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Mann vor Gericht: Internet-Orakel wird der Prozess gemacht

Für wiederholte Betrügereien mit zweifelhaften Lebensprognosen auf seiner Webseite muss sich ein 31-jähriger Mann nun vor Gericht verantworten.
Foto: dpa
Frankfurt. 

Betrügereien im Internet mit angeblichen „Lebensprognosen“ stehen seit Mittwoch im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Landgericht Frankfurt. Angeklagt ist ein 31 Jahre alter Mann, der laut der Staatsanwaltschaft eine Webseite entwickelt hat, auf der die angeblich kostenlosen Weissagungen angeboten wurden. Nutzer, die die Seite anklickten, erhielten jedoch Rechnungen über jeweils 59 Euro. In rund 25 000 Fällen überwiesen sie brav insgesamt rund zwei Millionen Euro.

Bereits im vergangenen Jahr mussten sich mehrere Mitangeklagte deswegen vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Sie wurden zu Bewährungsstrafen von bis zu 22 Monaten verurteilt. Der 31-jährige mutmaßliche Haupttäter war während dieses Strafverfahrens jedoch im Ausland. Erst im Juni dieses Jahres streckte die Justiz ihre Fühler in Richtung USA aus – und erreichte per Haftbefehl die Festnahme des „Weissagers“. Er wurde nach mehrmonatiger Auslieferungshaft im Oktober schließlich nach Deutschland ausgeliefert.

Gestern nun startete der Prozess gegen dieses Orakel vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes. Vor dem Sitzungssaal konnte man sich in Anbetracht der anberaumten 17 Verhandlungstage bis Mitte Mai ein ungefähres Bild davon machen, was in den kommenden Monaten auf die Richter und die Staatsanwaltschaft zukommen wird.

Auch die drei umfangreichen Befangenheitsanträge der Verteidiger zum Verhandlungsbeginn nährten die Befürchtung, dass der Prozess nicht ohne Konflikte über die Bühne gehen wird. So beschwerte sich der Rechtsanwalt, dass sein Mandant, der zeitweise auch in Kuala Lumpur (Malaysia) lebte, keine Anklageschrift erhalten habe. Der Haftbefehl sei ebenfalls nicht wie erwünscht aufgehoben worden. „Diese Verhandlung ist ein unwürdiges Theaterstück“, zeterte der Anwalt – obwohl noch nicht einmal die Anklage verlesen worden war. Dann zitierte er Franz Kafkas „Process“, ehe er drei dicke Schriftsätze ans Richterkollegium und den Staatsanwalt überreichte.

Obwohl ihnen also „völlige Gleichgültigkeit“ und „notorische Schmallippigkeit“ attestiert worden war, ließen sich die Richter die Laune nicht verderben. Sie wünschten bis zum nächsten Verhandlungstag am 10. Januar eine gute Zeit und sagten: „Auf Wiedersehen – wenn wir denn dann noch zuständig sein sollten“. Sollte dies der Fall sein, wird an diesem Tag die Anklageschrift verlesen werden.

(ge)
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