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Bürgerinitiative Sachsenhausen klärt auf: Kampf gegen ganz feinen Feinstaub

Von Das neuste Thema, um auf die Gesundheitsgefahren von Flugzeugen aufmerksam zu machen, ist der Ultrafeinstaub. Die Bürgerinitiative Sachsenhausen hatte dazu einen Experten zu Gast, der von seinen Messungen berichtete.
Feinstaub-Experte Wolfgang Schwämmlein aus Mainz klärt die Mitglieder der Bürgerinitiative Sachsenhausen über winzige Partikel auf. Foto: Michael Faust Feinstaub-Experte Wolfgang Schwämmlein aus Mainz klärt die Mitglieder der Bürgerinitiative Sachsenhausen über winzige Partikel auf.
Sachsenhausen. 

Sie sind winzig klein, gelangen über die Lunge direkt ins Blut und von dort in den ganzen Körper. Die Rede ist von Ultrafeinstaubpartikeln, die bei der Verbrennung von Treibstoff in Flugzeugmotoren entstehen und kleiner als 100 Nanometer sind. Seit Jahren gibt es Vermutungen, dass die klitzekleinen, nicht sichtbaren Körnchen gefährlich sind und Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Demenz auslösen können. Es gibt erste Studien dazu, als belegt gilt der Zusammenhang aber nicht. Die Forschung ist noch nicht so weit.

Nichtsdestotrotz haben sich die Bürgerinitiativen gegen Fluglärm dieses Thema nun auf ihre Fahnen geschrieben. Vorreiter ist die Mainzer BI, die sich gar ein eigenes Messgerät angeschafft hat, um die Ultrafeinstaubpartikel in der Luft nach Überflügen zu zählen. Ihr Experte und Wertstoff-Wissenschaftler Wolfgang Schwämmlein war jetzt zu Gast bei den Sachsenhäuser Fluglärmgegnern, um sie über seine Messungen und die Gefahren der Staubpartikel aufzuklären.

Verbrennen von Kerosin

„Tagtäglich werden rund um den Frankfurter Flughafen rund eine Million Liter Kerosin verbrannt. Das soll keine Auswirkungen auf die Umwelt haben?“, fragt sich Schwämmlein. Denn es gibt zwar Messungen vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG), doch dabei werden nur die größeren Feinstaubpartikel von 2500 bis 10 000 Nanometern überwacht, da es für sie Grenzwerte gibt. „Die Ultrafeinstaubpartikel, die viel gefährlicher sind, werden dabei aber übersehen, weil sie viel zu klein und leicht sind“, erklärt Schwämmlein. Deshalb sei die einzige Möglichkeit, die wirklichen Gefahren abzuschätzen, die Partikel zu zählen, ohne ihre Größe zu beachten.

Und das hat der Diplom-Ingenieur gemacht: in Flughafennähe am Airport-Ring, in Raunheim und in Mainz-Hechtsheim. Mit dem Ergebnis: „Die Anzahl der Ultrafeinstaubpartikel in der Luft pro Kubikzentimeter steigt sehr wohl bei einem Überflug an“, sagt Schwämmlein. So wuchs etwa in Raunheim die Anzahl von 24 000 Partikeln pro Kubikzentimeter Luft um das 1,5-fache, nachdem die Messstation von einem Flugzeug überflogen wurde. Auch in Mainz-Hechtsheim stieg die Zahl der Partikel beim Überflug am Tag der Messung, bis am Vormittag ein Wechsel der Flugrichtung erfolgte und eine Stunde lang kein Betrieb herrschte, da ging plötzlich die Zahl der Partikel in der Luft zurück.

Für Schwämmlein bedeutet das: „Die Erhöhungen sind eindeutig dem Flugbetrieb zuzuordnen.“ Zudem würden die Emissionen der Flugzeuge selbst in relativ großer Entfernung vom Airport zu einer Vervielfachung der Partikelkonzentration führen. Das hätten auch Studien an den Flughäfen in Los Angeles und Amsterdam ergeben.

Deshalb steht für Wolfgang Schwämmlein fest: „Ein Flughafen darf nur mit einem Abstand von 40 Kilometern zu Städten und Gemeinden gebaut werden.“ Außerdem müsse das Land endlich reagieren und selbst Forschungen hinsichtlich des Ultrafeinstaubs vorantreiben.

BIS will selbst messen

Da konnten ihm die Mitglieder der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS) nur beipflichten. „Wir haben schon immer gesagt, dass der Flughafen hier nicht in die Region gehört“, sagt Wolfgang Heubner vom BIS-Vorstand. Um auch Messungen in Frankfurt durchführen zu können, will man sich nun das Messgerät der BI Mainz ausleihen. Heubner stellt dafür seinen Garten auf dem Sachsenhäuser Berg zur Verfügung.

Aber nicht nur die Bürgerinitiative aus Sachsenhausen wurde nun auf dieses Thema aufmerksam, sondern auch die Wissenschaftler des Umweltbundesamtes mit Sitz in Langen. Sie haben entlang der Flughafengrenze im Osten und Norden die Konzentration des Ultrafeinstaubs gemessen. Je nach Windrichtung konnten sie eine erhöhte Konzentration in der Luft messen.

Einen Zusammenhang mit dem Flugbetrieb wollten die Wissenschaftler zwar noch nicht feststellen, sie fordern aber ein Forschungsprojekt, das den Einfluss von Großflughäfen auf die Ultrafeinstaub-Belastung der Region untersucht. Dafür werden externe Wissenschaftler gesucht. Die Ausschreibung soll erfolgt sein. Es scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

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