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Nachhilfe und Graffiti-Projekt: Kampf gegen das graue Image

Von Die Jugendlichen in der Heinrich-Lübke-Siedlung nachmittags von der Straße holen, das will eine bunt gemischte Truppe junger Studenten. Seit Sommer bieten sie Nachhilfe und Seminare an, jetzt steht das nächste Projekt in den Startlöchern: Gemeinsam soll eine triste Unterführung bunt bemalt werden.
Farblos und trist sind die Wände an der U-Bahn-Haltestelle. Das wollen Ahmad Naweed und die Initiative im Sommer ändern. Foto: Holger Menzel Farblos und trist sind die Wände an der U-Bahn-Haltestelle. Das wollen Ahmad Naweed und die Initiative im Sommer ändern.
Praunheim. 

Ahmad Naweed ist ein Kind der Heinrich-Lübke-Siedlung. Der heute 23-Jährige ist dort aufgewachsen, hat mit den Freunden aus der Nachbarschaft den Spielplatz unsicher gemacht und auch seinen Nachbarn mal den ein oder anderen Streich gespielt. „Natürlich haben wir auch Unfug gemacht, als uns langweilig war. Das hat aber mit dem, was manche Kinder und Jugendliche heute ab und zu so treiben nichts gemein“, sagt der Praunheimer, der in Marburg Jura studiert.

Aufgefallen sind ihm diese Veränderungen eines Tages bei einem Rundgang durch die Siedlung. Es war der harsche Umgangston, den die Jugendlichen untereinander pflegten. „Ihr Sprache hat sich völlig verändert, es ist der Respekt, der mittlerweile fehlt. Von manchen Kraftausdrücken will ich gar nicht reden“ sagt Naweed. Das war im Frühjahr vergangenen Jahres. Mit anderen in der Lübke-Siedlung wohnenden Studenten setzte er sich zusammen, sie überlegten, wie man die Kinder und Jugendlichen beschäftigen kann. Damit sie nicht den ganzen Tag auf der Straße abhängen, ihre Aggressionen anstauen und irgendwann ausleben.

 

Studenten helfen Schülern

 

„Wir haben im Sommer eine Initiative gegründet und Nachhilfe angeboten. Unentgeldlich. Weil viele Familien, die hier leben, es sich sonst nicht hätten leisten können“, sagt der junge Mann. Seitdem unterrichten er und sieben andere Studenten die Kinder und Jugendlichen. Und nicht nur die, die in der Schule schlecht sind. „Unser Angebot gilt für jeden. Die Kinder haben eine Beschäftigung und zudem haben wir zwei Schülern so geholfen, sich für ein Stipendium zu qualifizieren“, ist er stolz auf das bislang Erreichte.

Ausgeweitet wurde das Programm mittlerweile durch Seminare, die die Schüler professionell vorbereiten. Auf die Bewerbung sowie das anschließend, hoffentlich stattfindende Gespräch in der Firma. Auch diese Seminare sind kostenlos. „Wir haben ein wenig unsere Kontakte spielen lassen, haben bei Referenten für unser Projekt geworben und gute Rückmeldungen erhalten“, erklärt der Jura-Student. Ihm und seinen Mitstreitern ist wichtig, den Kindern eine Perspektive zu geben. Und sie zu beschäftigen. Denn solche Möglichkeiten für die Jugendlichen gebe es in Praunheim kaum. Nur den Teenie-Club in der Lübke-Siedlung oder den Jugendclub Praunheim (JCP) in der Graebestraße. Wobei die Zukunft des JCP immer noch ungeklärt ist. „Muss er schließen, wonach es derzeit aussieht, gibt es noch weniger Angebote im Stadtteil“, beklagt Naweed.

 

Bunte Farbe an die Wand

 

Umso wichtiger ist für ihn und seine Kollegen, den Jugendlichen auch künftig ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Gut, dass das nächste Projekt da schon in den Startlöchern steht. Den noch grauen und dadurch trist wirkenden Aufgang zur U-Bahn-Station „Friedhof Westhausen“ wollen die Studenten mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam gestalten. Mit Graffitis. „Zusammen wollen wir Ideen sammeln, Motive entwickeln und am Computer entwerfen“, erklärt der 23-Jährige. Für die finanzielle Unterstützung haben er und die anderen Studenten bereits gesorgt. Was noch fehlt, ist jedoch die Erlaubnis der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) – der Aufgang liegt in deren Verantwortungsbereich.

Gibt es die, sollen schon in den nächsten Sommerferien die Spraydosen in die Hand genommen werden. Und damit die Aktion auch ausreichend abgesichert ist, will die Initiative bis dahin ein rechtsfähiger Verein sein. Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan, die Gemeinnützigkeit wurde beantragt. „Wir brauchen eine Vereinshaftpflicht für dieses Projekt – es ist ein besseres Gefühl auf der sicheren Seite zu sein“, sagt Naweed. Einen Vereinsnamen gibt es übrigens schon. Er lautet „Mango Factory – Abseits des Status quo“. Den sollte man sich gut einprägen, denn es ist sicher nicht das letzte Mal, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen der Heinrich-Lübke-Siedlung sich mit solch einer bunten Aktion zu Wort melden.

 

Weitere Informationen zur Initiative und ihren Projekten gibt es per E-Mail unter naweed.ahmad@t-online.de.

 

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