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ESV Blau-Gold: Kanuten suchen neues Bootshaus

Von Innerhalb von vier Jahren sind die Kanuten des Eisenbahner-Sportvereins (ESV) Blau-Gold zum zweiten Mal auf der Suche nach einem Bootshaus. Das Gelände am Niederräder Ufer, auf dem sie ihre Boote derzeit unterbringen, wurde verkauft. Voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres dürfen die Wassersportler dort noch bleiben.
Bunt geschmückt und leuchtend starten die Kanus zur 35. Funzelfahrt auf dem Main. Bilder > Foto: Michael Faust Bunt geschmückt und leuchtend starten die Kanus zur 35. Funzelfahrt auf dem Main.
Niederrad. 

„Boot sucht Haus“ steht in großen, roten Buchstaben auf dem T-Shirt, das sich Georg Brandt überzieht. Er ist zweiter Vorsitzender der Kanu-Abteilung des Eisenbahner-Sportvereins (ESV) Blau-Gold. Die Abteilung steht bald ohne ein Bootshaus da, das aktuell noch am Niederräder Ufer in der Mainfeldstraße 39 liegt. Das Gelände, auf dem sich das Bootshaus befindet, gehörte dem Sportverein (SV) Blau-Gelb, der es veräußerte. Von ihm haben es die Kanuten des ESV bisher angemietet. „Der SV Blau-Gelb hat seine Segelabteilung geschlossen und benötigt das Bootshaus nicht mehr“, schildert Brandt. Neuer Besitzer sei die Frankfurter Rudergesellschaft Germania 1869.

Die Kanuten des ESV haben zu ihrer traditionellen Funzelfahrt eingeladen, die zum 35. Mal von den Wassersportlern als Saison-Abschlussfahrt organisiert wird. Startpunkt ist das Rudererdorf in Oberrad in der Nähe der Gerbermühle. Nicht nur Sportler des ESV, sondern auch Kanuten weiterer Vereine, die für das Ereignis sogar aus anderen Städten wie Rüsselsheim und Darmstadt angereist sind, haben sich am Ufer versammelt und schmücken ihre Kanus und Kajaks für die Funzelfahrt. 15 Boote, weniger als in den vergangenen Jahren, sind auf dem Wasser und leuchten beim Start in der Dunkelheit um die Wette – mal heller, mal dunkler. Die Wettervorhersage für den Abend ist schlecht. Es soll regnen.

„Funzel bedeutet ja sowieso ein eher diffuseres Licht“, sagt Klaus Rohde von der TSG 1846 Darmstadt. Er und die Mitstreiter seines Vereins haben auf ihrem Kanu einen selbstgebauten Modell-Leuchtturm platziert, der in der Dunkelheit – ganz wie auf hoher See – einen Lichtstrahl abgibt. Rohde ist bereits zum 33. Mal mit bei der Funzelfahrt dabei, ist als Kind vor 50 Jahren in den Darmstädter Verein eingetreten. Er komme gerne zu dem Ereignis, weil es etwas Besonderes sei.

An Investor verkauft

Die Funzelfahrt ist auch ein Anlass, zu dem die Kanuten des ESV auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen möchten – mit dem T-Shirt und mit Worten. „Aktuell sind wir im Gespräch mit der Germania. Der Verein ist kooperativ und wir können voraussichtlich bis Mitte kommenden Jahres das Bootshaus nutzen.“ Dies sei aber keine Dauerlösung, denn die Germania benötige das Gelände für ihre Mitglieder und habe Pläne mit dem Bootshaus.

Wenn bis zu diesem Zeitpunkt kein alternativer, bezahlbarer Standort gefunden wird, steht die Kanu-Abteilung des ESV ohne Bootshaus und Zugang zum Wasser da. Das könnte das Ende bedeuten. Daran möchte aber niemand denken. Man wünscht sich einen Ort, an dem die vereinseigenen Boote und die der Mitglieder untergestellt werden können. Natürlich sollte sich dieser Ort in der Nähe des Mains befinden, so dass das Kanufahren jederzeit möglich ist.

Von der Stadt, zu der sie bereits Kontakt aufgenommen haben, fühlen sie sich bisher wenig unterstützt. Lange Zeit hatte der ESV sein Vereinsgelände am gegenüberliegenden Mainufer zwischen der Bahnlinie und dem Sommerhoffpark, das der Deutschen Bahn gehörte, die es 2011 an einen Investor für ein Bauprojekt verkauft hat. In Niederrad beim SV Blau-Gelb hatten die Kanuten eine neue Bleibe gefunden. Jetzt beginnt die Suche von neuem.

Zukunft ist offen

Anfragen, ob es möglich sei, in den Bootshäusern anderer Vereine mit unterzukommen, seien negativ ausgefallen. „Alle Vereine sind brechend voll und es ist auch ungewöhnlich, wie in unserem Fall, mit der Abteilung eines anderen Vereins zu kooperieren“, weiß Brandt.

„Unsere Kanu-Abteilung hat derzeit rund 60 Mitglieder im Alter von zehn Jahren bis nach oben hin offen“, sagt er. Viele seien berufstätig und würden nach der Arbeit ins Bootshaus kommen, ihr Kanu nehmen und aufs Wasser gehen. Das Kanu und Kajakfahren sei außerdem ein Familiensport. „Wir bieten regelmäßig Anfängerkurse an“, sagt Brandt. Er, seine Frau Aila und seine beiden Söhne Juri (13) und Till (10) sind seit sechs Jahren mit großer Begeisterung mit dabei.

Als der Startschuss zur 35. Funzelfahrt fällt, beginnt es zu regnen. Es ist dunkel, der Himmel ist bewölkt und der Vollmond verdeckt. Im Hintergrund aber erhebt sich hell erleuchtet die Frankfurter Skyline. Rund eine Stunde dauert die Fahrt vom Startpunkt bis zum Bootshaus in Niederrad, eine Strecke von knapp sieben Kilometern. Begleitet werden die Wassersportler von Mitgliedern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Ob es auch im kommenden Jahr zum Abschluss der Saison wieder eine Funzelfahrt geben wird, wird die Zukunft zeigen.

 

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