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Gelbes Kraut lässt Reiter rotsehen: Jakobskreuz kann für Pferde und Rinder tödlich sein

Immer öfter leuchten an Straßenrändern und auf Wiesen in der Region gelb blühende Pflanzen hervor: das Jakobskreuzkraut. Diese Farbtupfer sehen allerdings nicht alle gern. Vor allem Pferdehalter sind in Sorge.
Schön anzusehen, aber Gift für die Pferde: Jakobskreuzkraut. Anne Wölert hat ihm auf ihren Koppeln der Kampf angesagt. Foto: Maik Reuß Schön anzusehen, aber Gift für die Pferde: Jakobskreuzkraut. Anne Wölert hat ihm auf ihren Koppeln der Kampf angesagt.
Schwanheim. 

Mit seinen sonnengelben, filigranen Blüten bietet das Jakobskreuzkraut einen hübschen Anblick. Trotzdem sind Landwirte und Pferdehalter alles andere als erfreut, wenn sie die Pflanze auf ihren Wiesen und Weiden erspähen. Denn sie enthält Giftstoffe, die sich in der Leber anreichern und sie schädigen. Vor allem diejenige von Pferden und Rindern. Im schlimmsten Fall ist die Pflanze tödlich.

„Das Jakobskreuzkraut ist die Pest für jeden Tierhalter“, sagt Anne Wölert, die auf dem Schwanenhof in Schwanheim eine Reitschule für klassisch barocke Reiterei betreibt. „Wir haben es hier en masse, auch an Straßenrändern und am Main-Ufer. Die letzten fünf bis sechs Jahre ist das immer schlimmer geworden.“ Obwohl sie und ihre fünf Mitarbeiter die Giftpflanze auf den 22 Koppeln so gut wie möglich bekämpfen. Ein- bis zweimal im Jahr reißen sie das Jakobskreuzkraut dort aus. Eine lästige und vor allem zeitraubende Arbeit: „Für jede Koppel dauert das mindestens eine Stunde.“ Zwar könnte sie gegen die ungeliebten Pflanzen auch Herbizide einsetzen. Doch das lehnt Anne Wölert ab: „Da treibt man Gift mit Gift aus.“

An Bahndämmen kann es ungestört wuchern

Das Jakobskreuzkraut, auch als Jakobsgreiskraut bekannt, ist eine zweijährige Pflanze, die hauptsächlich in der Zeit zwischen Juni und September blüht.

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Normalerweise machen die Tiere um das gelbblühende Gewächs einen Bogen. „Wenn sie anderes Futter haben, fressen sie drumrum“, hat die Reitschul-Betreiberin beobachtet. „Aber wenn das im Heu ist, dann können sie das nicht mehr unterscheiden. Da fressen sie es mit.“ Inzwischen könne kaum noch ein Landwirt gewährleisten, dass sein Heu frei von Jakobskreuzkraut sei, sagt Anne Wölert: „Ich glaube nicht, dass es einen Lieferanten aus der Umgebung gibt, der das garantieren kann.“

Mit Sorge berichtet sie von Untersuchungsergebnissen des Tierarztes. Schon mehrmals habe dieser bei den rund 60 Pferden auf dem Schwanenhof schlechte Leberwerte festgestellt. Ob die Giftpflanze die Ursache dafür ist? Beweise dafür hat sie nicht.

Auch Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt, spricht in Zusammenhang mit der Blühpflanze von einem „virulenten Problem, das größer wird“. Vor allem an Straßenrändern und Bahndämmen, aber auch auf Brachflächen leuchten die gelben Blüten hervor, aber auch aus Wiesen, die wenig gemäht werden. Auf intensiv genutzten Weiden, auf denen die Mähmaschinen drei- bis viermal pro Jahr unterwegs sind, habe man mit dem Jakobskreuzkraut dagegen kaum Probleme, sagt Dangel.

Dichtes Gras hilft

„Wenn das Gras dicht steht, kommt das gar nicht zur Geltung“, bestätigt Stephan Cornel, auf dessen Hof in Kalbach 65 Pensions-Pferde stehen. Bisher habe er mit der Giftpflanze kaum Probleme, sagt Cornel. Damit das so bleibt, achtet er unter anderem darauf, dass seine Koppeln nicht zu tief abgefressen werden.

Ähnlich hält es Willi Lemp, auf dessen Hof in Berkersheim rund 20 Pensionspferde untergebracht sind. Auf seinen zehn Hektar Wiesen, die zweimal pro Jahr gemäht werden, sehe er nur vereinzelt Exemplare der Giftpflanze, berichtet er: „Und die reißen wir raus.“ Überhaupt sei die Panik übertrieben, findet Lemp: „Nicht alles, was gelb blüht, ist Jakobskreuzkraut.“ Tatsächlich wird es öfters mit anderen gelb blühenden Pflanzen verwechselt, etwas mit dem Johanniskraut, dem Habichtskraut und dem Rainfarn.

Auch auf den Grünflächen im Stadtgebiet trifft man das Gewächs bisher kaum an. „Wir machen auf unseren Flächen regelmäßige gärtnerische Pflege, da kommt das Jakobskreuzkraut gar nicht bis zur Samenreife“, sagt Bernd Roser, Abteilungsleiter für Grünflächenunterhalt im städtischen Grünflächenamt.

Preis-Explosion

Linda von Nordheim, die einen Reiterhof in Oberrad betreibt, ist vom Jakobskreuzkraut bisher ebenfalls verschont geblieben. „Das größere Problem sei der Mangel an Heu durch die lange Trockenheit. Die Folge: eine Preis-Explosion. Statt 110 Euro koste eine Tonne Heu inzwischen 250 Euro. „Deshalb sind immer mehr Halter gezwungen, verunreinigtes Heu zu kaufen.“ Von Jakobskreuzkraut in Heu und Silage will Florian Dangel hingegen nichts wissen. Er betont vielmehr, dass penibel auf die Qualität geachtet werde: „Unsere Landwirte haben da absolut ein Auge darauf, damit das Futter höchsten Standards entspricht.“

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