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Prozessbeginn in Frankfurt: Junge Mutter wegen Säuglingstod nach sechs Jahren vor Gericht

Von Sechseinhalb Jahre liegt der Tod von Magdalene nun schon zurück – von kommenden Freitag an wird sich die heute 22 Jahre alte Mutter des Neugeborenen wegen Totschlags vor dem Landgericht zu verantworten haben. Mit ihr auf der Anklagebank sitzt der gleichaltrige Vater des Kindes.
Die Polizei nannte den toten Säugling Magdalene – hier das Grab in Bad Vilbel. Die Polizei nannte den toten Säugling Magdalene – hier das Grab in Bad Vilbel.
Frankfurt. 

Spätestens seit Ende 2009 wusste die damals 16-Jährige, dass sie schwanger ist. Sie wollte ihr Kind nicht austragen, setzte sich aber auch nicht mit einer Beratungsstelle oder einem Arzt in Verbindung. Im Mai 2010 schließlich war es zu spät.

Die Frau war offenbar in der Zwischenzeit bei Bekannten untergekommen und auch der Vater des Kindes war vorübergehend bei ihr.

Als die Wehen einsetzten, stieg die Frau in eine Badewanne und brachte die Tochter, die später von der Polizei „Magdalene“ genannt wurde, unter Wasser zur Welt. Nach den Ermittlungen der Polizei war der Säugling nur kurze Zeit am Leben und schnappte nach Luft. Danach wurde er laut Anklage der Staatsanwaltschaft ertränkt, wobei der Vater des Kindes neben der Wanne stand und nicht eingriff. Am 27. Mai 2010 fand schließlich ein Fahrradfahrer am Niddaufer in Bad Vilbel einen Müllsack in dem die Leiche des Neugeborenen steckte. Eine fieberhafte Suche der Polizei nach möglichen Tätern begann – allein im engeren Umfeld des Tatorts wurden rund 2800 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren überprüft. Ohne Erfolg – ihre Speichelprobe passte nicht zu den an der Leiche sichergestellten DNA-Spuren. Zwischenzeitlich war Magdalene in Bad Vilbel unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden.

Langwierige Ermittlungen

Die Ermittlungen gingen weiter, führten aber über Jahre hinweg zu keinem Erfolg. Erst im März dieses Jahres meldete sich „Kommissar Zufall“ zu Wort. Im Frankfurter Stadtgebiet griff die Polizei eine 22 Jahre alte hilflose Person auf, die bei ihrer Vernehmung plötzlich von großen Schuldgefühlen und schließlich vom Tod ihrer neugeborenen Tochter vor sechs Jahren sprach.

Sie wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen und auch der Vater des Kindes, der mittlerweile auch 23 Jahre alt ist, geriet in das Visier der Ermittler.

Obwohl beide Angeklagte mittlerweile Erwachsene im strafrechtlichen Sinne sind, verhandelt die Jugendstrafkammer gegen sie. Maßgeblich ist ihr jugendliches Alter zum Zeitpunkt der Tat. Und deshalb wird das von Richter Ulrich Erlbruch geleitete Richterkollegium am kommenden Freitag wie auch den beiden weiteren geplanten Verhandlungstagen am 12. und 19. Dezember vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen.

Urteil vor Weihnachten

„Der Schutz des Persönlichkeitsrechts der Angeklagten geht vor“, hieß es dazu bei Gericht. In dem Prozess wird unter anderem ein psychiatrischer Sachverständiger Angaben zu einer möglichen Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit beider Angeklagter machen – darüber hinaus sollen Zeugen vernommen werden, was bei länger zurückliegenden Taten naturgemäß nicht immer befriedigende Ergebnisse bringt. Noch vor Weihnachten soll das Urteil fallen.

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