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Kleingärten in Frankfurt: Junge Frankfurter Familien werden zu Laubenpieper

Schrebergärten galten noch vor ein paar Jahren als Inbegriff der Spießigkeit . Doch das Blatt hat sich gewendet. Immer mehr junge Familien suchen sich ein Idyll und landen in der Laube.
Luis, Jan, dessen Mutter Kathrin Kramps mit Sohn Henrik sowie Paul und seiner und Luis’ Mutter Alexandra gehören zu den jüngeren Pächtern in der Kleingartensiedlung „Ziegelhütte“. Bilder > Luis, Jan, dessen Mutter Kathrin Kramps mit Sohn Henrik sowie Paul und seiner und Luis’ Mutter Alexandra gehören zu den jüngeren Pächtern in der Kleingartensiedlung „Ziegelhütte“.
Sachsenhausen. 

Wie viele Stunden Doris Grüning und ihr Gatte Dieter, beide Rentner, in ihrem Sachsenhäuser Kleinod gewerkelt haben, wissen beide nicht mehr. „Wer einen Kleingarten hat, zählt die Arbeit nicht in Stunden“, findet Doris Grüning.

Jedenfalls haben beide viele Wochenenden dort zugebracht, die meisten Wochenenden in den vergangenen 25 Jahren. So lange schon hat das Ehepaar sein grünes Idyll in der Sachsenhäuser Kleingartensiedlung „Ziegelhütte“.

 

Immer mehr Familien

 

Nur zwei andere Pächter in der Siedlung haben dort noch länger einen Garten als die Grünings. Das Ehepaar weiß somit bestens, was sich seitdem getan hat, als Gartenzwerge noch das Bild in den meisten Kleingärten bestimmten und die Liebe zum urbanen Kleinod als Inbegriff der Spießigkeit galt. Heute haben halbautoritäre Kleingartenvorstände, die jeden gekürzten Grashalm dokumentieren, Seltenheitswert. Der Kleingarten ist längst keine reine Rentnervorliebe mehr. Immer mehr junge Familien suchen und finden in Schrebergärten Abstand von der Stadt und Nähe zu Natur.

Junge Familien wie die von Ärztin Kathrin Kramps (35). Seit März hat sie mit ihrem Mann einen Kleingarten in der Siedlung „Ziegelhütte“ gepachtet. Man habe sich kurzfristig dazu entschlossen, erzählt Kramps, nachdem ihre Freundin ihr mitgeteilt hatte, dass eine Parzelle in der Siedlung frei sei. Weil ihre Familie in der Stadt lebe, komme ein Stückchen Natur gerade den Kindern zugute, dachte sich das Ehepaar.

„In der Stadt ist es ja stets schwer, Kinder mit Natur in Berührung zu bringen. Im Kleingarten können die Kinder nun lernen, wie Obst und Gemüse angebaut werden. Sie können andere Kinder kennenlernen, von denen es mittlerweile hier wimmelt. Auch kann man sie mal durch die Siedlung laufen lassen, weil wir wissen, dass andere Pächter ein Auge auf sie werfen“, so Kathrin Kramps.

 

Schneller Anschluss

 

Jene Erkenntnis hat sich allerdings erst eingestellt, als das Ehepaar ihren Kleingarten bereits bezogen hatte. Zuvor herrschten in Kathrins Kopf noch Vorbehalte: Spießige Rentner, die ihre Ruhe haben wollen, hatte sie befürchtet und wurde vom Gegenteil überzeugt. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell Anschluss finden. Es wird einem geholfen, wenn man beim Anbau mal nicht weiter weiß. Man fühlt sich wie in einer großen Familie“, berichtet die Ärztin.

Und ältere Kleingartenpächter wie die Grünings freuen sich über den frischen Wind. „Es ist herrlich, wenn sich die Siedlung verjüngt“, sagt Doris Grüning. Sie und Kathrin hatten sich kennengelernt, als letztere sich über Salz wunderte, das jemand auf den Wegen zwischen den Parzellen verteilt hatte. „Doris erklärte mir dann, dass es gegen Schnecken und Unkraut hilft“, erzählt Kathrin Kramps.

16 000 Kleingärten existieren in Frankfurt. Wie Helmut Mohr, der Schriftführer des Vereins „Ziegelhütte“ berichtet, finden sich in diesen inzwischen mehr Hüpfburgen und Schaukeln als Gartengeräte. „Gegrillt wird natürlich heute noch, und bei Pinot Grigio und Latte Machiato werden politische Themen diskutiert und über Kindererziehung gestritten“, sagt Mohr.

Doch das Verhältnis zwischen den Kleingärtnern, die teilweise seit 50 Jahren ihre Pacht bezahlen, und der neuen, etwas lauteren Generation sei nicht immer so einfach wie zwischen den Grünings und den Kramps. „An Kindergeschrei und auch neuen Pächtern aus anderen Kulturen muss man sich schließlich erst einmal gewöhnen.“ Die Seele baumeln zu lassen oder Freunden biologischen Gartenbau zu erklären, sei vielen wichtiger als Rasenmähen oder die Jagd auf die Nacktschnecke, so Mohr. Während der Garten der Grünings so aussieht, wie man sich einen Kleingarten vorstellt, ziehen die Kramps die romantischere, etwas verwildertere Form vor. „Früher hätte es so was wohl nicht gegeben“, schätzt Helmut Mohr.

 

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat dazu am 6. September die beste Gelegenheit. Dann feiert der Verein „Ziegelhütte“ ab 14.30 Uhr seinen 90. Geburtstag mit Live-Musik und Spielen.

 

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