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Kanuten zelebrieren Jubiläum

Anlässlich seines 100-jährigen Bestehens arbeitet der Frankfurter Kanu-Verein an einer umfassenden Chronik: Journalist und FKV-Mitglied Dieter Wesp stieß bei seiner Recherche auf aufschlussreiche Relikte aus der Gründerzeit des Vereins.
So sah anno 1914 das erste Bootshaus am Main aus. Bilder > So sah anno 1914 das erste Bootshaus am Main aus.
Sachsenhausen. 

Tief gebeugt sitzen Dieter Wesp (59) und FKV-Vorsitzender Manfred Gleich (73) vor einem 100 Jahre alten Fahrtenbuch und studieren die ersten Eintragungen, die von der Gründung des Main-Canoe-Club Frankfurt und den ersten Ausflügen der Frankfurter Kanu-Pioniere zeugen. Am Samstag, 12. Oktober, feiern die 330 Mitglieder des Frankfurter Kanu-Vereins (FKV) das 100. Jubiläum des ältesten Kanu-Vereins der Stadt. Doch schon jetzt hat Dieter Wesp eine umfassende, 130 Seiten starke Chronik erstellt, die alle prägenden Ereignisse des zurückliegenden Jahrhunderts beleuchtet.

Rund 250 Stunden Arbeit hat Journalist und Kanut Dieter Wesp in seine Chronik, die ab dem 12. Oktober von der Website des FKV heruntergeladen werden kann, investiert. Das jahrzehntelang verschollene Fahrtenbuch war für Wesps Arbeit ein Schatz, dessen Wert nicht hoch genug bemessen werden kann. „Der Antrieb der Gründer war, die Flüsse der Heimat zu erforschen. Ab der Zeit der Weimarer Republik bis in die 1970er-Jahre stand eher die sportliche Ausrichtung im Vordergrund“, fasst Wesp die historische Entwicklung des FKV in Kürze zusammen.

Schleichender Niedergang

Seinen sportlichen Höhepunkt erlebte der Verein 1958, als Helmut Hertz den Weltmeistertitel im Einer-Kajak errang. Bis in 1970er-Jahre dominierten die Frankfurter Kanuten die sportlichen Wettbewerbe in der Region: „Bei einer Hessischen Kajak-Meisterschaft Mitte der 1960er-Jahre räumte der FKV neun von 16 Medaillen ab“, so Wesp.

Doch mit der stetig zunehmenden Schifffahrt und der zugleich rapide abnehmenden Wasserqualität des Mains geriet der Verein immer tiefer in eine Jahrzehnte währende Existenzkrise. „Der Höhepunkt der Verschmutzung war 1976 erreicht“, so Wesp. Damals ließen Schüler Goldfische in Mainwasserproben schwimmen. Dass die Fische innerhalb kürzester Zeit verstarben, sorgte für einen großen Presserummel.

Da sich fortan immer weniger Kanuten ins Mainwasser wagten, überalterte die Mitgliederstruktur des Vereins binnen kürzester Zeit: Zu seinem 90. Geburtstag zählte der FKV gerade noch 150 Mitglieder, von denen fast niemand mehr sein Kanu zu Wasser ließ. „Wir mussten uns öffnen“, sagt Manfred Gleich, der seit zehn Jahren das Amt des FKV-Vorsitzenden ausübt. Seitdem hat sich viel getan. 75 Prozent der 330 heutigen Mitglieder traten dem Verein im Laufe der vergangenen zehn Jahre bei. Der Grundstein dieser Expansion wurde durch die ab 2003 in Angriff genommene Erweiterung des Bootshauses am Schaumainkai 90 gelegt. Erst hierdurch war es möglich, Drachenboote und Outrigger, aus der Südsee stammende Ausleger-Kanus, in den Verein zu integrieren.

Investition in die Zukunft

Um auch die Gastronomie im FKV-Bootshaus auf Vordermann zu bringen, investierte der Verein binnen sechs Jahren weitere 100 000 Euro. Heute wird das direkt am Main gelegene Bootshaus pro Jahr rund 40 Mal für externe Veranstaltungen angemietet. Die Gäste genießen bei gutem wie schlechtem Wetter das beeindruckende Skyline-Panorama, das sich ihnen von der Balustrade im ersten Stock des Bootshauses bietet.

All diese Veränderungen haben das Vereinsleben binnen weniger Jahre wieder aufleben lassen. „Inzwischen geht es dem FKV so gut wie nie“, bilanziert Dieter Wesp. Ein hoher Jugendanteil, das aufgewertete Mainufer und die signifikant verbesserte Wasserqualität hätten ebenfalls zur Renaissance des Kanu-Vereins beigetragen.

Ein Problem jedoch verfolgt die Kanuten seit über 100 Jahren: Alle Jahre tritt der Main über die Ufer und dringt bis ins Erdgeschoss des Bootshauses vor. Dann heißt es, möglichst schnell alle Boote in Sicherheit zu bringen, zu warten, bis der Wasserpegel wieder sinkt, und das Gebäude mit Hilfe der Feuerwehr auszuspritzen. Denn wenn der angespülte Schlamm erst einmal eintrocknet, ist es fast unmöglich, ihn wieder zu entfernen. Inzwischen ist die Reinigungsprozedur jedoch ein eingespielter Vorgang. „Wenn wir fertig sind, gibt es für alle einen Kasten Bier und Gulasch“, sagt Manfred Gleich.

Der FKV-Chef wird übrigens noch im Laufe dieses Monats nach Kassel fahren, um aus den Händen von Bundespräsident Joachim Gauck eine Anerkennungsmedaille entgegenzunehmen. Zum Gründungsjubiläum am 12. Oktober sind die Vereinsmitglieder in den Kaisersaal eingeladen, wo OB Peter Feldmann (SPD), Innenminister Boris Rhein und Sportdezernent Markus Frank (beide CDU) ihre Glückwünsche überbringen werden. Doch das Jubiläum wird bereits am Samstag, 17. August, beim Sommerfest des FKV gefeiert.

(Mirco Overländer)
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