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Eigene Ideen einbringen: Jugendliche kritisieren die Nachverdichtung in der Siedlung

Von Die Nachverdichtungspläne der Wohnungsgesellschaft Vonovia in Westhausen stoßen jetzt auch bei den Jugendlichen auf Kritik – sie fürchten um ihre Spielflächen. Deswegen fordern die Kids vor allem eins: Sie wollen bei den Planungen mitreden.
Die ersten Bäume sind gefällt, Ende April werden am Westring drei neue Häuser gebaut. Das sorgt bei den Jugendlichen für Verdruss: Sie nutzen die Grünflächen in ihrer Freizeit. Foto: Heike Lyding Die ersten Bäume sind gefällt, Ende April werden am Westring drei neue Häuser gebaut. Das sorgt bei den Jugendlichen für Verdruss: Sie nutzen die Grünflächen in ihrer Freizeit.
Westhausen. 

Mit finsterer Miene stapfen Lena, Marc, Simon und die anderen Kinder über die Wiese am Westring. Sie schlängeln sich zwischen auf dem Boden liegenden Ästen und Baumstämmen hindurch, ihr Ball kommt heute sicher nicht mehr zum Einsatz. „Wo sollen wir denn hier noch spielen? Jetzt sind es die Baumstämme und in wenigen Monaten drei neue Häuser, die uns die freien Flächen rauben“, sagt die 15-jährige Lena und tritt frustriert gegen einen der Birkenstämme.

Zwölf Bäume hat die Wohnbaugesellschaft Vonovia in den vergangenen Tagen auf den Wiesen der Blockbebauung zwischen Westring, Stephan-Heise- und Ludwig-Landmann-Straße gefällt. Denn dort soll nachverdichtet werden. Drei Gebäude, jeweils drei Stockwerke hoch, mit insgesamt 36 Drei-bis Fünfzimmerwohnungen zwischen 75 und 113 Quadratmeter groß sind geplant. Plus 31 neue Parkplätze. Die Baugenehmigung wurde mittlerweile erteilt. Laufen die Grundstücks- und Bodenuntersuchungen glatten, sollen Ende April die ersten Module per Lastwagen angeliefert werden. Ende Oktober sollen die Häuser fertig sein.

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Dafür müssen die schweren Fahrzeuge den engen Weg durch die Kollwitzstraße nehmen – anders geht es in der Siedlung nicht. „Das bedeutet für uns viel Lärm und noch mehr Verkehr. Dabei ist bei uns doch ohnehin schon so viel los“, sagt der 14-jährige Marc, der wie viele der Jugendlichen in der Siedlung den Jugendtreff „Alte Bäckerei“, betreut vom Verein Saz-Rock, besucht. Dort haben sich die Kids zusammengesetzt und einen Offenen Brief formuliert, um die geplanten Nachverdichtung zu kritisieren – mit Unterstützung von Christoph Bochentin und Johannes Kunze, die als Sozialarbeiter und pädagogischer Mitarbeiter im Jugendtreff arbeiten und auch erst vor wenigen Wochen von den Plänen erfuhren. „Hätten wir früher davon gewusst, wären wir auch sicher eher aktiv geworden. Jetzt müssen wir retten, was noch zu retten ist“, sagen sie.

Ortsbeirat einbinden

Solidarisch mit den Kindern und Jugendlichen in Westhausen zeigt sich der Frankfurter Jugendring. „Wir wissen, dass ein drastischer Wohnungsmangel in Frankfurt herrscht. Aber es gibt immer weniger Plätze, auf denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten können“, macht Vanessa Lehr vom Vorstand der Jugendrings deutlich und fordert auch den zuständigen Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) auf, sich mit den Forderungen auseinanderzusetzen. An das Stadtteilgremium haben sich die Jugendlichen bereits gewandt, nun planen sie sogar in die nächste Sitzung zu kommen. „Wir wollen mitreden, was hier passiert. Wir hätten gerne einen Fußballplatz, eben auch etwas für die größeren Kinder. Ohnehin sollte sich die Vonovia zunächst einmal überlegen, die alten Wohnungen zu sanieren“, schlägt Lena vor.

Richtige Balance finden

Vonovia-Sprecherin Nina Henckel ist beeindruckt von dem Engagement der Jugendlichen und kann deren Befürchtungen nachvollziehen. „Wir nehmen ihr Anliegen sehr ernst. Wir werden kurzfristig ein Gespräch vereinbaren, denn natürlich sind wir offen für den Dialog“, sagt sie. Schließlich wolle man den Kindern in Quartier nichts wegnehmen. Im Gegenteil. Es würden drei zeitgemäße Spielbereiche entstehen. „Wir wollen auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen eingehen, haben aber auch ältere Mieter, auf deren Belange wir ebenfalls Rücksicht nehmen wollen. Wir bemühen uns um die richtige Balance“, so Henckel. Zudem werde derzeit eine mögliche Sanierung der Bestandgebäude geprüft.

Mit dieser Idee stößt die Vonovia bei den Heranwachsenden auf offene Ohren. „Wir haben viele Ideen gesammelt. Wenn wir gefragt werden, können wir ihnen viele Antworten geben“, versprechen Lena und ihre Freunde.

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