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Karma-Konsum bedeutet Genuss ohne Reue

Karma-Konsum: Das bedeutet, dass man seinen Strom in der Disco selber machen muss: Durch kräftiges Treten in die Pedale. So wird die Umwelt geschont.
Hat große Vorbilder: Christoph Harrach Hat große Vorbilder: Christoph Harrach

King Kamehameha Club: Der DJ ist in Form, die Tanzfläche voll. Auf der Bühne treten drei Gäste gut gelaunt kräftig in die Pedalen der Fahrräder. Schließlich müssen sie den Strom erzeugen für Mischpult und Plattenteller. "Organic Disco" heißt die Abschlussveranstaltung der Karma-Konsum Konferenz, die vom 31. Mai bis 1. Juni in Frankfurt stattfand. Feiern mit gutem Gewissen ist das Motto.

Große Yogastunde

Eigentlich geht es um mehr. Karma-Konsum möchte neue Wege aufzeigen, Impulse für ein bewussteres Leben geben und Akteure eines nachhaltigeren Lebensstils miteinander vernetzen. Dafür ließ sich der Karma-Konsum-Erfinder Christoph Harrach auch außerhalb der Konferenzräume einiges einfallen. Etwa die "Karma-Ride"-Fahrradtour durch die Stadt zum Club, eine große öffentliche Yogastunde mit rund 100 Teilnehmern oder eben die grüne Disco, die mit minimalem Energieverbrauch maximale Stimmung erzeugen will. Harrachs Aktionen sind nicht nur Spaß, sondern immer gleichzeitig Beweis, dass es auch anders geht.

Neue Ökonomie

Ausgerechnet mitten in der Finanzmetropole, in der IHK am Börsenplatz, findet die Karma-Konsum Konferenz jedes Jahr im Juni statt. "Ein perfekter Ort", findet Harrach. Statt Profitmaximierung möchte er von hier aus den Geist einer neuen Ökonomie in die Welt tragen. Zum Auftakt der zweitägigen Veranstaltung informieren Experten ihre Zuhörerschaft in jeweils 30-minütigen Vorträgen. Themen wie "Nachhaltigkeit im Kaufprozess", "Gemeinwohl und Lebensqualität" oder "Grundlagen einer postkapitalistischen Gesellschaft" stehen auf der Agenda. Keine leichte Kost. Dafür gibt’s zwischendurch Yogaunterricht, fair gehandelten Öko-Kaffee und ein vegetarisches Bio-Buffett. Am zweiten Tag beim "Green Camp" ist dann Mitmachen angesagt. Die Workshopleiter erarbeiten gemeinsam mit den Teilnehmern Ideen und Erkenntnisse rund um Green Fashion, kreatives Denken oder soziale Verantwortung. Zwischen 10 und 500 Euro kostet die Teilnahme, je nach Format und Anmeldezeitpunkt. Im Zentrum der Konferenz steht der Gründer-Award, der jährlich an ökologisch-nachhaltige oder soziale Start-up-Unternehmen verliehen wird. In diesem Jahr erhielt die Online-Community mundraub.org den mit rund 30 000 Euro dotierten Preis, der als Dienstleistung abgegolten wird.

Über 1000 Besucher

Mittlerweile fand die Karma-Konsum Konferenz schon zum sechsten Mal statt. Mehr als 1000 Besucher zählten die Veranstalter. Auch die "Etablierten" aus der gesellschaftlichen Mitte sind gekommen. IHK-Geschäftsführer Detlev Osterloh, Geschäftsführer der Frankfurter Messe, Detlef Braun oder Dr. Kora Kristof vom Bundesumweltamt begrüßten die Kongressteilnehmer und lobten das Konzept von Karma-Konsum. "Wir wollen Brücken schlagen. Alles, was Lager bildet, finde ich nicht gut", sagt Harrach. Wir sind kein elitärer Zirkel, der den moralischen Zeigefinger erhebt, sondern ein offenes Netzwerk. Jeder ist eingeladen."

In der Tat findet ein Umdenken statt. Vielen Menschen ist es nicht mehr völlig egal, ob ihr Fleisch von Tieren stammt, die ausschließlich im Stall an der Kette stehen oder ihr T-Shirt von Kindern angefertigt wurde, die sich toxischen Färbereien vergiften lassen müssen. Langsam begreifen die Konsumenten, dass sie durch das, was sie kaufen, die Welt gestalten. Der Griff ins Supermarktregal, die Buchung einer Reise oder die Einrichtung der Wohnung wird immer mehr zur bewussten, fast schon politischen Handlung. Karma-Konsum greift diese wachsende Entwicklung auf, wird ihr Sprachrohr, vernetzt Interessierte und gestaltet den Wandel zu einer besseren Ökonomie selbst aktiv mit. adi

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