Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 20°C

Für ein besseres Miteinander: Jugendliche drehen Film über das Kleine Zentrum

Von Die Anwohner rund um das kleine Zentrum in der Nordweststadt fühlen sich bedroht. Von den Jugendgruppen, die sich dort treffen. Den ersten Schritt für eine bessere Kommunikation soll ein Film machen, den der Jugendclub über das Viertel gedreht hat.
Eine Szene aus dem Film zeigt ein tägliches Bild: Die Jugendlichen treffen sich vor dem Jugendclub im Kleinen Zentrum. Eine Szene aus dem Film zeigt ein tägliches Bild: Die Jugendlichen treffen sich vor dem Jugendclub im Kleinen Zentrum.
Nordweststadt. 

Als im Saal das Licht ausgeht und die ersten Filmsequenzen über die Leinwand flimmern, wird es plötzlich ganz still im Foyer des Gemeindehauses der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Gespannt warten die Jugendlichen des Jugendclubs „Kleines Zentrum“ auf das Ergebnis ihrer Arbeit in den vergangenen zwei Monaten. Auf ihren Film „Der Nachbar“ über das Kleine Zentrum in der Nordweststadt.

30 Minuten lang ist das Video, das die neun Mädchen und Jungen zwischen 13 und 27 in den vergangenen zwei Monaten produziert haben. Bis vor einer Woche haben sie die einzelnen Sequenzen zusammengeschnitten, den Ton geregelt und Musik eingespielt. Teilweise bis spät in die Nacht. Entstanden ist ein Dokumentarfilm mit Interviews. Mit den Jugendlichen selber, aber auch mit den Menschen, die rund um das kleine Zentrum leben.

Kein guter Ruf

„Mit diesem Projekt wollten wir die Anwohner näher zusammenbringen und vor allem die fehlende Kommunikation zwischen Alt und Jung fördern. Die fehlt hier nämlich“, sagt Tarik Moufid, der die Filmidee hatte. Der angehende Sozialarbeiter absolviert sein Anerkennungsjahr im Jugendclub. Seit seinem Arbeitsbeginn im Juni ist ihm etwas aufgefallen: Die im Quartier lebenden Jugendlichen haben keinen guten Ruf. Vor allem nicht bei den alteingesessenen Bewohnern. „Viele fühlen sich gestört oder sogar bedroht. Kinder und Jugendliche, die in Gruppen auf der Straße oder im Zentrum abhängen, werden schief angeschaut“, berichtet der 34-Jährige.

Hauptproblem sei allerdings, dass die Menschen nicht miteinander sprechen, um diese Vorurteile aus dem Weg zu räumen. „Die Menschen laufen aneinander vorbei, statt miteinander zu reden“, sagt Moufid. Ein erster Anfang sollte ein Film werden, der den Anwohnern zeigt, dass ihr Bild von den Jugendlichen oft gar nicht der Realität entspricht. Die wiederum sollten mit dem Projekt ihr Selbstbewusstsein stärken. „Die Jugendlichen sollen stolz auf das sein, was sie sind und was sie mit dem Film geschaffen haben“, so Moufid.

Zuspruch für sein Projekt bekam der Sozialarbeiter nicht nur von der Leitung des Jugendclubs, sondern auch vom Träger. Für Barbara Weichler, Geschäftsführerin von Junularo Frankfurt, kann über diesen Weg begonnen werden, mit „den vielen Altlasten aus den vergangenen 30 Jahren in der Nordweststadt“ aufzuräumen. „Wenn irgendwo etwas passiert, eine Fensterscheibe zerstört wird oder Ecken verdreckt werden, wird die Schuld reflexartig bei den Jugendlichen gesucht. Das führt bei ihnen allerdings zu entsprechenden Gegenreaktionen, bis sich alle in einer Endlosschleife befinden“, beschreibt sie die Schwierigkeiten.

Spürbare Spannungen

Ein wirkliches Drehbuch gab es für den Film nicht, lediglich eine von Tarik Moufid angefertigte Projektskizze. Welche Ideen wie umgesetzt werden, lag letztlich in der Hand der Jugendlichen. Im Film sprechen sie mit Anwohnern, der Quartiermanagerin und einem Jazz-Musiker, der schon viele Jahre in der Nordweststadt lebt. Beim Projekt mitgearbeitet hat auch Karim, der seit drei Jahren in der Nähe des Kleinen Zentrums lebt. „Man spürt die Spannung zwischen den Menschen, viele alte Anwohner sind uns gegenüber sehr vorsichtig und zurückhaltend“, hofft er, dass der Film wirklich etwas bewegt.

Das ist auch die Erwartung der Anwohner, die zur Premiere gekommen sind. Etwa 15 ältere Menschen haben auf den Stühlen in der Gemeinde Platz genommen. Mit sicherem Abstand zu den Jugendlichen. Wie Henrik Verloop, der schon seit 60 Jahren in der Nordweststadt lebt und sich dort „sauwohl“ fühlt. Von Unsicherheit keine Spur. „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es hinaus. Solange ich den Jugendlichen mit Respekt begegne, solange werde ich auch vernünftig behandelt“, fährt der 79-Jährige eine klare Linie. Um etwas zu verändern, müsse man miteinander sprechen. „Anders funktioniert das nicht.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse