E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C
2 Kommentare

OB-Wahl: Janine Wissler (Linke) stellt ihre Wahlkampagne vor

Von Die Linke zieht erneut mit Janine Wissler als Kandidatin in den Kampf um die Oberbürgermeister-Wahl. Sie gilt als schlagkräftige Politikerin – dagegen kommt ihre Kampagne fast zu zaghaft daher.
Allgegenwärtig: Linken-Kandidatin Janine Wissler gestern vor ihren Plakaten. Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Allgegenwärtig: Linken-Kandidatin Janine Wissler gestern vor ihren Plakaten.
Frankfurt. 

Der erste Monat des neuen Jahres ist schon halb verlebt, die Wahl zum Frankfurter Oberbürgermeister rückt in großen Schritten näher. Höchste Zeit für Janine Wissler, ihre Botschaft unters Volk zu bringen.

Die Vorsitzende der Linken-Fraktion im hessischen Landtag geht erneut ins Rennen um den Chefposten im Römer. Bei ihrem letzten Anlauf im Jahr 2012 konnte sie nur 3,8 Prozent der Wählerstimmen holen. Dieses Mal soll alles anders werden.

Am Mittwoch lud die Partei die Medienvertreter in ihr Büro am Allerheiligentor, wo die Innenstadt das Ostend küsst. Dort wurden bei Kaffee und Keksen die Kernpunkte des Wahlprogramms und die Motive der Plakatkampagne offenbart. Die insgesamt sieben Hauptanliegen der Kampagne um die OB-Anwärterin Wissler zielen auf eine zentrale, wenn auch nicht neue Frage: „Wem gehört die Stadt?“. Wisslers Antwort: „Wir wollen eine Stadt für alle. Dieses Motto durchzieht alle relevanten Fragen.“ Offen bleibt, von welchen der politischen Akteuren Frankfurts sich die 36-Jährige damit nennenswert abhebt.

„Falsch genutzte Flächen“

Aber eins nach dem anderen. Auf dem dreiseitigen Papier, dass Wisslers Ziele für die anstehende Oberbürgermeisterwahl bündelt, steht das Thema Wohnpolitik an erster Stelle. „Wohnen ist zu wichtig, um es dem Markt zu überlassen“, so Wissler. Ihr als Wahl-Bockenheimerin stoßen besonders die Pläne für die Bebauung des ehemaligen AfE-Turm-Areals sauer auf. Wo einst Adorno und Marx gelehrt wurden, sind nun ein Vier-Sterne-Hotel und 300 Exklusiv-Wohnungen nebst einer Hundewaschstraße vorgesehen. „Die Flächen, die der Stadt gehören und frei werden, werden vollkommen falsch genutzt“, so Wissler.

Karte Entscheiden diese Stadtteile die Frankfurter OB-Wahl 2018?

Alle Frankfurter sind zur Wahl des Oberbürgermeisters aufgerufen - aber nicht alle gehen hin. Ein Blick auf die Wahl 2012 zeigt: Manche Stadtteile reden stärker mit, andere weniger.

clearing

Aber was tun? Wissler schlägt vor, den Anteil des von der ABG vorgesehenen geförderten Wohnbaus zu verdoppeln – von 40 auf satte 80 Prozent. „Die Aufgabe der ABG ist es nicht, teuren Wohnraum zu schaffen. Das machen schon die anderen.“ Als dann in der Gesprächsrunde das Stichwort Ghettoisierung fällt, winkt Michael Müller, Landespressesprecher der Linken, ab. „Gut die Hälfte der Frankfurter Bürger hat Anspruch auf eine Sozialwohnung. Das ist eine derart heterogene Masse, dass dieses Argument nicht greifen kann“, so Müller.

ÖPNV fast zum Nulltarif

Das hehre Vorhaben in puncto Wohnraum steht neben fünf kleineren Positionen, die nicht sonderlich in Kontrast mit den Programmen der übrigen, großen Parteien stehen. Schulen sanieren, gute Arbeit besser entlohnen, klare Kante gegen Rechts, mehr soziale Gerechtigkeit, weniger Fluglärm – das sind Punkte, die in den gegenwärtigen Debatten allenfalls im „Wie“, selten aber im „Ob“ variieren.

Lediglich beim Thema Nahverkehr holt Wissler noch mal etwas weiter aus. Sie fordert eine umfassende Verkehrswende und ist überzeugt, dass eine Fahrpreissenkung bis zum Nulltarif möglich ist. „Wir wollen einen ganz anderen Ansatz zur Finanzierung des ÖPNV“, so Wissler. Aktuell setzt sich diese zu einem Teil aus Steuergeldern, zum anderen Teil aus dem Fahrkartenverkauf zusammen. Wisslers Vision ist eine Umverteilung der Beiträge auf Unternehmen zusätzlich zu sozial gestaffelten Beiträgen aus den Taschen der Bürger. Besonders die vielen Pendler hat Wissler mit ihrer Vision im Blick. Ihnen soll ein kostenneutrales Nahverkehrsangebot den Verzicht aufs Auto erleichtern. Das setze natürlich voraus, so Wissler, dass man bei der Entwicklung des Streckennetzes das Umland nicht abhängt.

Janine Wissler tritt an für „Menschen, die mit der gegenwärtigen Politik unzufrieden sind“. Mit ihrer Kandidatur will sie vor allem zeigen, „dass es eine Alternative zur etablierten Stadtpolitik gibt“. Dass sie es mit ihrer Kandidatur ernst meint, wurde deutlich. Bloß beim „Wie“ blieb sie vorerst zu zaghaft.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen