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Hells Angels: Ist der Rockerkrieg in Frankfurt abgewendet?

Von Nach den Schüssen vor dem Katana-Club und einem internationalen Schiedsspruch scheint sich der Konflikt zwischen traditionellen und türkischen Hells Angels entspannt zu haben. Die Sicherheitsbehörden behalten die Szene trotzdem im Blick.
Nach den Schüssen am Katana-Club vor einem Jahr sicherten Polizisten die Spuren, Beobachter der Szene fürchteten einen Rockerkrieg am Main. 	F: Kammerer Foto: Kammerer, Bernd (.) Nach den Schüssen am Katana-Club vor einem Jahr sicherten Polizisten die Spuren, Beobachter der Szene fürchteten einen Rockerkrieg am Main. F: Kammerer
Frankfurt. 

Nach der blutigen Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Hells Angels vor dem Katana-Club am 2. Juli 2014 befürchteten Insider und Beobachter der Szene einen Rockerkrieg in Frankfurt und der Region. Traditionelle Hells Angels des früheren Charters „Westend“ standen türkischen Höllenengeln aus dem Gießener Raum gegenüber. Der Eskalation im Bankenviertel, bei der insgesamt fünf Rocker verletzt wurden, folgten Machtdemonstrationen des türkischen Lagers – zum Beispiel Rundfahrten durch das Bahnhofsviertel, das ureigene Territorium der Traditionalisten.

Jetzt, ein gutes Jahr später, scheint sich die Situation etwas entspannt zu haben. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen sind hochrangige Hells Angels aus Deutschland und anderen Ländern Anfang Juni zu einem internationalen Treffen nach Griechenland gereist. Bei dem „World Officers Meeting“ sei auch über die Spannungen zwischen den traditionellen und türkischen Hells Angels in Deutschland diskutiert worden. Am Ende habe es einen Schiedsspruch gegeben, der dem türkischen Lager die Gründung einzelner Charter (Clubs) zugesteht – eine Entscheidung, die bei den deutschen Traditionalisten zwar mit einem Murren aufgenommen wurde, offenbar aber respektiert wird.

 

Streit über Gießener Charter

 

Die Frage nach der Gründung eines türkisch geprägten Charters spielte auch im Konflikt zwischen dem mächtigen Frankfurter „Westend“-Chef Walter B. und dem Türken Aygün M. eine wesentliche Rolle: Aygün M., der die Frankfurter Höllenengel als Chef der Organisation „Brigade 81“ unterstützte, meldete eigene Ansprüche an und wollte ein Charter in Gießen gründen. Das verbot der als „Schnitzel-Walter“ bekannte, über Frankfurt hinaus einflussreiche „Westend“-Boss aber. Er gab Aygün M. den Laufpass und sorgte dafür, dass der Türke seine Türsteheraufträge – unter anderem für den Katana-Club – verlor. Aygün M. fuhr danach mit Dutzenden Mitstreitern ins Bankenviertel, um sich zu rächen. Das Ende vom Lied waren die Schlägerei und die Schüsse vor dem Katana-Club.

Nach der Auseinandersetzung gründete Aygün M. mit Unterstützung eines türkisch geprägten Hells-Angels-Charters aus Luxemburg trotzig einen deutschen Ableger in Gießen. Das neue „Charter G-Town Luxembourg Turkey“ musste „Schnitzel-Walter“ und seinen Höllenengeln als Provokation erscheinen. Infolge des internationalen Schiedsspruchs wurde es dem Vernehmen nach in „Hells Angels Charter Gießen“ umbenannt und von einem Luxemburger Charter in ein deutsches umgewandelt.

Die traditionellen Hells Angels aus Deutschland haben in der Vergangenheit versucht, die Bedeutung der türkischen Rocker herunterzuspielen. Die jüngsten Vorgänge zeigen aber, dass diese auf internationaler Ebene durchaus Fürsprecher haben. Das dürfte auch am Einfluss des mächtigen Türken Neco Arabaci liegen, der als „Pate von Köln“ galt, zu einer Haftstrafe verurteilt und in die Türkei abgeschoben wurde. Arabaci, so heißt es, steuere aus der Heimat die Aktivitäten der türkischen Höllenengel in Deutschland. Deren Macht dürfte nach der Erlaubnis zur Gründung einzelner Charter weiterwachsen.

 

Neue türkische Gruppen

 

Zumal die Sicherheitsbehörden inzwischen auch neugegründete türkische Organisationen mit Hells-Angels-Bezug beobachten. In Frankfurt ist das etwa der Boxclub „Osmanen“, der schon zwei Ableger hat: „Germania“ und „Frankfurt“. Die Boxer tragen Kutten, die denen der Hells Angels ähneln. Im Internet finden sich Texte und Bilder, die für freundschaftliche Verbindungen der „Osmanen Germania“ zu Aygün M. und dessen Mitstreitern sprechen. Die Behörden vermuten außerdem eine Nähe zwischen den Hells Angels und einem neugegründeten Frankfurter „Fight Club“, dem vor allem Afghanen angehören.

 

Sieben Clubs in Hessen

 

In Hessen gibt es derzeit sieben Hells-Angels-Charter. Nach dem Verbot der beiden früheren Frankfurter Clubs – „Westend“ und „Frankfurt“ – entstanden im Rhein-Main-Gebiet neue Ableger, unter anderem das „Charter Westcity“ in der Mainmetropole. Die Sicherheitsbehörden prüfen, ob die Neugründungen als illegale Ersatzorganisationen eingestuft werden können. Ein Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts (LKA) sagte auf Nachfrage, dass man die Szene auch nach dem internationalen Schiedsspruch verstärkt im Blick behalte. „Hinsichtlich der polizeilichen Maßnahmen werden wir nicht nachlassen.“ Das LKA sei sich der Tatsache bewusst, dass sich die Auseinandersetzungen auch in einer Situation relativer Ruhe jederzeit wieder entzünden können.

Die Hells Angels werden immer wieder mit Drogen-, Waffen- und Menschenhandel und anderen Straftaten in Verbindung gebracht. In Frankfurt arbeiten Mitglieder des Motorradclubs als Bordellbetreiber, Wirtschafter und Türsteher im Rotlichtviertel.

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