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Jüdische Geschichte im Netz

Ein Internetportal soll die jüdische Geschichte in Hessen vor dem Vergessen bewahren. Fotos geben Einblick in den Alltag, bevor das Nazireich diese Welt für immer zerstörte.
Frankfurt. 

4000 Aufnahmen haben die Organisatoren von www.vor-dem-holocaust.de bereits gesammelt. Doch sie suchen weiter nach Fotos, die den Alltag der fast vierhundert jüdischen Gemeinden dokumentieren, die vor dem Holocaust im Gebiet des heutigen Hessen existierten.

Eine solche Sammlung gebe es in keinem anderen Bundesland, betont das Frankfurter Fritz-Bauer-Institut zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. "Die Fotos sind ein einzigartiger Fundus zur Erinnerung an eine komplexe kulturelle Lebenswelt in Hessen, die durch die nationalsozialistische Verfolgung ausgelöscht wurde."

Das Portal ging im April online, vor drei Jahren entstand die Idee, vor zwei Jahren begann die Jagd nach Bildern. Die meisten Fotos wurden von ausgewanderten jüdischen Familien zur Verfügung gestellt, die heute vor allem in den USA und Israel leben. Auch Bilder, die Heimatforscher in hessischen Ortschaften gesammelt hatten, flossen ein.

"Uns war wichtig, dass jede Person auf einem Foto einen Ort und einen Namen hat", erklärt Projektmitarbeiterin Claudia Willms. "Das Thema Holocaust soll weg von den anonymen Opfermassen". Das Portal soll daher vor allem für den Schulunterricht genutzt werden, um "einen anderen Blick auf jüdische Geschichte und den Holocaust zu werfen".

Die Sammlung zeigt das private wie das öffentliche Leben der jüdischen Deutschen: Das Album der Familie Scheuer in Heldenbergen endet mit einem "Abschiedsfoto vor der Auswanderung", Familie Halberstadt in Nieder-Mockstadt stellte Soldaten im ersten Weltkrieg und war stolz auf ihr Backsteinhaus, Milli Goldschmidt aus Altenstadt studierte Medizin, das Album der Familie Königsthal aus Karlshafen schließt mit "wiedervereint in Palästina 1938". Die Bilder können im Netz auf zwei Wegen erschlossen werden: Über eine Themen-Suche und über die Orte auf einer Hessen-Karte.

Einblicke in die besseren Kreise gewinnt man beim Betrachten von Fotos der Wohnung der Familie Rothschild in Frankfurt. Ganze Fotoserien gibt es über die Fabriken wie die "Lederwerke J. Mayer & Sohn" in Offenbach, Musikgruppen wie "Fritz Manfred Kuttner Tanzkapelle" in Frankfurt oder den Bau und die Einweihung von Synagogen, jüdischen Schulen oder Waisenhäusern. Zu den ältesten Bildern zählen Familienporträts vor 1900. Später schlagen sich die Drangsale des 3. Reiches nieder. Auf den Fotos der 30er Jahre schauen die Menschen immer sehr ernst, auch wenn bei fröhlichen Anlässen fotografiert wurde.lhe

(lhe)
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