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Kein Platz für Erzieher

Ausbildungsplätze für Erzieher in Frankfurt sind rar gesät. Die öffentliche Berta-Jourdan-Schule ist völlig überlaufen. Alternativen bieten private Schulen wie die noch junge SRH-Fachschule.
In der Krabbelstube Zwergenstübchen am Frankfurter Berg werden auch die Allerkleinsten liebevoll betreut. Viele Schulabgänger möchten dies beruflich machen, bekommen jedoch keinen Ausbildungsplatz, Fotos: Rainer Rüffer Bilder > In der Krabbelstube Zwergenstübchen am Frankfurter Berg werden auch die Allerkleinsten liebevoll betreut. Viele Schulabgänger möchten dies beruflich machen, bekommen jedoch keinen Ausbildungsplatz, Fotos: Rainer Rüffer
Gutleutviertel. 

Spätestens im kommenden Jahr sind sowohl männliche als auch weibliche Erzieher in Frankfurt Mangelware. Laut einer Studie des Hessischen Sozialministeriums sollen 2013 nämlich rund 1400 Fachkräfte in der Mainmetropole fehlen. Grund dafür ist der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für jedes Kind unter drei Jahren, der ab August kommenden Jahres in Kraft tritt.

Geringes Interesse am Beruf des Erziehers ist nicht der Grund für die fehlenden Fachkräfte. Vielmehr sind es zu wenig Plätze, die für die Ausbildung zur Verfügung stehen. So konnte sich die einzige öffentliche Schule in Frankfurt, die Berta-Jourdan-Schule im Nordend, diesen Sommer vor Bewerbern kaum retten. Für die 300 Plätze zur Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher gab es rund 1000 Anfragen.

"Ich habe mich ganz bewusst für diesen Beruf entschieden. Leider bin ich an der Berta-Jourdan-Schule abgelehnt worden", berichtet Ronja Kotzyba. Sie hat für sich jedoch eine Alternative gefunden. Im August hat sie ihre Ausbildung zur Erzieherin an der SRH Fachschule begonnen, einer staatlich anerkannten Ersatzschule. "Das war genau die richtige Entscheidung. Bei wenigen Schülern ist alles viel persönlicher", sagt die Schulsprecherin.

Immer mehr Männer

Erst im Sommer mit 30 Schülern gestartet, ist bereits jetzt eine Erweiterung der Schule in der Baseler Straße geplant. "Wir möchten gerne jedes Jahr 25 Erzieher und 25 Sozialassistenten ausbilden können", sagte Schulleiterin Juliane Adameit bei der offiziellen Schuleröffnung gestern.

Einer der Männer ist Christian Albrecht, der sich eher durch Zufall zum Sozialassistenten ausbilden lässt. "Ich hatte meine Ausbildung abgebrochen und eine Anzeige in der Straßenbahn gesehen. Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Es passt einfach", sagt der junge Mann, der eine Anschlussausbildung zum Erzieher oder Heilerziehungspfleger anstrebt.

Finanzielle Unterstützung erhält die Fachschule von der Stadt Frankfurt. 350 000 Euro in zwei Jahren. "Wir freuen uns sehr über die Offenheit der Stadt, die uns entgegengebracht wurde", sagt Hans-Joachim Eucker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der SRH Fachschulen GmbH.

Keine freien Plätze

"Uns ist bewusst, dass der Bedarf an Erziehern im kommenden Jahr deutlich höher liegen wird. Durch Schulen wie der SRH können wir dem ein wenig entgegenwirken", sagt Reinhold Stahler vom Staatlichen Schulamt Frankfurt. Auch glaubt er, dass lange nicht alle Eltern von ihrem Anspruch auf einen Kitaplatz Gebrauch machen würden. "Beim Blick auf Wartelistenplatz 30 resignieren viele Eltern und ziehen die Anmeldung wieder zurück. Ich gehe von einer befriedigenden Deckung aus."

Private Schulen sind für die Berta-Jourdan-Schule eher Ergänzung als Konkurrenz. "Wir sind am Limit. Insgesamt werden bei uns 900 Schüler in drei Jahrgängen zum Erzieher ausgebildet. Mehr geht nicht", sagt Abteilungsleiter Michael Baumeister. Vor vier Jahren seien es noch 450 Schüler gewesen, eine erneute Ausweitung der Kapazitäten sei alleine durch den Platzmangel nicht möglich. "Es war eine politische Fehlkalkulation, als der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz beschlossen wurde. Der Zeitraum war eindeutig zu kurz."

26 Plätze pro Jahr bietet die Fresenius-Hochschule an. "Wir hatten 40 Bewerber, denken, dass es nächstes Jahr deutlich mehr sein werden. Wir haben uns sehr kurzfristig für das Angebot entschieden" sagt Schulleiterin Sabine Heinz. Mehr Plätze könnten nicht angeboten werden. jdi

(Judith Dietermann)
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