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Urteil: Jugendlichen müssen Urlaub in der Arrestzelle machen

Ein böses Ende nahm ein Junggesellinenabschied im Mai vergangenen Jahres. Die beiden jungen Männer, die das Partyvolk aus dem Saarland überfielen, wurden gestern vom Amtsgericht verurteilt.
Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/Archiv Die Statue Justizia.
Frankfurt. 

Einen schönen Tag in Frankfurt verbringen und dabei beim Junggesellinnenabschied einer guten Bekannten einmal richtig etwas erleben. Unter dieser Vorgabe machten sich an einem Samstagmorgen im Mai vergangenen Jahres neun junge Leute aus dem Saarland auf den Weg in die Mainmetropole. Man spazierte durch die Innenstadt, über den Römerberg und landete schließlich im Park der Villa Metzler am Museumsufer, wo man sich auf Bänken niederließ. Die jungen Leute waren rundum zufrieden und nippten an ihren Getränken.

Als es Abend wurde, sollten sie dann aber tatsächlich etwas „erleben“ – und zwar im negativen Sinne. Zwei heute 17 und 20 Jahre alte Männer kamen nach reichlichem Alkohol- und Cannabiskonsum auf die glorreiche Idee, sich der Partygruppe anzunähern und den Leuten ihr Geld abzunehmen. Noch ehe sich die Saarländer ihrer Situation richtig versahen, hatte der einzige Mann unter ihnen auch schon die harte Faust zu spüren bekommen.

Während er bewusstlos zu Boden ging, „beschäftigte“ sich einer der Täter mit einer 30 Jahre alten Freundin der Braut. Auch sie erhielt ohne irgendwelchen Anlass Schläge ins Gesicht und taumelte schließlich gegen einen Brunnen. Bei der Rangelei riss auch ihr linkes Brustimplantat ein und verursacht seither starke Schmerzen. In Kürze muss sich die Frau sogar einer Operation unterziehen, bei der das künstliche Teil gerichtet werden soll. Um die Kostenfrage und mögliche Schmerzensgeldansprüche zu klären, habe sie allerdings erst den Prozess abwarten wollen, der gestern beim Jugendrichter des Amtsgerichts terminiert worden war.

Dort bliesen die beiden Männer ordentlich Trübsal. Der Alkohol – Werte zwischen 1,2 und 2 Promille – war natürlich schuld. Dazu kam die Tatsache, dass man offenbar nicht mit seinem Ausbildungsgehalt wirtschaften konnte und schon am 20. kein Geld mehr hatte. Dabei musste der 17-Jährige aber einräumen, dass ihm bereits vor dieser Tat schon einmal bei einer Fastnachtsveranstaltung die Faust ausgerutscht war. Und der 20-Jährige hatte nur fünf Tage nach dem Überfall am Mainufer erneut nach der Handtasche einer Frau gegriffen.

So reichten Amtsrichter Axel Rockemer die von Staatsanwaltschaft und Verteidigung befürworteten Arbeitsstunden nicht aus. Er verhängte stattdessen jeweils eine Woche Dauerarrest sowie jeweils 600 Euro Schmerzensgeld an den zu Boden gegangenen Bruder der Braut. „Den Arrest können Sie in Ihrem Urlaub bequem abfeiern“, sagte der Richter, wohl wissend, das die Gelnhäuser Arrestanstalt unter Jugendlichen sehr berüchtigt ist. Ein längerer Aufenthalt hätte aber die Ausbildungsverhältnisse gefährdet.

(ge)

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