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Neues Konzept für Salzmannschule: KGS Niederrad: Bedenken etwas zerstreut

Von An der Salzmannschule wurden gestern viele kritische Fragen gestellt und skeptische Blicke ausgetauscht. Letztlich aber zeigten sich die Eltern ernsthaft an dem für die KGS Niederrad erarbeiteten Schulkonzept interessiert. Stadträtin Sylvia Weber (SPD) und das Planungsteam konnten so manchen Zweifel zerstreuen.
Symbolbild Schule Foto: Arno Burgi/Symbol Symbolbild Schule
Niederrad. 

Weit über hundert Eltern sind gekommen, um sich über das pädagogische Konzept der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Niederrad zu informieren, die nächstes Schuljahr eröffnen soll. Kritische Fragen blieben Eva Seifert und ihrer Planungsgruppe nicht erspart: „Wer garantiert mir, dass mein Sohn im Lernbüro nicht nur faul herumsitzt?“, erkundigte sich eine Mutter mit strengem Blick.

Allmorgendlich – der Schultag beginnt für sie um 8 und endet um 14.30 Uhr – sollen die Kinder in besagten Büros zwei Stunden lang selbstständig arbeiten. Dabei dürfen sie frei wählen, welches Fach sie sich vornehmen. Auch zu Klassenarbeiten können sie sich je nach Lernstand aus eigenen Stücken anmelden. „Im Berufsleben arbeiten sie ja später auch selbstständig“, erläuterte Martin Kurz, Mitglied des Planungsteams. Er entkräftete die Sorgen der Mutter und versicherte: „Es werden stets zwei Lehrer vor Ort sein, um die Jungen und Mädchen zu betreuen.“ „Was wir uns selbst beibringen, bleibt doch immer noch am besten haften, diese Erfahrung dürften Sie auch schon gemacht haben“, befand Dezernentin Sylvia Weber (SPD).

Bausteinsystem hilft

Die Kinder vermitteln sich ihr Wissen im Lernbüro mit Hilfe von sogenannten „Bausteinen“ selbst. Jede Woche erhalten sie neuen Lernstoff für jedes Fach. In welcher Abfolge sie sich diesen aneignen, bleibt ihnen selbst überlassen. Bis zum Freitag aber muss alles erledigt sein. „Schüler, die sich mit Mathematik schwertun und andernfalls den ganzen Unterricht aufhalten würden, können sich für das Fach jetzt einfach mehr Zeit einräumen und dafür zum Beispiel die Deutschaufgaben schneller abarbeiten“, so die Bildungsdezernentin. „In der KGS soll sich keiner langweilen, es soll aber auch keiner hinterherhinken.“ Um eigenständiges Arbeiten zu erleichtern, soll die Schule mit modernem technischen Equipment ausgestattet werden: „Für die Kinder werden sogar Tablets bereitstehen“, versprach Weber. „Wir wollen hier keinen Frontalunterricht“, erklärt Kunz. Kinder aller drei Niveaus – Gymnasium, Haupt- und Realschule – werden zusammen in den Lernbüros arbeiten, sich womöglich auch gegenseitig unterstützen, und gemeinsam auf Klassenfahrt gehen.

Andrea Herschbach, Mitglied des Stadtelternbeirats und Teil des Planungsteams, befürwortet das: „So bildet die KGS einen Querschnitt der Gesellschaft ab und wird keine reine Elitenbildungsanstalt sondern eine Schule für alle.“ Die Bevölkerung sei pluralistisch, der Austausch erweitere den Horizont. Den Rest des Tages – bestehend aus den Unterrichtseinheiten „Projektarbeit“ und „Werkstätten“ – werden die drei Zweige dennoch getrennt verbringen.

Auch ein Lehrer besuchte die Veranstaltung und zeigte sich von dem neuartigen Konzept fasziniert, wollte sich aber weniger informieren als bei den Entscheidungsträgern vorstellen. „Gerne würde ich künftig an der KGS unterrichten“, sagte er nachdrücklich. „Dort wo ich jetzt arbeite, halte ich es nicht länger aus, da tun mir die Schüler so leid.“ Seinen Namen wolle er nicht in der Zeitung lesen.

Fester Arbeitsplatz

Nicht nur für die Schüler, auch für die Lehrkräfte soll sich an der neuen Schule einiges ändern. „Unsere Pädagogen sollen vor allem geregelte Arbeitszeiten und einen festen Arbeitsplatz haben“, erklärt Seifert. Nicht bloß die Kinder sollen außerhalb des Unterrichts keine Hausaufgaben mehr machen müssen. „Auch für die Lehrer ist nach Feierabend wirklich Feierabend, ihre Gesundheit und Ausgeglichenheit ist uns wichtig.“ Außerdem werden sie in Teams arbeiten. Lehrer können sich jederzeit Verstärkung holen, einander zu jeder Stunde vertreten.

Die zunächst fünf Klassen werden aus je 25 Schülern bestehen. Eine sechszügige KGS mit einer Hauptschul-, zwei Realschul- und drei Gymnasialklassen pro Jahrgang hatte eigentlich schon letztes Jahr eröffnen sollen. Doch weil sich nur drei Gymnasialkinder angemeldet hatten, ließ das Staatliche Schulamt die KGS nicht an den Start gehen. Nun soll die Schule im Sommer dieses Jahres eröffnen.

Weber hatte 2016 noch Bedenken geäußert, dass genügend Kinder zusammenkommen. Um zu vermeiden, dass die KGS ihre Arbeit wieder nicht aufnehmen kann, hatte sie für eine IGS plädiert, die kleiner und unabhängig von den gewünschten Bildungsgängen der Schüler aufmachen könnte. Innerhalb der Koalition konnte sie dafür aber keine Mehrheit finden.

Spätestens nach dem Informationsabend dürfte Weber nun etwas optimistischer sein. „Unsere Kinder sind auf der Frauenhofschule“, erklärten Nedi Mandic und Ljubica Matkovic. Beide hätten eine Gymnasialempfehlung und sollen künftig die KGS besuchen. „Wir finden das Konzept super“, so die einhellige Meinung beider Mütter. „Unsere Mädchen sollen mit der Schule wachsen, wir schicken sie garantiert dorthin.“ Der Grund: „Uns gefällt der Ansatz, den Kindern das freie Arbeiten zu ermöglichen.“

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