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Lärmpausen: Keine Ruhe am Morgen für Frankfurts Süden

Von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat gestern sein Konzept der Lärmpausen vorgestellt. Für die einen ist es ein richtiger Schritt. In Frankfurt allerdings kommt es nur bedingt gut an.
Die Tonfigur eines Schlafwandlers steht auf dem Dachfirst eines Hauses in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Auch in Zukunft düsen wohl die Jets am frühen Morgen schon über die Dächer in Oberrad, Sachenhausen und Niederrad hinweg.	Foto: dpa Die Tonfigur eines Schlafwandlers steht auf dem Dachfirst eines Hauses in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Auch in Zukunft düsen wohl die Jets am frühen Morgen schon über die Dächer in Oberrad, Sachenhausen und Niederrad hinweg. Foto: dpa
Frankfurt. 

Bereits in den Sondierungsgesprächen zwischen CDU und Grünen im vergangenen November kamen sie auf den Tisch, im Koalitionsvertrag der Hessischen Landesregierung wurden sie dann verankert: die siebenstündigen Lärmpausen, die durch eine abwechselnde Nutzung der Bahnen den Menschen unter den Einflugschneisen eine Stunde mehr Schlaf ermöglichen sollen. Gestern stellte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nun fünf Modelle, die Lärmpausen ermöglichen sollen, vor. Mit Kommunen und Initiativen will Al-Wazir über die fünf Alternativen ab sofort diskutieren. Die Modelle könnten ab April 2015 erprobt werden.

 

„Bringt nichts“

 

Allerdings steht schon jetzt fest: Die Nordwest-Landebahn, unter der vor allem die Bewohner des Frankfurter Südens leiden, kann morgens nicht geschlossen werden, denn dann kommen zu viele Flugzeuge rein. „Gerade morgens ist es aber doch wichtig, dass die Menschen eine Stunde mehr Schlaf bekommen“, sagt Ursula Fechter, Sprecherin der Bürgerinitiative Sachsenhausen. „Da ist der Lärm noch unangenehmer als am Abend.“ Deshalb lautet ihr Fazit: „Für uns im Frankfurter Süden bringt das Konzept nichts. Wir profitieren davon nicht.“ Außerdem könnten die Lärmpausen nur so lange realisiert werden, wie die Zahl der Flugbewegungen zwischen den Nachtrandstunden, sprich zwischen 22 und 23 Uhr sowie 5 und 6 Uhr, auf dem aktuellen Stand bleibe. „Sobald aber die Kapazität von 133 genehmigten Starts und Landungen in dieser Zeit erreicht wird, bricht das Konzept zusammen.“ Es sei „eine Mogelpackung“ und Al-Wazir versuche, die einzelnen Bürgerinitiativen gegeneinander auszuspielen. „Aber wir halten zusammen und sind solidarisch.“

 

Verschiebung von Lärm

 

Auch Annette Rinn, FDP-Fraktionschefin, befürchtete, dass die Bürgerinitiativen und Kommunen gegeneinander ausgespielt werden, vor allem wenn sie die Modelle nun noch diskutieren müssen. „Da wünsche ich Herrn Al-Wazir viel Spaß bei“, so Rinn. „Allerdings begrüßen wir es immer, wenn die Bürger vom Lärm entlastet werden und die Wirtschaftlichkeit des Flughafens dadurch nicht beeinträchtigt wird. Und so scheint es mir.“ Denn durch die Lärmpausen gebe es nicht weniger Starts und Landungen. „Es handelt sich lediglich um eine Lärmverschiebung.“

Modelle für Lärmpausen Fluglärm: Eine Stunde mehr Ruhe

Acht Monate wurde gewartet, die Spannung war groß: Wie würde Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sein Versprechen von siebenstündigen Lärmpausen umsetzen?

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Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hieß die Modelle grundsätzlich für gut. „Jedes Dezibel weniger ist ein kleiner Sieg.“ Allerdings hält das Stadtoberhaupt trotz „der positiven Entwicklung“ an seiner Forderung, das Nachtflugverbot um zwei Stunden auf 22 bis 6 Uhr auszuweiten, weiterhin fest, wie er nochmals betont.

Davon will die Frankfurter CDU-Fraktion natürlich nichts hören. Lieber begrüßt ihr Vorsitzender Michael zu Löwenstein das Konzept der siebenstündigen Lärmpausen und räumt ein: „Dass es Probleme in den Morgenstunden geben wird, wussten wir. Das hat man uns immer gesagt. An die Begebenheiten können wir aber nichts ändern. “Auch der Fraktionschef der Grünen, Manuel Stock, freut sich über die schnell entwickelten Modelle. „Zum ersten Mal macht das hessische Wirtschaftsministerium überhaupt etwas für den Lärmschutz“, sagt er. „Das bietet eine Chance für die Anwohner.“ Allerdings müssten sich die Varianten nun genau angeschaut werden. „Denn für uns ist das Wichtigste, dass die Frankfurter entlastet werden, besonders morgens wäre das schön.“ Aber auch er sieht ein, dass das schwer wird. Und so weist ein Sprecher des Flughafens darauf hin: „Es wird Zeit brauchen, bis sich das komplexe Verfahren eingespielt hat und seine volle Wirkung erzielt.“ Immerhin stehe die Sicherheit stets an erster Stelle. Aber: „Der Weg ist das Ziel, und am Ende wollen wir alle die bestmöglichste Entlastung für die Anwohner des Flughafens.“

Fraport unterstützt die „Woche der Stille“

Die 3. „Woche der Stille – Frankfurt beruhigt“ steht vor der Tür. Am Montag geht es mit dem Programm los. Dem Lärm, der Hektik und dem Stress im Alltag soll entflohen werden – durch Meditation

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