Junge Mutter versteckte ihr Baby in Schuhkarton – tot

Tiefe menschliche Abgründe offenbarten sich vor Gericht, wo eine junge Frau wegen Tötung ihres Babys verurteilt wurde. Nicht einmal die eigene Mutter will die Schwangerschaft der 19-Jährigen bemerkt haben.
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Frankfurt. 

Monatelang verbarg sie ihre Schwangerschaft vor der Mutter, dann brachte sie im Juli vergangenen Jahres einen kleinen Sohn zur Welt – auf der Toilette der elterlichen Wohnung im Nordend. Weil sie den Säugling anschließend in einen Schuhkarton packte und im Keller versteckte, wurde die 19 Jahre alte Schülerin gestern vom Landgericht zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt. Darüber hinaus muss sie weiter an einer psychiatrischen Behandlung teilnehmen und regelmäßig die Schulbank drücken.

Angst vor der eigenen Mutter

"Der Prozess lieferte das erschütternde Bild einer traumatisierten jungen Frau", sagte Vorsitzender Richter Ulrich Erlbruch in der Urteilsbegründung. Mehrere Tage hatte sich die Jugendstrafkammer hinter verschlossenen Türen mit jenem Vorfall beschäftigt, "den die Angeklagte bis heute nicht annähernd verarbeitet hat". Schwanger war sie im Herbst 2010 geworden, die Beziehung zum Vater des Kindes aber beendete die schon seit früher Jugend immer wieder psychisch auffällig gewordene Frau wenig später.

Weil sie Angst vor der Reaktion ihrer Mutter hatte, versuchte sie die Schwangerschaft geheim zu halten. Aber auch die Reaktion ihrer Mutter auf den immer weiter werdenden Bauchumfang löste bei Gericht Kopfschütteln aus. Sie ließ sich von der Tochter unter einem Vorwand eine Urinprobe geben und machte damit einen Schwangerschaftstest. Als dieser negativ ausfiel, kümmerte sich die Mutter trotz der optischen Veränderung der Tochter nicht weiter darum.

"Da war wohl keine wirklich vertrauensvolle Mutter-Tochter-Beziehung vorhanden", sagte Richter Erlbruch dazu. Erst als der Säugling bereits einige Tage tot im Schuhkarton im Keller lag, offenbarte sich die Schülerin ihrer Mutter und zeigte schließlich der Polizei das Versteck.

"Wäre nach der Niederkunft für die Erstversorgung des Kindes Sorge getragen worden, hätte es überlebt", sagte Erlbruch. Das sei das, was sich die Angeklagte anrechnen lassen müsse. "Sie wollte das Kind sicher nicht vorsätzlich töten". Weil sie aber nach der Geburt nicht sofort um Hilfe ersucht habe, habe sie den Tod des Kindes zumindest billigend in Kauf genommen.

Das Baby muss geatmet haben

Ursprünglich hieß es, die Schülerin habe den Säugling sofort für tot gehalten, weil er sich weder bewegt noch geschrien habe. Deshalb wurde auch lediglich fahrlässige Tötung angeklagt. Ein Gutachten ergab allerdings, dass das Neugeborene geatmet habe und lebensfähig gewesen sei. Deshalb wurde die junge Frau nunmehr wegen Totschlags im minderschweren Fall verurteilt. Das Strafmaß fiel im Sinne aller Beteiligten aus. Das Urteil wurde nach der Verkündung rechtskräftig. ge

(Matthias Gerhart)
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