Publikum kam sogar die Zahl 100 Prozent. Das seien ab er keine guten Quartiere, sagte Birgit Kaspar vom Netzwerk Frankfurt für soziales Wohnen. „Die Durchmischung muss stimmen“, erklärte sie.

Neu in den überarbeiteten Plänen sind zwei etwa 70 Meter breite Grünstreifen im Süden und Osten des Baugebiets, das sich vom Wasserpark im Norden bis zum Günthersburgpark im Süden erstreckt. Dort könnten laut Hunscher etwa 80 Kleingärten angelegt werden. Er wies darauf hin, dass der sehr beliebte Günthersburgpark erweitert werde, zunächst um rund zwei Hektar auf dem Areal der früheren Stadtgärtnerei, langfristig um weitere drei Hektar, wenn die Gärtnerei-Nutzung weiter nördlich aufgegeben werden sollte. Der Abenteuerspielplatz Günthersburg bleibe am bisherigen Standort erhalten. Weniger Wohnraum soll durch die Umplanung allerdings nicht entstehen. Durch je ein zusätzliches Geschoss auf allen Gebäuden seien nach wie vor etwa 1500 Einheiten möglich. Im Westen des Areals werde sechsgeschossig gebaut, in der Mitte fünfgeschossig. Im Norden, Süden und Osten des Areals seien dann vier Vollgeschosse geplant.

Gutachter einladen

Umstritten sind die klimatischen Auswirkungen. Laut Hunscher seien nach dem aktuellen Klimaatlas des Umweltamts keine gravierende Temperaturerhöhung in den umliegenden Wohngebieten zu erwarten und die Wetterauwinde über das Innovationsquartier hinweg zögen. Zieran glaubt das nicht und zitierte aus einem Klimagutachten aus dem Jahr 2011 der Universität Kassel. Darin heißt es, dass es durch eine massive Neubebauung entlang der Friedberger Landstraße Strömungsbehinderungen zu erwarten seien. Josef schlug vor Prof. Dr. Katzscher in eine Sitzung einzuladen, damit er sich dazu äußern könne – denn sowohl das von Hunscher als auch von Zieran herangezogene Gutachten stammen aus seiner Feder.

Josefs Vorschlag lobte der SPD-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Koch. „Die Fakten müssen auf den Tisch“, sagte er und fügte an: Der Kompromiss muss zugunsten von mehr Grün verbessert werden.“ Gartenbesitzer Hans-Jörg Brecht forderte deshalb, das Planungsgebiet so wenig wie möglich zu bebauen und auch die Feinstaubbelastung entlang der Friedberger zu berücksichtigen. Grünen-Sprecher Michael Mirsch hatte zudem vorgeschlagen, den 70 Meter breiten Grünstreifen mitten durch das Innovationsquartier verlaufen zu lassen, weil in dem Gebiet die wertvollsten Bäume stünden. Dies ist laut Josef aber nicht möglich, weil die Erschließung des Quartiers dann nicht funktioniere.

Deckel auf die Autobahn

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Claudia Ehrhardt erinnerte an den ursprünglichen Plan zum Bau des Ernst-May-Viertels, demzufolge die A 661 überbaut werden und ein zusammenhängender Grünzug entstehen sollte. „Das Innovationsviertel ist davon völlig abgekoppelt, man hat den Eindruck, es wird nicht mehr an der Einhausung gearbeitet“, forderte sie Josef auf, sich dafür einzusetzen. „In Hamburg bekommt die Stadtautobahn einen Deckel, darüber entstehen Gärten – warum soll das in Frankfurt nicht gehen“, sagte sie.

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