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Ex-Prostituierte soll Polinnen zum Anschaffen gezwungen haben: Jetzt wird's ernst: Prozess gegen "Schwesta Ewa" beginnt

Von Zuhälterei, Menschenhandel, Körperverletzung und Steuerhinterziehung: Die Liste der Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft gegen die Frankfurter Rapperin „Schwesta Ewa“ ist lang und gravierend. Am Donnerstag beginnt vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts der Prozess gegen die 32-Jährige.
"Schwesta Ewa" (rechts) umgab sich auch bei ihren Auftritten als Rapperin mit leicht bekleideten Frauen. Foto: Boris Roessler (dpa) "Schwesta Ewa" (rechts) umgab sich auch bei ihren Auftritten als Rapperin mit leicht bekleideten Frauen.
Frankfurt.  Frankfurt. Früher ging die aus dem polnischen Koszalin (Köslin) stammende Sängerin wohl selber der Prostitution nach. Die Erfahrungen, die sie dabei machte, arbeitete sie später in ihren Rap-Texten auf. Dabei erweckte sie jedoch nur oberflächlich den Eindruck, als habe sie sich aus der Rotlichtszene verabschiedet und reflektiere nun kritisch die eigene Vergangenheit. Der Anklage zufolge steckte „Schwesta Ewa“, die bürgerlich Ewa Müller heißt, noch bis November 2016 tiefer im zweifelhaften Milieu als je zuvor. Damals machte eine konzertierte Aktion der Kriminalpolizei ihrem mutmaßlich kriminellen Treiben ein schnelles Ende. Mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften wurden in mehreren Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet, in Bayern und Nordrhein-Westfalen Haussuchungen gemacht. „Schwesta Ewa“ wurde in Handschellen gelegt und kam in Untersuchungshaft. Bei ihr gingen die Behörden offenbar von Fluchtgefahr aus. Auch andere Verdächtige waren betroffen.

Vier minderjährige Frauen

Die Anklagevorwürfe: Die frühere Prostituierte soll seit November 2015 vier teilweise noch minderjährige Frauen aus ihrer polnischen Heimat zur Prostitution angehalten haben. Sie übernahm die Kosten für Essen, Kleidung, Kosmetika und Benzin für die Frauen und machte sie damit wirtschaftlich abhängig. Jetzt hatte die Rapperin – so die Anklage – leichtes Spiel: Das Geld müsse abgearbeitet werden – im Bordell. In diesem Zusammenhang kursierte im Internet sogar ein Foto einer jungen Frau, die „Schwesta Ewa“ als „bestes Pferd im Stall“ bezeichnete. Ob derlei Veröffentlichungen eventuell nur niveaulose Geschmacklosigkeiten sein können, wird der Prozess zeigen. Der Anklage zufolge war die Sängerin, die seit 2012 auftrat und mit einem ihrer Plattenalben („Kurwa“, zu deutsch „Hure“) offenbar auch erfolgreich war, im Umgang mit ihren Untergebenen nicht zimperlich. Der Vorwurf der Körperverletzung bezieht sich auf Schläge gegen die Frauen, die sich offenbar ihren Anweisungen widersetzten.

Kleine Bar

Der Vorwurf, die Einnahmen aus ihrer Tätigkeit im Rotlichtmilieu und in der Gastronomie – die Angeklagte betrieb in Frankfurt eine kleine Bar – nicht wie vorgeschrieben dem Finanzamt gemeldet und damit Steuerhinterziehung begangen zu haben, nimmt den kleineren Teil der Anklagevorwürfe ein. Gleichwohl hatte dieses Detail die Änderung gerichtlicher Zuständigkeiten zur Folge. Nun ist nicht mehr eine „normale“ Strafkammer mit der Sache befasst, sondern eine der fünf Wirtschaftsstrafkammern des Gerichts, die von Donnerstag an unter Leitung von Richter Martin Bach mit zwei weiteren Berufsrichtern und Schöffen tagen wird. Richter Bach, der in der Vergangenheit schon wesentlich kompliziertere Fälle vergleichsweise zügig zum Ende bringen konnte, ist ausweislich seiner Terminierung auch bei „Schwesta Ewa“ zuversichtlich: Vier Verhandlungstage sollen bereits am 20. Juni zu einem Urteil führen.

Am Donnerstag wird jedenfalls mit viel Betrieb beim Prozessauftakt gerechnet. Man verhandelt im großen Sitzungssaal im Erdgeschoss des Gebäudes E. Neben dem üblichen Rummel mit Fotografen und Kameraleuten wird sicherlich auch der eine oder andere Fan der Rapper-Hure „Kurwa“ im Zuschauerraum Platz nehmen.
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