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Jogger tritt Welpen tot

Ein Tritt, und das Schicksal der kleinen Dina war besiegelt: Auf einem Feldweg am Zeilsheimer Bahnhof wurde der Welpe von einem Jogger so schwer verletzt, dass er wenig später in einer Tierklinik starb. Der Täter, ein professionell gekleideter Jogger, konnte unerkannt flüchten.
Aufgeweckt blickte die kleine Dina in die Kamera. 	Foto: privat Aufgeweckt blickte die kleine Dina in die Kamera. Foto: privat
Zeilsheim. 

Fröhlich und ausgelassen spielt die kleine Mischlingshündin Dina auf einem Feldweg unweit der Schrebergärten mit ihrem vierbeinigen Freund Keyv. Neugierig erkundet sie das unbekannte Terrain, denn die Hundedame ist erst am vergangenen Samstag von der spanischen Ferieninsel Gran Canaria nach Frankfurt geflogen worden. Hier sollte für sie ein schönes und vor allem sicheres Leben beginnen. Doch der erst vier Monate alte Welpe hat den morgendlichen Spaziergang am Mittwoch nicht überlebt. Ein Jogger, der sich gegen 11.30 Uhr auf dem Feldweg am S-Bahn-Halt Zeilsheim befand, soll plötzlich durch die spielenden Hunde gelaufen sein und die kleine Dina mit voller Wucht gegen den Kopf getreten haben. Nur wenige Stunden später erliegt die Yorkie-Mischlingshündin in der Hofheimer Tierklinik ihren schweren Verletzungen, einem Schädelbruch und einer Hirnblutung.

 

Zu schwach für OP

 

An dieser Ecke auf dem Zeilsheimer Feldweg attackierte der unbekannte Jogger die kleine Dina. Pflegefrauchen Tamara Gelbke ist noch immer fassungslos, und ihr Hund Keyv vermisst seine Spielkameradin. Foto: göc Bild-Zoom
An dieser Ecke auf dem Zeilsheimer Feldweg attackierte der unbekannte Jogger die kleine Dina. Pflegefrauchen Tamara Gelbke ist noch immer fassungslos, und ihr Hund Keyv vermisst seine Spielkameradin. Foto: göc

Pflegefrauchen Tamara Gelbke ist auch einen Tag nach der Tat noch immer völlig fassungslos: Die 21-Jährige kämpft mit den Tränen, als sie im Gespräch mit unserer Zeitung die Geschehnisse schildert. „Ich habe für die Hunde nach ihrem Ball gesucht, als aus dem Nichts dieser Jogger auftauchte und Dina einen solch heftigen Tritt verpasste, dass sie durch die Luft flog.“ Ihr Freund Sascha, der mit ihr unterwegs war, habe dem Jogger hinterhergerufen, er solle sofort stehen bleiben. Der 25-Jährige habe sogar noch die Verfolgung aufgenommen, doch der Vorsprung des Unbekannten sei zu groß gewesen. Der Jogger war nicht mehr einzuholen, hatte sogar noch seinen Schritt beschleunigt, wie das junge Paar sagt. Der Unbekannte sei schließlich auf dem Feldweg in Richtung der Jahrhunderthalle und der neuen Feuerwache verschwunden.

Laut wimmernd habe die kleine Hündin Dina indes versucht, sich wieder aufzurichten, doch habe sie sich nicht halten können, erzählt die sichtlich geschockte Altenpflegehelferin. Mit dem verletzten Tier zu Hause angekommen, habe sie sofort bei verschiedenen Tierärzten angerufen, während die kleine Dina immer wieder kollabiert sei. Schließlich sei sie mit Freund Sascha in die Hofheimer Tierklinik gerast, wo man die Dramatik der Situation sofort erkannte. „Die haben mir Dina sofort aus der Hand gerissen.“ Ein Röntgenbild der Wirbelsäule zeigt zunächst, dass diese unverletzt geblieben ist. Eigentlich eine gute Nachricht, doch die Hündin baut zusehends ab. Tamara und Sascha fahren zurück nach Zeilsheim, um dort auf Nachrichten aus der Klinik zu warten. „Ich habe Dina noch einmal gestreichelt, und dann sind wir gefahren“, erinnert sich Gelbke.

Wenige Stunden später übermittelt Tierärztin Dr. Beate Köhler aus Hofheim telefonisch die schreckliche Nachricht: Dina konnte nicht gerettet werden, sie war zu schwach für eine Operation. Tamara hat den schrecklichen Befund der tödlichen Verletzungen schwarz auf weiß bekommen.

 

Aus Spanien gerettet

 

Dina wurde nur vier Monate alt und gehörte eigentlich gar nicht Tamara, die seit vergangenem Samstag nur als Pflegefrauchen im Einsatz für sie war, während die tatsächliche Besitzerin Carolin Fertig noch auf Gran Canaria ist. Die 24 Jahre alte Odenwälderin Carolin Fertig hat zwar bereits zwei Hunde, hatte sich aber sofort in die kleine Dina verliebt und wollte sie selbst behalten und nicht weitervermitteln. Gerettet aus dem von der Wirtschaftskrise geschüttelten Spanien, wo das Geld knapp ist und es den Tieren auf der Straße oder in Tierheimen noch schlechter geht als den Menschen, sollte Dina in Deutschland eine schöne und sichere Zukunft haben. „Ich habe mich so sehr auf das Leben mit Dina gefreut“, sagt die erschütterte Tierschützerin Carolin Fertig im Gespräch mit dem Kreisblatt.

Heute werden Tamara und Sascha den brutalen Vorfall bei der Polizei zur Anzeige bringen - in der Hoffnung, dass der brutale Täter ermittelt werden kann. Die 21-Jährige kann den unbekannten Jogger gut beschreiben: Er soll etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß und sehr sportlich sein. „Er hat kurze schwarze Haare, trug eine Windschutz-Sportbrille, einen schwarzen, eng anliegenden Jogginganzug mit blauen Streifen an den Seiten und eine dazu passende Jacke mit hoch gekrempelten Ärmeln. Ich habe gesehen, dass er einen eher dunkleren Teint und ausgeprägte Armbehaarung hatte.“ Er habe nicht wie ein Gelegenheitsjogger gewirkt, da ist sich Tamara Gelbke sicher, sondern sei sehr trainiert und professionell gekleidet gewesen, wie ein Profisportler. „Welche Wucht muss der Tritt gehabt haben, dass er der armen Dina den Schädel gebrochen hat. Sie war so ein freundlicher kleiner Hund, der so lieb auf Menschen zu ging. Dinas Leben hatte doch gerade erst angefangen.“

 

Vielleicht gesehen

 

Zusammen mit anderen Tierschützern will Tamara darum kämpfen, dass der Unbekannte identifiziert wird. Vielleicht, so hofft sie, hat ihn irgendjemand gesehen, als er in Richtung Jahrhunderthalle weiterjoggte, und kann bei der Polizei Angaben machen. Auch im Internet ist die Anteilnahme am Schicksal des kleinen Welpen groß. In verschiedenen Foren für Hundebesitzer wird über den Fall berichtet, und auch auf Carolin Fertigs Facebook-Seite ist der Vorfall natürlich Thema. Ihr Eintrag, in dem sie schildert, was passiert ist, und mit dem sie helfen will, den bislang unbekannten Täter zu fassen, wurde bis gestern Abend mehr als 40 mal von anderen Nutzern des Netzwerks kommentiert und mehr als 4500 mal geteilt und so im Internet verteilt.

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