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Kunstwerk an der Hauptwache: Kein Werk für die Ewigkeit: Münzenskulptur ist weg

Von Lange hat das „Vertrauen“ nicht gehalten: Das aus Ein-Cent-Münzen gelegte Wort des Aktionskünstlers Ralf Kopp ist über Nacht verschwunden.
Geschafft: Am Donnerstagnachmittag hatte Aktionskünstler Ralf Kopp sein Werk vollendet. Lange hielt es allerdings nicht.	Foto: Roessler Geschafft: Am Donnerstagnachmittag hatte Aktionskünstler Ralf Kopp sein Werk vollendet. Lange hielt es allerdings nicht. Foto: Roessler
Innenstadt. 

„Gier frisst Vertrauen“ steht noch immer auf dem mahnenden Schild an der Nordwand der Katharinenkirche – darunter ist allerdings nur nackter Asphalt zu sehen. Nicht mal mehr die Umrisse der Buchstaben des Wortes Vertrauen sind zu erahnen. Gerade mal 15 Stunden hat das Kunstwerk aus 54 000 Ein-Cent-Münzen vor der Sankt Katharinenkirche an der Hauptwache gelegen. Am Freitagmorgen sind die Münzen weg. „Schade für den großen Aufwand, aber mich wundert, dass es überhaupt so lange überlebt hat“, meinte ein Passant etwas salopp.

 

Kamera macht Aufnahmen

 

Wie berichtet hatte Ralf Kopp am Donnerstag vor der Kirche in der Innenstadt sein Geldkunstwerk vollendet. Dessen Entstehung und die Reaktionen der Passanten dokumentierte er als Experiment mit einer Kamera, die hoch oben am Kirchturm angebracht ist. Die erste Auswertung der Bilder zeigt, dass sich Passanten im Schutze der Dunkelheit ungeniert bedienen und das Geld sogar in Kisten verstauen. Kurz nach 3 Uhr ist schon fast nichts mehr zu sehen von dem Schriftzug beziehungsweise vom Geld. „Wenn die Münzen aus Bedürftigkeit und nicht aus Gier entnommen wurden, dann bleibt es demjenigen zu gönnen“, kommentiert Kopp die Aufnahmen.

Ralf Kopp hat mit 54 000 Cent-Münzen das Wort „Vertrauen“ gelegt. Ob die Botschaft ankommt?	Foto: Salome Roessler
Kunstaktion vor der Katharinenkirche Das Geld liegt auf der Straße

Vor der Katharinenkirche liegt das Geld auf der Straße, in der Kirche baumelt es von Mobiles. Ein ungewohnter Anblick, mit dem der Künstler Ralf Kopp „Vertrauen“ stiftet und Spenden für die Obdachlosenarbeit der Katharinenkirche sammelt.

clearing

Seine Arbeit vor der Katharinenkirche gehörte zur Schau „Gier frisst Vertrauen“ in dem Gotteshaus. Besucher der Schau waren allerdings betroffen ob des dreisten nächtlichen Gelddiebstahls: „Ich bin entsetzt, ich hatte doch gehofft, es würde zumindest die zwei Wochen in Grundzügen überleben. Mein Mann hatte bei der Vernissage dagegen gewettet“, erklärte Ursula Schauffele. Auch Axel Kaufmann, Vorsteher im Ortsbeirat 2, musste einräumen: „Ich war auch skeptisch. Dass es so schnell ging und überhaupt nichts mehr übrig geblieben ist, hätte ich nicht gedacht.“ Es stelle sich die Frage, ob die Art der Entwendung nicht doch auf ein gezieltes Vorgehen schließen lasse.

Doch für Kopp steht fest, dass er der positiven und ergebnisoffenen Haltung zu seinem Experiment folgt und keine Anzeige erstattet. „Ich klage niemanden an und war nur zunächst enttäuscht, weil einige Besucher meinem Kunstwerk gute Chancen gegeben und sogar Centstücke dazugelegt hatten“, betont er.

 

Schon früh zerfleddert

 

„Doch schon am Donnerstagnachmittag zeigte sich das Kunstwerk an einigen Stellen zerfleddert“, erinnerte sich Rudolf Dederer bei seinem gestrigen Besuch in der Kirche. Was in der Nacht zum Freitag passierte, lässt sich anhand der Kamerabilder nachvollziehen: „Etwa zwischen 2.30 und 3.30 Uhr sind Gruppierungen und Kisten um das Geldwort zu sehen“, erklärt Kopp. „Als die Kehrmaschinen am Morgen über den Platz gefahren sind, war vom Kunstwerk schon nichts mehr zu erkennen“, fügt Stephanie Pieper hinzu, Sprecherin der Frankfurter Service- und Entsorgungs GmbH.

In der Katharinenkirche sind noch bis zum 31. Juli in der Kirche ein Mobilee mit Geldscheinen und Collagen mit warnenden Schriftzügen und Obdachlosen unter den stilisierten Brückenbauwerken zu sehen. Einige bedruckte Fünf-Euro-Scheine zugunsten der Obdachlosenhilfe wurden bereits gekauft oder bestellt (Telefon 77 06 77 70). Zur Finissage der Ausstellung werden vielleicht einzelne Bilder des Gelddiebstahls gezeigt, die jedoch keine Milieustudien zulassen.

Von seinen Plänen, bald weitere Experimente mit ähnlichen Geldwörtern im öffentlichen Raum zu starten, lässt sich Kopp nicht abbringen. Am Ende will er das Wort „Demokratie“ vor dem Bundestag in Berlin legen – selbst wenn er wie einst Christo bei der Reichstagsverhüllung Jahre brauchen sollte, bis das Projekt genehmigt wird.

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