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Jürgen Harder zeigt sich reumütig

Von Im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ hat der Projektentwickler Jürgen Harder gestanden, zumindest eine Ahnung von den vereinbarten Schmiergeldzahlungen an einen Fraport-Mitarbeiter gehabt zu haben. Harders Geschäftspartner Kai B. legte ein umfassendes Geständnis ab. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages gab es Wirbel um Ardi Goldman.
Jürgen Harder will nicht auf Fotos aus dem Gerichtssaal zu sehen sein. Dieses Archivbild zeigt ihn mit seiner Lebensgefährtin Franziska van Almsick.	Fotos: dpa/kam Bilder > Jürgen Harder will nicht auf Fotos aus dem Gerichtssaal zu sehen sein. Dieses Archivbild zeigt ihn mit seiner Lebensgefährtin Franziska van Almsick. Fotos: dpa/kam
Frankfurt. 

Der zweite Tag im Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ am Frankfurter Landgericht begann mit einer Überraschung: Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard verkündete, dass der angeklagte Makler Uwe S. der Staatsanwaltschaft am Dienstag eine Ergänzung zu seiner Stellungnahme am ersten Verhandlungstag habe zukommen lassen. In dem Papier, das später verlesen wurde, ist von Versuchen des ebenfalls angeklagten Investors Ardi Goldman die Rede, Einfluss auf den Makler zu nehmen, der ihn zuvor belastet hatte. Sollte es diese Versuche wirklich gegeben haben, hätte sich Goldman über die Kontaktsperre hinweggesetzt, die wegen des Ermittlungsverfahrens galt.

Richter Erhard sagte, dass die Staatsanwaltschaft infolge der ergänzenden Stellungnahme ermittle. Es habe Durchsuchungen und Vernehmungen gegeben. Dabei sei es um die Frage gegangen, ob es Treffen, die in der Stellungnahme erwähnt werden, tatsächlich gegeben habe. Erhard sagte, dass sich die 12. Strafkammer „ernsthaft Gedanken gemacht“ habe, gegen Goldman und den Makler Haftbefehle wegen Verdunkelungsgefahr zu erlassen. Obwohl es sich um Vorgänge handele, „die durchaus relevant sein mögen“, sehe man dafür aber keinen Anlass. Auch entsprechende Haftanträge der Staatsanwaltschaft lägen nicht vor.

 

Persönliche Treffen

 

In der ergänzenden Stellungnahme des Maklers Uwe S., die dessen Anwalt Uwe Lenhart verlas, ist davon die Rede, dass Goldman zunächst versuchte, telefonisch mit ihm, dem Makler, in Kontakt zu treten. Danach habe es auf Vermittlung gemeinsamer Bekannter zwei Treffen mit Goldman selbst und ein Treffen mit dessen Rechtsanwalt Christopher S. gegeben. Dieser soll gesagt haben, dass es doch „schön“ wäre, wenn der Makler den beschuldigten Goldman „aus alter Freundschaft“ entlasten könnte. Im Anschluss an die Stellungnahme kündigte der Richter an, die Beschäftigung mit diesen Vorgängen zugunsten weiterer Einlassungen der Angeklagten zurückzustellen.

In seiner mit Spannung erwarteten und selbst vorgetragenen Stellungnahme zeigte sich der prominente Projektentwickler Jürgen Harder – Lebensgefährte der Ex-Schwimmweltmeisterin Franziska van Almsick – reumütig. Er habe die Möglichkeit erkannt, dass ein Teil der mit dem Makler S. vereinbarten Provisionszahlungen als Schmiergeld an den Fraport-Abteilungsleiter Volker A. fließen sollten. Er habe davor aber „die Augen verschlossen“ und das Projekt in der „Cargo City Süd“ trotzdem weitergeführt. „Es war ein großer Fehler, mich auf das Geschäft einzulassen. Dieser Fehler tut mir leid, ich übernehme dafür die volle Verantwortung“, sagte der Projektentwickler.

 

Geschlossene Augen

 

Dass er sich über die Schmiergeldzahlungen 100-prozentig im Klaren war, äußerte Harder nicht. Dass der Makler und der Fraport-Mitarbeiter stets gemeinsam auftraten und offenbar eine enge Geschäftsbeziehung hatten, habe zwar ein „Störgefühl“ in ihm ausgelöst; zusammen mit seinem Geschäftspartner Kai B. habe er auch über mögliche Geldflüsse vom Makler an den Fraport-Mitarbeiter gesprochen. „Größere Erörterungen wollte ich aber nicht“, sagte Harder. Er habe sich davor „verschlossen“.

Zuvor hatte der ebenfalls angeklagte Kai B. in seiner eigenen, persönlich vorgetragenen Stellungnahme deutlich gemacht, dass ihm die Absicht von Schmiergeldzahlungen des Maklers an den Fraport-Mitarbeiter von Anfang an klar gewesen sei. Uwe S. und Volker A. seien so offensichtlich als Partner aufgetreten, dass es keinen Zweifel an ihrer Zusammenarbeit in diesem Punkt gegeben habe. Fraport-Mitarbeiter A. sei „das Nadelöhr“ gewesen, durch das man an einen Erbbaurechtsvertrag auf dem Gelände der „Cargo City Süd“ kommen konnte.

Kai B., der für das Projekt am Flughafen mit Jürgen Harder die Harder Lambda GmbH gründete, gestand auch, zwecks Abwicklung der Schmiergeldzahlungen den Mitarbeiter einer liechtensteinischen Firma ins Gespräch gebracht zu haben. Dieser sei ein Freund seines Vaters gewesen. Die Zahlungen mit Scheinrechnungen aus Liechtenstein zu verschleiern, nannte B. gestern eine „hirnrissige Idee“. „Es gibt keinen Zweifel, dass ich ein Verhalten an den Tag gelegt habe, das absolut inakzeptabel ist“, betonte B. am Ende seines umfassenden Geständnisses. „Mein Verhalten tut mit leid, ich bin mir meiner Verantwortung für mein Verhalten bewusst.“

Der Korruptionsprozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann wird sich voraussichtlich Ardi Goldman äußern, der alle Vorwürfe zurückweist. Der angeklagte Fraport-Abteilungsleiter hat bislang keine Stellungnahme in Aussicht gestellt.

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